Fr., 07.02.2020

Wilke-Insolvenzverwalter beauftragt Auktionator Hubert Küpers aus Kirchlengern „Ekelwurst“-Fabrik wird versteigert

Das Inventar der hessischen Wurstfabrik Wilke in Twistetal-Berndorf, die von den Behörden im Oktober 2019 wegen massiver Hygienemängel geschlossen worden war, wird von Hubert Küpers aus Kirchlengern versteigert.

Das Inventar der hessischen Wurstfabrik Wilke in Twistetal-Berndorf, die von den Behörden im Oktober 2019 wegen massiver Hygienemängel geschlossen worden war, wird von Hubert Küpers aus Kirchlengern versteigert. Foto: Peter Schelberg

Von Christian Althoff

Kirchlengern (WB). Hubert Küpers aus Kirchlengern (Kreis Herford) ist vom Insolvenzverwalter der hessischen Wurstfabrik Wilke beauftragt worden, das Inventar zu versteigern. Einen Schlauch gibt’s ab einem Euro, eine Küchenzeile soll mindestens 100 Euro bringen, und für eine Aufschnitt-Schneidemaschine mit Verpackungslinie wird ein Startpreis von 100.000 Euro aufgerufen.

Behörden hatten die Fabrik im Oktober wegen. Möglicherweise steht der Tod dreier Menschen und die Erkrankung 37 weiterer im Zusammenhang mit listerienverseuchter Wurst, die aus dem Unternehmen stammte.

Vom Schnitzelplätter bis zu Stiefelregalen: Das Inventar der Firma Wilke kommt unter den Hammer.

Küpers, öffentlich bestellter und vereidigter Versteigerer und Sachverständiger, ist vom Fach. Seine Indus­trie-Verwertungs-Ge­sellschaft IVG mit bundesweit acht Standorten ist seit 1976 darauf spezialisiert, Maschinen und andere technische Anlagen zu bewerten. 30 Mitarbeiter beschäftigt der Unternehmer, darunter 15 Sachverständige. „Wir zählen uns zu den drei Großen in Deutschland“, sagt der Ostwestfale, der im Jahr nach eigenen Angaben bis zu 100 Auktionen durchführt.

Besichtigungstermine einmal in der Woche

Ende 2019 hatte der Insolvenzverwalter Dr. Mario Nawroth die IVG mit der Bewertung des Wilke-Inventars, des „bewegliches Anlagevermögens“, beauftragt. Auf Grundlage dieses Gutachtens hatte Nawroth dann versucht, einen Käufer für die Fabrik zu finden – vergeblich. Deshalb folgte jetzt der Auftrag an Hubert Küpers, alles zu versteigern. Zu den vom Insolvenzverwalter erwarteten Einnahmen dürfe er sich nicht äußern, sagt der Sachverständige.

Hubert Küpers, Sachverständiger und Auktionator aus Kirchlengern.

Einmal in der Woche organisiert Hubert Küpers zur Zeit Besichtigungstermine für Interessenten großer und teurer Maschinen in den Werkshallen in Twistetal-Berndorf. „Viele kommen aus dem Ausland. Aus Spanien, Russland und Ungarn zum Beispiel.“ Für alle anderen Interessenten gibt es einen öffentlichen Besichtigungstermin am Montag, dem 2. März, und damit kurz vor Ablauf der Auktion.  Alle Gegenstände seien gereinigt. Um eine Desinfektion müssten sich die Käufer aber selber kümmern – wie um den Abbau und den Transport.

1200 Positionen im Auktionskatalog

Der Auktionskatalog, der im Internet steht, enthält etwa 1200 Positionen: Stabmixer, das Inventar eines Konferenzraums, Schnitzelschneider, Verkaufsanhänger, Wurstrührmaschinen, Gummistiefelregale, Pökelspritzen, Kochschinkenpressen, Waagen, Etikettiermaschinen, Werbeschilder...

Vorbereitung hat rund vier Woche gedauert

„Die Vorbereitung der Auktion hat etwa vier Wochen gedauert“, sagt Hubert Küpers. „Wir haben jedes Teil fotografiert und auch ein Video erstellt.“ Der Aufwand lohne sich. „Durch die Auktion im Internet erzielen wir höhere Einnahmen, weil wir einfach mehr Interessierte erreichen als bei einer Versteigerung vor Ort.“ Er rechne damit, dass etwa die Hälfte des Wilke-Inventars ins Ausland gehe. Wer schon jetzt im Internet mietbieten wolle, müsse sich auf der Internetseite registrieren. Das Unternehmen IVG bekommt ein erfolgsabhängiges Honorar von 18 Prozent.

Ermittlungen gegen drei Beschuldigte

Im Wilke-Fleischskandal ermittelt die Staatsanwaltschaft Kassel inzwischen gegen drei Beschuldigte. Außer dem früheren Geschäftsführer sind das die damalige stellvertretende Geschäftsführerin und der ehemalige Produktionsleiter. Es besteht der Verdacht der fahrlässigen Tötung, der fahrlässigen Körperverletzung, des Verstoßes gegen das Lebensmittel- und Futtergesetzbuch und des gewerbsmäßigen Betruges.

Nach den bisherigen Ermittlungen soll es ab 2012 zu erheblichen Überproduktionen gekommen sein, für die eine adäquate Kühlmöglichkeit gefehlt haben soll. Über Jahre soll gesperrte und nicht verkaufsfähige Ware in den Handel gebracht worden sein.

www.ivg.auction

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