Tödliche Falle
Großfamilie wird Opfer eines Hausbrands in Nürnberg

Dicke Rauchwolken und eine undurchdringliche Flammenwand - ein Alptraum für die Feuerwehrleute: Denn sie können nicht schnell genug helfen. In einem Nürnberger Wohnhaus sterben eine Mutter und ihre vier Kinder. Noch rätseln die Ermittler über die Ursache.

Samstag, 02.03.2019, 17:09 Uhr aktualisiert: 02.03.2019, 17:14 Uhr
Ein Feuerwehrmann in Atemschutzkleidung steht vor dem ausgebrannten Wohnhaus in Nürnberg-Sandreuth.
Ein Feuerwehrmann in Atemschutzkleidung steht vor dem ausgebrannten Wohnhaus in Nürnberg-Sandreuth. Foto: Lino Mirgeler

Nürnberg (dpa) - Die Retter waren schon Minuten nach dem Notruf zur Stelle - und trotzdem kam die Hilfe der Einsatzkräfte zu spät: Ein tragischer Wohnhausbrand hat in der Nacht zum Samstag Nürnberg erschüttert und in der fränkischen Großstadt für Fassungslosigkeit gesorgt.

Feuerwehrleute konnten aus den Trümmern eines ausgebrannten Einfamilienhauses im Stadtteil Sandreuth eine Mutter und drei ihrer Kinder nur noch tot bergen. Ein Baby erlag später im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. Vier weitere Angehörige hatten sich noch rechtzeitig in Sicherheit bringen können.

Dass zu den Opfern des nächtlichen Flammeninfernos neben einer 34 Jahre alten Frau gleich vier Kinder gehören - ein Säugling sowie drei vier, fünf und sieben Jahre alten Kinder - ist für die Feuerwehrleute besonders bitter, wie dem Sprecher der Nürnberger Berufsfeuerwehr, Thomas Schertel, am Morgen nach der Brandnacht deutlich anzumerken ist: «Ein Brand dieser Größenordnung haben wir selten», räumt er ein. «Dass das auch Profis nicht kalt lässt, ist klar.»

Die Hintergründe des Brandes waren derweil am Samstag noch unklar. Brandermittler sicherten am Vormittag in dem völlig ausgebrannten Haus Spuren, während Feuerwehrleute mit Brecheisen weiter nach verborgenen Glutnestern suchten, um sie zu löschen.

Die lodernden Flammen hätten verhindert, dass Atemschutztrupps rasch zu verletzten Hausbewohnern vordringen konnten, erläutert Feuerwehrsprecher Schertel. «Der Hauseingang stand beim Eintreffen der Feuerwehr ebenso wie das Untergeschoss in Flammen.» Dass womöglich im Obergeschoss lebende Hausbewohner das Wüten der Flammen und die giftigen Rauchschwaden nicht überleben würden, wurde schließlich zur Gewissheit.

Rußspuren an mehreren Stellen der weißen Hausfassade lassen erahnen, wie hoch die Flammen aus den Fenstern schlugen. Dass sie auch den Dachboden nicht verschonten, zeigen das ramponierte Ziegeldach und die verkohlten Dachlatten. Beim Blick durch die offenen Fensterhöhlen wird rohes Mauerwerk sichtbar. Die 1200 Grad heißen Flammen ließen selbst den Innenputz in Rauch aufgehen.

Ein paar wenige Spuren erinnern an das Leben in dem Wohnhaus, das für einige Bewohner zur tödlichen Falle wurde. An einem Fenstergitter im Obergeschoß baumelt ein bunter Schal. Im Fenster darunter ragt ein grauer Webteppich ins Freie. Im engen Vorgarten, den ein mit schwarzen Plastikplanen zugehängter Metallgitterzaun von der Straße abschirmt, türmen sich kaputte Möbel und Kinderspielzeug, neben Mülltonnen ein Stapel hölzerner Obst- und Gemüsekisten.

Derweil steht Cihan Güroglu fassungslos an der Polizeiabsperrung einen Steinwurf von dem ausgebrannten Gebäude entfernt. Er betreibt zusammen mit seinem Vater Bayran eine Fladenbrotbäckerei direkt hinter dem ausgebrannten Wohnhaus. Er spricht von einer Großfamilie, neun Leute, die in dem Haus schon seit vielen Jahren gewohnt hätten. «Ich glaube, sie stammen aus Serbien oder Kroatien», genau wisse er das nicht, erzählt er.

Sein Kontakt zu der Familie sei nicht sehr groß gewesen. «Aber ein älterer Mann aus der Familie ist öfters abends zu uns in die Bäckerei gekommen und hat gefragt, ob wir für ihn übrig gebliebenes Brot hätten. Und er hat von uns auch immer welches bekommen», erinnert sich Cihan Güroglu. Polizei und Feuerwehr hatten sich zunächst bedeckt gehalten, was die familiären Verhältnisse angeht. Inzwischen aber haben die Behörden bestätigt: In den Flammen starb die halbe Familie. Die Ursache: Noch offen.

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