Mi., 18.09.2019

Die Große Koalition ringt darum, was sie den Bürgern zumuten kann – Wir haben schon mal gefragt Das tue ich für den Klimaschutz

Thema Klimaschutz: 16 Menschen aus der Region erzählen, was sie bereits für unsere Zukunft tun und was sie sich darüber hinaus vorstellen können.

Thema Klimaschutz: 16 Menschen aus der Region erzählen, was sie bereits für unsere Zukunft tun und was sie sich darüber hinaus vorstellen können. Foto: dpa

»Eigentlich wäre es am besten, man würde...« – so beginnen Sätze zum Klimaschutz. Und wenn es konkret wird? Wozu sind die Menschen bereit: verzichten, sich einschränken, mehr bezahlen, Gewohnheiten ändern? Diese Frage stellen sich derzeit nicht nur die Regierungsparteien in Berlin, die an einem Klimaschutzpaket arbeiten , das möglichst große Akzeptanz finden soll.

Die Lokalredaktionen des WESTFALEN-BLATTS wollten schon vorher wissen, wie die Ostwestfalen auf das Thema schauen. 16 Menschen aus der Region, Frauen und Männer, Jüngere und Ältere, erzählen, was sie bereits für unsere Zukunft tun und was sie sich darüber hinaus vorstellen können.

Annette Runte (50) aus Gütersloh, Rentnerin und Vizevorsitzende Behindertenbeirat: »Ich achte bei Kleidung auf natürliche Materialien, vermeide Kunstfaser, damit kein Mikroplastik beim Waschen in die Umwelt gelangt. Ich erledige viel digital und drucke Dokumente nur aus, wenn es nötig ist. Ich versuche, wenig Verpackungsmüll mit einzukaufen und nehme   Dosen und Taschen mit zum Einkaufen.« 

Matilda Sadrowsky   (16), Schülerin  aus Bad Wünnenberg: »Klimaschutz bedeutet für mich   nachhaltiges Leben mit Rücksicht auf alle Tiere und Menschen.  Man sollte Plastikverpackungen vermeiden, Bioprodukte kaufen und die Idee von Läden mit Abfüllprodukten weiter verbreiten. Seit fünf Jahren bin ich  Vegetarierin und kaufe nur Wasser in recycelbaren Flaschen sowie   Blockseife und Zahnbürsten aus Bambus.« 

Anja Zozmann (33), Filialleiterin im Einzelhandel aus Bünde: »Ich würde für besseren Klimaschutz   meine Ernährung umstellen und gänzlich auf tierische Produkte verzichten. Außerdem würde ich regional, fair und bio einkaufen und dafür dann auch mehr bezahlen. Bei besseren und günstigeren Angeboten im öffentlichen Nahverkehr würde ich auch öfter mal das Auto stehen lassen.«

Sandra Diedrigkeit (51), Einzelhandelskauffrau aus Steinhagen: »Ich verzichte beim Einkaufen von Obst und Gemüse   auf Plastiktüten. Die Kinder nutzen nur noch Mehrwegkaffeebecher. Ich fahre   kleinere Strecken nicht mehr mit dem Auto, sondern per Rad oder gehe zu Fuß.  Aber ein Umstieg auf den ÖPNV ist schwierig, wenn man auf dem Land wohnt: Von Brockhagen nach Bielefeld ist eine Katastrophe.« 

Mathias Polster (60), Stadtführer aus Herford:  »Ich  bin schon lange bemüht, die Umwelt so wenig wie möglich zu belasten. Wenn möglich, kaufe ich bio ein und schließe Verträge mit Ökoanbietern. Außerdem ist unser Garten keine Steinwüste. Dort blüht es das ganze Jahr. In den vergangenen Monaten habe ich außerdem noch mehr geprüft, ob ich bestimmte Wege mit dem Auto fahren muss.«  

Maria Frese (39), Lehrerin aus Brakel: »Ich nehme beim Einkauf von Obst und Gemüse keine Plastiktüten mehr. Wasser holen wir nicht mehr in Kunststoffflaschen. Wir nehmen Leitungswasser in Glasflaschen und  einen Sprudler. Ich rede zudem mit meinen Kindern über das Thema. Ich finde es wichtig, dafür ein Bewusstsein zu schaffen.  Das hat zur Folge, dass es vorkommt, dass sie mich ermahnen.« 

Katharina Vorderbrügge (41), Kulturbeauftragte aus Vlotho: »Ich bin bereit, für den Klimaschutz alles, was notwendig ist, zu machen.   Deshalb fliege ich grundsätzlich nicht mehr und fahre so wenig Auto wie möglich. In den Urlaub geht es mit dem Zug. Außerdem engagiere ich mich bei ›Parents for future‹. Beim Essen verzichte ich  auf Fleisch und würde auch mehr für Lebensmittel und Benzin zahlen.«  

Jutta Richarts (64), Rentnerin aus Büren: »Klimaschutz bedeutet für mich, Gegenstände nicht direkt wegzuwerfen, sondern sie weiterzuverarbeiten. Die Menschen ­sollten, statt mit dem Auto zu fahren, lieber das Fahrrad nutzen und beispielsweise in Sachen Kleidung minimalistischer denken. In  der Nachbarschaft kann man sich ­zusammenschließen, um zum ­Beispiel Wege mit dem Auto zu sparen.« 

Dirk Waterstradt  (51), Briefträger aus Schloß Holte-Stukenbrock: »Ich habe bereits 20 Quadratmeter Bienen- und Schmetterlingsweide in meinem Garten – und das schon seit zwei Jahren. Dort finden Insekten Futter – und deshalb auch die Vögel. Außerdem lasse ich öfter mal das Auto stehen und gehe zu Fuß ins Ortszentrum. Beruflich bin ich sowieso den ganzen Tag mit dem Fahrrad unterwegs.« 

S ören Spönlein (32), Wirtschaftsförderer aus Warburg: »Eines der größten Probleme ist das viele Plastik. Wir verzichten darauf, wo es geht. Wir kaufen beispielsweise Getränke nur in Glasflaschen. Außerdem achten wir darauf, dass Lebensmittel auf kurzen Wegen transportiert werden. Im Warburger Land gibt es sehr viele Produkte aus regionalem Anbau – ich brauche keine Himbeeren aus Marokko.« 

Sylvia Tiemann (34), Hausfrau aus Preußisch Oldendorf : »Ich verzichte, so oft ich kann, auf das Auto und gehe  stattdessen zu Fuß oder nehme das Fahrrad. Auch beim Einkaufen habe ich immer einen Korb dabei und vermeide Plastiktüten. Das ist  im Alltag problemlos machbar. Die öffentlichen Verkehrsmittel müssen aber noch mehr gefördert werden, damit mehr Leute ihre Autos auch mal stehen lassen.«

Tobias Rüther (37), Angestellter  aus Paderborn: »Beim Klimaschutz sollten wir versuchen, die Welt nachhaltig zu schützen, um die Umwelt für unsere Kinder zu erhalten. Umweltschutz fängt im Kleinen an. Ich verzichte zum Beispiel  auf Plastiktüten. Eine gute Alternative ist die Elektromobilität, zum Beispiel E-Autos und  E-Scoo­ter. Ich würde Geld in erneuerbare Energien investieren.«

Marlien Kischel (27), Studentin aus Bielefeld: »Ich könnte theoretisch auf alles verzichten, aber dann müssten   alle mitziehen. Fleisch esse ich eher selten. Öffentliche Verkehrsmittel nutze ich auch. Es würde mir  schwer fallen, auf Flüge zu verzichten,  Inlandsflüge sollten aber gestrichen werden. Wir brauchen entsprechende Gesetze, dann wäre es für andere wahrscheinlich  leichter mitzuziehen.« 

Michael Schneider (66), Rentner aus Bielefeld: »Ich würde mir eventuell ein E-Auto anschaffen. Zumindest dann, wenn es mehr Ladestationen geben würde und die Autos eine höhere Reichweite hätten. Aktuell versuche ich, möglichst alle Strecken zu Fuß zu gehen. Auf die Fliegerei würde ich auch ganz verzichten – das tue ich eigentlich jetzt schon. Urlaub machen meine Frau und ich nur noch in Deutschland.« 

Theresa Frenker (26) Buchhändlerin aus Höxter: »Ich habe kein Auto und verzichte deshalb auf das Autofahren, ich bin  nur mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bus und Bahn unterwegs. Außerdem achte ich  darauf, dass meine Einkäufe so plastikfrei wie möglich sind. Zum Beispiel kaufe ich nur unverpacktes Obst und Gemüse und fülle mir Wasser aus der Leitung in eine Glasflasche ab.«   

Thomas Brune (42), Erzieher aus Bad Oeynhausen: »Zu meinem Arbeitsplatz fahre ich  mit dem E-Bi­ke und insgesamt 4000 Kilometer im Jahr. In Zukunft möchte ich außerdem noch mehr auf Bus und Bahn umsteigen. Wir brauchen aber bessere Anbindungen im Öffentlichen Personennahverkehr.  Ansonsten verzichten wir beim Einkauf auf Verpackungen, besonders auf Plastik bei Obst und Gemüse.«  

 

 

 

 

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