Mi., 05.02.2020

2007 starben Arbeiter in einem deutschen Thyssenkrupp-Stahlwerk in Turin Sieben Tote: Manager müssen in Haft

Hinterbliebene sitzen mit Fotos der tödlich verletzten Stahlarbeiter in Turin im Gericht.

Hinterbliebene sitzen mit Fotos der tödlich verletzten Stahlarbeiter in Turin im Gericht. Foto: imago

Von Christian Althoff

Essen (WB). Vor 13 Jahren waren bei einem Feuer in dem deutschen Thyssenkrupp-Werk in Turin sieben Stahlarbeiter ums Leben gekommen. Jetzt entschied das Oberlandesgericht in Hamm: Die in Italien gegen zwei deutsche Manager verhängten Gefängnisstrafen werden in Deutschland vollstreckt, aber auf die hier geltende Höchststrafe begrenzt.

2007: Feuer während der Nachtschicht

Am 6. Dezember 2007 brach in dem Werk während der Nachtschicht ein Feuer aus. Als die ersten Löschversuche scheiterten und ein Rohr platze, wurden Arbeiter von siedend heißem Öl getroffen. Sie starben kurz darauf oder Wochen später an ihren Brandverletzungen. Mit dem Arbeitsschutz in dem Werk soll es nicht weit her gewesen sein. Etwa 30.000 Menschen gingen damals in Turin auf die Straße. Sie beschimpften die Werksverantwortlichen als Mörder, und der deutsche Papst Benedikt XVI. sandte ein Beileidstelegramm.

Nach Überzeugung des Gerichts in Turin gab es in dem Werk keine automatische Löscheinrichtung. Drei von fünf Feuerlöschern sollen leer, die Wasserleitungen kaputt gewesen sein. Sechs Manager zog die italienische Justiz 2011 zur Rechenschaft, vier italienische und zwei deutsche. Der damalige Chef des Werks, Harald E., sollte 16 Jahre und sechs Monate ins Gefängnis, sein Finanzchef Gerald P. 13 Jahre.

Zweiter Prozess im Jahr 2016

In einem zweiten Prozess wurden 2016 alle Strafen reduziert. Nun sollte Harald E. wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Brandstiftung noch neun Jahre und acht Monate hinter Gitter, der Finanzchef sechs Jahre und drei Monate.

Während die italienischen Manager ihre Haft antraten, taten die beiden Deutschen das nicht. Sie hielten sich zuletzt nicht mehr in Italien auf, und Deutschland liefert seine Bürger nicht aus. Die italienische Justiz beantragte deshalb 2016/2017 bei der Justiz in Essen die Übernahme der Strafvollstreckung. Das Landgericht Essen erklärte die Vollstreckung des italienischen Urteils in Deutschland für zulässig, reduzierte die Strafen aber auf die nach deutschem Recht geltende Höchststrafe von fünf Jahren.

Dagegen wehrten sich die heute 53 Jahre alten Manager. Sie wollten die Haft nicht antreten und gingen zum Oberlandesgericht Hamm. Dort unterlagen sie jetzt. Das Gericht teilte am Dienstag mit, an den Beschlüssen des Landgerichts Essen gebe es nichts auszusetzen. Alle Voraussetzungen für die Vollstreckung eines ausländischen Urteils seien erfüllt, und auch die Begrenzung auf fünf Jahre sei korrekt gewesen. Sprecher Martin Brand: „Die Entscheidung des OLG Hamm ist rechtskräftig.“ Deshalb müssen die Manager damit rechnen, bald zum Haftantritt geladen zu werden.

Kritik in der italienischen Öffentlichkeit

In der italienischen Öffentlichkeit gibt es Kritik daran, dass die Deutschen so lange frei geblieben waren. Schon 2017 soll Italiens Justizminister deshalb den Fall bei seinem deutschen Kollegen Heiko Maas angesprochen haben.

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