Bundesweit sehen Forscher Platz für bis zu 1400 Rudel
Studie: NRW für Wölfe überwiegend ungeeignet

Düsseldorf (WB). Zu viele Menschen, zu viele Straßen, zu viele Störungen: Der überwiegende Teil Nordrhein-Westfalens  bietet Wölfen denkbar schlechte Voraussetzungen, um sich anzusiedeln. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle wissenschaftliche Studie, die im Auftrag der Bundesländer mögliche zukünftige Wolfs-Territorien identifizieren sollte. Denn die Länder wollen sich vorbereiten, um Nutztiere zu schützen.

Mittwoch, 20.05.2020, 04:06 Uhr aktualisiert: 20.05.2020, 11:38 Uhr
In Nordrhein-Westfalen dürfte sich der Wolf einer Studie zufolge nicht sehr wohl fühlen. Foto: dpa
In Nordrhein-Westfalen dürfte sich der Wolf einer Studie zufolge nicht sehr wohl fühlen. Foto: dpa

20 Jahre ist es her, dass in Deutschland der erste Wolfsnachwuchs seit 150 Jahren nachgewiesen wurde. Inzwischen sind 105 Rudel, 29 Paare und elf Einzeltiere bekannt. Als Rudel gelten Elterntiere, die mit ihrem ein- bis zweijährigen Nachwuchs ein Territorium besetzen. 144 Territorien sind bundesweit bekannt.

Standortdaten von 20 Wölfen ausgewertet

Für ihre Untersuchung nutzten die Wissenschaftler um Prof. Stephanie Kramer-Schadt vom Leibniz-Institut für Zoo-und Wildtierforschung in Berlin erstmals die Standortdaten von 20 Wölfen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen, die zum Teil seit Jahren ein Senderhalsband tragen. „Wir wussten also genau, wo sich die Wölfe aufhielten und konnten ihre Territorien anhand statistischer Daten beschreiben”, sagt Stephanie Kramer-Schadt.

Wesentliche Kennwerte für die Charakterisierung der Territorien waren die Einwohnerdichte, der sogenannte Human Foot Print (ein Index für die Störungen in der Landschaft durch bebaute Fläche, Stromverteilungsnetze, Acker- und Weideland, Straßen, Gleise, Wasserstraßen), die Landnutzung und die Entfernung zu Siedlungen und Straßen. Die Topografie des Geländes spielte keine Rolle, wodurch die Ergebnisse der Studie nach Angaben der Autoren sowohl auf flache Küstenländer als auch auf Gebirgsregionen angewandt werden konnten.

Ausreichend große Flächen in allen Bundesländern vorhanden

Die Wissenschaftler schreiben, ein Rudel brauche in Deutschland ein Territorium von etwa 200 Quadratkilometern (zum Beispiel 14 mal 14 Kilometer), um ausreichend Beute zu finden. Entsprechend große Flächen, die auch noch den Kriterien der untersuchten Territorien entsprechen, fanden die Forscher in allen Bundesländern. Insgesamt sehen sie – nach unterschiedlichen statistischen Berechnungen – Raum für bundesweit 700 bis 1400 Wolfsterritorien, die meisten in den bayerischen Alpen, entlang der tschechischen Grenze, in den Mittelgebirgen sowie verstreut in Nordostdeutschland.

NRW sei für die Etablierung von Wolfsterritorien dagegen „schlecht geeignet”, schreiben die Wissenschaftler. Hier sehen sie allenfalls Raum im Siegerland, im Sauerland und in Teilen Ostwestfalens. In Nordrhein-Westfalen gibt es bisher nur drei Gebiete, in denen sich ein Wolf oder mehrere Wölfe dauerhaft angesiedelt haben: Schermbeck (Kreis Wesel), die Senne und die Eifel.

Durch die Auswertung der Funkdaten widerlegten die Forscher eine Studie von 2015, die Wälder als typische Wolfshabitate beschrieben und deshalb nur 440 potenzielle Territorien identifiziert hatte. „Gerade jüngste Entwicklungen in Sachsen deuten darauf hin, dass Wölfe auch reine Agrarlandschaften besiedeln können, wenn es partiell Rückzugsgebiete gibt, in denen sie ungestört den Tag verbringen können”, heißt es in der Studie.

Kommentare

Claudia Berg  schrieb: 20.05.2020 22:17
Der Wolf entscheidet, nicht der Mensch
Der Wolf entscheidet, wo er leben kann und will, nicht der Mensch. Wir müssen endlich aufhören alles bestimmen und planen zu wollen. Die Natur schafft das auch alleine. Wir sollten lieber dafür sorgen, dass die Eingriffe in die Natur aufhören. Vor allem durch Jäger und falsche Forstwirtschaft!!
1 Kommentare
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