Di., 03.12.2019

Protestaktion des Berufsverbands: „Bei jeder Untersuchung zahlt der Arzt drauf“ Einige Urologen sagen Termine für Blasenspiegelungen ab

Einige Urologen in Nordrhein-Westfalen haben Termine für Blasenspiegelungen abgesagt, die bis zum 13. Dezember stattfinden sollten. Damit wollen die Ärzte nach Angaben ihres Berufsverbandes darauf aufmerksam machen, „dass sie draufzahlen“.

Einige Urologen in Nordrhein-Westfalen haben Termine für Blasenspiegelungen abgesagt, die bis zum 13. Dezember stattfinden sollten. Damit wollen die Ärzte nach Angaben ihres Berufsverbandes darauf aufmerksam machen, „dass sie draufzahlen“. Foto: Althoff

Von Christian Althoff

Bielefeld (WB). Einige niedergelassene Urologen aus Nordrhein-Westfalen beteiligen sich seit Montag an einer Protestaktion des Berufsverbandes der Deutschen Urologen (BvDU). Sie wollen bis zum 13. Dezember in ihren Praxen keine Blasenspiegelungen mehr durchführen und haben bereits vergebene Untersuchungstermine verlegt. „Jede Blasenspiegelung eines Kassenpatienten kosten den Arzt bis zu 100 Euro“, sagt BvDU-Sprecherin Silja Koenig.

Bei einer Blasenspiegelung (Zystoskopie) führt der Arzt ein flexibles oder starres Endoskop durch die Harnröhre ein, um diese und die Blase zu untersuchen. Es ist eine Routineuntersuchung, die nach Angaben des BvDU durchschnittlich in jeder der 2200 urologischen Praxen etwa zweimal am Tag vorgenommen wird. Bei einer Blasenspiegelung können auch Gewebeproben entnommen werden.

Vorschriften wie für Krankenhäuser

Dieses Foto entstand bei einer Blasenspiegelung im Krankenhaus, die oft mit einem Eingriff verbunden ist. Foto: Klein

2012 hatten sich die Vorschriften zur Aufbereitung der Instrumente (Reinigung, Desinfizierung, Aufbewahrung usw.) geändert. Silja Koenig: „Seitdem gelten für Urologie-Praxen dieselben Vorschriften wie für Krankenhäuser.“ Mitarbeiter müssten eine bestimmte Qualifikation haben, gegebenenfalls müsse auch ein eigener Raum abgetrennt werden, und die Dokumentationspflichten seien strenger und reichten zum Teil bis zu einer externen Validierung der Hygienemaßnahmen. „Unter dem Strich bedeutet das Kosten, die der Urologe nicht ersetzt bekommt. Im Gegenteil: Er arbeitet unterhalb der Kostendeckung, zumindest bei Kassenpatienten.“

Nach Angaben des Berufsverbands bekommt ein Urologe für einen Untersuchung mit einem flexiblen Instrument (meist bei Männern benutzt) 48,05 Euro von der Krankenkasse. Werde das starre Endoskop verwendet (wegen der viel kürzeren Harnröhre oft bei Frauen) zahle die Kasse 29,44 Euro. „Die tatsächlichen Kosten einer Blasenspiegelung liegen aber bei 130 Euro.“

Druck auf Politik und Kassen

Als Behörden in der Pfalz bei Kontrollen feststellten, dass manche Urologen die Aufbereitung ihrer Instrumente nicht extern überprüfen und bescheinigen ließen, drohten sie ihnen mit der Schließung der Praxen. Daraufhin entstand die Protestaktion, die am 18. November im Süden Deutschlands begann. Seit Montag sind nach Angaben des Berufsverbandes (3000 Mitglieder) auch Urologen aus Nordrhein-Westfalen dabei.

Silja Koenig sagt, der Verband habe keine Zahlen zu teilnehmenden Ärzten. „Aber wir hören aus vielen Städten, dass Urologen mitmachen.“ Der Verband habe sie gebeten, Termine nicht einfach abzusagen, sondern den Patienten den Hintergrund zu erläutern. „Deshalb schreiben einige Patienten auch an Politiker.“

Mit ihrer Aktion wollen die Praxen Druck auf Politik und Kassen machen. Jens Kuschel, Sprecher der AOK Nordwest: „Das Thema wird demnächst auf der Bundesebene zwischen dem GKV-Spitzenverband für die Krankenkassen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung besprochen.“

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