Mi., 29.01.2020

Erste Ansteckungen in Deutschland – mit Kommentar Virus: In China tätige Firmen aus OWL treffen Vorsichtsmaßnahmen

Proben im Institut für Virologie an der Charité.

Proben im Institut für Virologie an der Charité. Foto: dpa

München/Bielefeld (dpa/WB/sas/in/ef). Deutschland hat die ersten Fälle der neuen Lungenkrankheit. Ein Mann aus Bayern hatte über Stunden mit einer Chinesin zusammengesessen, die, wie sich später herausstellte, mit dem Virus infiziert war. Drei weitere Menschen wurden ebenfalls infiziert . Einige Staaten erschweren Chinesen die Einreise. Die Fallzahlen steigen.

Der Bayer (33) nahm am 21. Januar an einer Schulung seiner Firma Webasto im Landkreis Starnberg teil und hat sich dabei bei einer Kollegin aus China angesteckt, erklärte das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit am Dienstag. Am Abend stand fest: Drei weitere Menschen wurden infiziert. Sie stünden in Zusammenhang mit dem ersten bestätigten Fall, teilte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in München mit. Die Behörden wollen nun herausfinden, mit wem die Webasto-Mitarbeiter in Deutschland Kontakt hatten. Europaweit waren zuvor drei Infektionen nachgewiesen worden, alle in Frankreich.

Die Gesamtzahl der weltweit bekannten Erkrankungen ist auf mehr als 4500 gestiegen, in China sind mehr als 100 Menschen gestorben. Unterdessen bereiten sich Krankenhäuser in OWL auf den Ernstfall vor. Es bestehe kein Grund zur Panik, sagt Wolfgang Schmidt-Barzynski, Ärztlicher Direktor des Klinikums Bielefeld, betont aber gleichzeitig: „Wir können die Entwicklung nicht absehen.“ Etwaige Verdachtsfälle würden sofort isoliert werden. Das Klinikum Bielefeld sagte eine für März geplante Hospitanz einiger chinesischer Ärzte ab.

Der Lippstädter Autozulieferer Hella (inklusive der Joint ventures 5000 Mitarbeiter in China) ist schon lange alarmiert. Seit Freitag trifft sich laut Unternehmenssprecher Markus Richter täglich eine Runde von Experten aus Deutschland und China per Skype, um die Informationen zum Coronavirus auszutauschen und Maßnahmen zu besprechen. Aktuell seien fast alle Standorte vor Ort wegen der mehrtägigen chinesischen Neujahrsfeiern geschlossen. „Wir prüfen, ob wir die Betriebsferien verlängern“, erklärte Richter. Reisen in das Zen­trum der Epidemie um die Elf-Millionen-Metropole Wuhan seien untersagt. Von Flügen von und nach China werde abgeraten. Rückkehrer von einer China-Reise sollten im Homeoffice arbeiten.

Auch andere Unternehmen aus OWL, die in China produzieren, sind alarmiert. Bei Benteler (Paderborn) wurden Reisen nach China ausgesetzt; aktuell sei niemand vor Ort. Schüco, Moeller Group (beide Bielefeld), Weidmüller (Detmold), ZF (Friedrichshafen/Stemwede) und Schaeffler (Herzogenaurach/Steinhagen) wiesen ihre Mitarbeiter an, China-Reisen auf ein Minimum zu beschränken. Der Bielefelder Nähmaschinenhersteller Dürkopp-Adler äußerte sich nicht zum Thema.

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