Sa., 14.09.2019

Was die neuen iPhones der nordrhein-westfälischen Polizei alles können Ganz schön smart

Die Auslieferung der iPhones hat begonnen, bis April sollen alle 47 Behörden in NRW ihre Geräte haben.

Die Auslieferung der iPhones hat begonnen, bis April sollen alle 47 Behörden in NRW ihre Geräte haben. Foto: Polizei NRW

Von Christian Althoff

Düsseldorf (WB). 20.000 Smartphones hat das NRW-Innenministerium gekauft, um die Arbeit von Polizisten sicherer und schneller zu machen. Die spezielle Software, die überwiegend vom Duisburger Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste (LZPD) entwickelt wurde, soll aus den Geräten kleine Polizeileitstellen für die Hosentasche machen.

Sicherheit: Das Land hat iPhones 8 bestellt, weil es das Betriebssystem für weniger angreifbar hält als Android. Polizisten müssen die Smartphones mit einem Code entsperren und zur Nutzung der polizeilichen Apps zusätzlich persönliche Anmeldedaten eingeben. Das Handy kommuniziert über eine verschlüsselte VPN-Verbindung mit dem Polizeicomputer. Polizisten können nur solche Apps auf die Smartphones laden, die vom LZPD freigegeben wurden. Die Polizei-Apps sind so programmiert, dass fremden Apps der Zugriff nicht möglich sein soll. Daten, die Polizisten in die Smartphones eintippen, werden nicht in den Geräten gespeichert. Verliert ein Polizist sein Smartphone, unterbindet die Bildschirmsperre schnell eine Fremdnutzung. Der Geräteinhalt kann dann aus der Ferne vom LZPD gelöscht werden.

Kennzeichenscanner: Folgen Polizisten einem Auto, um es anzuhalten, können sie während der Fahrt mit dem Smartphone das Kennzeichen fotografieren. Das Handy zeigt an, ob das Nummernschild als gestohlen gemeldet wurde. Die bisherige Abfrage per Funk über die Leitstelle entfällt.

Das neue Polizei-Handy zeigt an, ob das Nummernschild als gestohlen gemeldet wurde Foto: Christian Althoff

SIS-App : Sie ermöglicht Polizisten den Zugriff auf die mehr als 70 Millionen Datensätze des Schengener Informationssystems SIS. In der EU-weiten Datenbank sind zum Beispiel vermisste und zur Fahndung ausgeschriebene Personen gespeichert, aber auch Dinge wie zu überwachende Fahrzeuge und gestohlene Papiere.

Messenger: Diese Anwendung ist Whatsapp für Polizisten. LZPD-Sprecher Jan Schabacker nennt ein Beispiel: »Wenn Eltern Streifenbeamten das Foto ihres vermissten Kindes zeigen, können die Kollegen das Bild sofort an alle Polizisten weiterschicken. Das ging bisher nicht, weil wir Whats­app aus Sicherheitsgründen nicht verwenden durften.« Wie bei Whats­app können Polizisten auch bei diesem verschlüsselten Messenger Gruppen einrichten, etwa für bestimmte Dienstschichten.

Viva Sache: Die Polizei unterhält eine Datenbank mit Seriennummern gestohlener Gegenstände. Stoßen Polizisten bei Fahrzeugkontrollen auf mutmaßliche Diebesbeute mit Seriennummern, können sie die mit dieser App überprüfen.

Fingerabdruckscanner: Diese Anwendung ist noch nicht installiert, soll aber kommen. Polizisten sollen dann mit dem iPhone Fingerabdrücke scannen und mit der polizeilichen Datenbank AFIS abgleichen können.

Notruf-Button: Berührt ein Polizist diese Schaltfläche, wird in der Leitstelle Alarm ausgelöst, und das iPphone übermittelt den Standort des Beamten.

Inpol: Die App dient zur Fahndung und Recherche. Sie ermöglicht den Zugriff auf die Inpol-Datenbank des Bundeskriminalamts, in der unter anderem Informationen über Straftäter, Beschuldigte, Verdächtige, Kontaktpersonen, Zeugen, Opfer und Vermisste gespeichert werden.

Die App Inpol dient zur Fahndung und Recherche. Sie ermöglicht den Zugriff auf die Inpol-Datenbank des Bundeskriminalamts. Foto: dpa

Viva Kfz: Diese App gibt Auskunft über Fahrgestellnummern und Kennzeichen.

ZEVIS: Mit dieser App kommen Polizisten in die Datenbank des Kraftfahrtbundesamts in Flensburg. Dort sind unter anderem Informationen über Fahrzeuge, Halter, Führerscheine und Führerscheinsperren abgelegt.

Dokumentenscanner : Mit dieser App können Papiere wie Führerscheine und Personalausweise eingescannt und online überprüft werden. Die App soll in den nächsten Monaten weiterentwickelt werden, so dass die gescannten Daten automatisch in Unfallberichte und andere Formulare übernommen werden und nicht mehr per Hand eingegeben werden müssen. Das soll Zeit sparen und die Fehlerzahl reduzieren.

Kosten : Für die 20.000 Handys, den zentralen Server, die Entwicklung der Apps und weitere polizeiliche Kommunikationstechnik gibt das Land bis 2022 nach eigenen Angaben 50 Millionen Euro aus. Was NRW für ein einzelnes iPhone bezahlt, will das Innenministerium nicht sagen. Mit den Geräten sollen alle Polizisten ausgestattet werden, die unterwegs sind. Wegen des Schichtdienstes muss nicht jeder Beamte sein eigenes Smartphone bekommen.

Bewertung: »Mit diesen Smartphones liegt die nordrhein-westfälische Polizei bundesweit vorne«, sagt Markus Robert aus dem GdP-Landesvorstand. »Die Arbeit wird einfacher, schneller, und der Messenger wird uns vor allem bei Fahndungen einen große Hilfe sein.« Mittelfristig solle das Ministerium aber anstreben, doppelt so viele Geräte zu kaufen und jedem Polizisten ein eigenes zur Verfügung zu stellen.

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