Fazit nach der IMM Cologne 2020: Im Trend sind kleinere und mobile Möbel
Die Schrankwand ist Geschichte

Köln (WB). Ihr wird kein Requiem gespielt. Trends sterben langsam, auch in der Möbelbranche. Doch am Ableben der traditionellen Schrankwand, die Generationen lang in jedem Wohnzimmer gestanden hat, gibt es keine Zweifel mehr. Auf der internationalen Möbelmesse IMM Cologne , die bis Sonntag mehr als 128.000 Besucher zählte, spielte die Schrankwand auch in diesem Jahr keine Rolle mehr.

Dienstag, 21.01.2020, 09:47 Uhr aktualisiert: 21.01.2020, 10:16 Uhr
So oder so ähnlich sah sie einmal aus: die typische Schrankwand – übrigens auch in der DDR. Foto: imago
So oder so ähnlich sah sie einmal aus: die typische Schrankwand – übrigens auch in der DDR. Foto: imago

Stattdessen begeistern sich die Designer für kleine Solitärmöbel, die in Innenstadtwohnungen möglichst wenig Platz einnehmen und eventuell sogar mehrere Funktionen gleichzeitig erfüllen. Auch Nachhaltigkeit in der Produktion ist ein großes Thema. Und Outdoor-Möbel für die Terrasse oder den Balkon sind inzwischen sogar bei den führenden Designerfirmen angekommen. Nur für die Schrankwand, da ist offenbar kein Bedarf mehr.

Die Möbelmesse IMM Cologne gibt einen Überblick über aktuelle Wohntrends

1/46
  • Cassina steigt neu ins Outddorr-Möbelgeschäft ein.

    Foto: Bernhard Hertlein
  • Besucher aus China auf der IMM Cologne.

    Foto: Bernhard Hertlein
  • Elmar Duffner, Ex-Poggenpohlchef und früherer Möbel-Verbandspräsident.

    Foto: Bernhard Hertlein
  • Sofas von Gionetti

    Foto: Bernhard Hertlein
  • Stühle aus der Manufaktur Wagner

    Foto: Bernhard Hertlein
  • Die Farbe Blau - hier von Gealux

    Foto: Bernhard Hertlein
  • Achim Hannott (rechts), Pressesprecher des Verbandes der Möbelindustrie, am Stand von Hartmenn (Beelen)

    Foto: Bernhard Hertlein
  • Hartmann-Geschäftsführer Holger Handhardt

    Foto: Bernhard Hertlein
  • Holz in der beleuchteten Vitrine (von Hartmann, Beelen)

    Foto: Bernhard Hertlein
  • Journalisten auf der IMM Cologne

    Foto: Bernhard Hertlein
  • Meisterstücke von Kettnaker - zum 150. Firmenjubiläum

    Foto: Bernhard Hertlein
  • Firmenchef Wolfgang Kettnaker, Designer Stefen Scherb und Jan Kurth, Verband der Deutschen Möbelindustrie (von rechts)

    Foto: Bernhard Hertlein
  • Kettnaker: Meisterstücke zum 150-jährigen Firmenjubiläum

    Foto: Bernhard Hertlein
  • aus Ostwestfalen (Leonardo, Bad Driburg)

    Foto: Bernhard Hertlein
  • Magis-Geschäftsführer Ruben Hutschemaekers (rechts) und Jan Kurth, Verband der Möbelindustrie

    Foto: Bernhard Hertlein
  • blauer Stuhl von Magis

    Foto: Bernhard Hertlein
  • Sitzbank und Regal von Magis

    Foto: Bernhard Hertlein
  • Foto: Bernhard Hertlein
  • Matratzen, gefüllt mit recycelten PET-Getränkeflaschen

    Foto: Bernhard Hertlein
  • Atelier Haussmann (Berlin) goes outdoor

    Foto: Bernhard Hertlein
  • Prunk aus den Niederlanden

    Foto: Bernhard Hertlein
  • Prunk aus den Niederlanden

    Foto: Bernhard Hertlein
  • Der Chef legt selbst letzte Hand an

    Foto: Bernhard Hertlein
  • Blaues Sofa von Rolf Benz

    Foto: Bernhard Hertlein
  • Rolf-Benz-Designer Luca Nicetto erklärt sein flexibles Sofa

    Foto: Bernhard Hertlein
  • Rolf-Benz-Designer Luca Nicetto erklärt Journalisten seine Ideen

    Foto: Bernhard Hertlein
  • Sofa und Beistelltisch von Rolf Benz

    Foto: Bernhard Hertlein
  • Schwebender Tisch in der Smart Village

    Foto: Bernhard Hertlein
  • Die Bildwand ist ein Touchscreen; von hier können auch Smartgeräte gesteuert werden.

    Foto: Bernhard Hertlein
  • An der Wand ein bisschen schmieren - in der Smart Village natürlich digital

    Foto: Bernhard Hertlein
  • Christof Flötotto in der Smart Village im Gespräch mit Jan Kurth, Verband der Möbelindustrie

    Foto: Bernhard Hertlein
  • Dachziel, die sogleich Solarenergie speichern

    Foto: Bernhard Hertlein
  • Foto: Bernhard Hertlein
  • Foto: Bernhard Hertlein
  • Foto: Bernhard Hertlein
  • Foto: Bernhard Hertlein
  • Foto: Bernhard Hertlein
  • Foto: Bernhard Hertlein
  • Foto: Bernhard Hertlein
  • Foto: Bernhard Hertlein
  • Object Carpet

    Foto: Bernhard Hertlein
  • Klassikerstühle - von Thonet

    Foto: Bernhard Hertlein
  • Toilettengalerie

    Foto: Bernhard Hertlein
  • Tom Tailor streckt seine Flügel nach Möbelherstellern auss

    Foto: Bernhard Hertlein
  • Wasserkräne Vola

    Foto: Bernhard Hertlein
  • Zuiver Stühle aus Recycling PET

    Foto: Bernhard Hertlein

Was konnte in einer solchen Schrankwand nicht alles untergebracht werden! Hinter verschlossen Türen und in mehreren Schubladen stapelten sich bei dem einen die Rechnungen, bei anderen Fotos oder gesammelte Briefe. Andere nutzten den Stauraum für Tischdecken oder Kleidung. Weiter gab es Platz für das gute Geschirr, die guten Gläser und das gute Besteck. Teilweise wurden die besonders schönen Dinge hinter Glas gezeigt, mit den Jahren zunehmend auch gern kunstvoll beleuchtet. Illuminiert war auch der Innenraum der Bar, die zur Schrankwand gehörte wie bei vielen anderen der Platz für den voluminösen Röhrenfernseher. Daran, wie viel Regalraum für Bücher und Schallplatten, später CDs und DVDs separiert war, konnten die Gäste nicht nur den Medienkonsum, sondern gemeinhin auch den Bildungsstand (oder -anspruch) des Besitzers ablesen.

Die modernen großen Flachbildschirme sind dagegen einfach an der Wand zu befestigen. Ein sie umgebender Schrank würde nur stören. Musik holt man sich aus dem Internet, und ob Bücher noch gedruckt angeschafft werden ist eine Geschmacksfrage. Für die Getränkebar gibt es ebenfalls andere Lösungen. Besonders pfiffig ist die Integration in die Armlehne von Sessel oder Sofa, repräsentativer die Wein- oder Wiskeybar in einer Glasvitrine. Überhaupt haben Vitrinen einen Großteil der Funktionen einer Schrankwand übernommen. Selbst schon schön gestaltet, bieten sie Platz für alles, was dem Besitzer wertvoll ist und was er gern zeigen möchte – von Porzellan und Pokalen über Fossilien oder Mineralien bis zu Modellbau oder anderen Spielwaren.

Wohnungsarchitektur offener

Änderungen im Einrichtungsstil gehen oft einher mit Veränderungen in der Architektur der Wohnräume. Früher war die Struktur funktional, waren Koch-, Ess-, Schlaf-, Bade-, Arbeits-, Kinder- und das sogenannte Wohnzimmer strikt voneinander getrennt. Heute sollen die Gäste dabei sein, wenn das Essen zubereitet wird. Und das Badezimmer direkt am oder bei ganz Progressiven die Dusche sogar im Schlafzimmer haben auch logistische Vorteile.

Einen weiteren für die Einrichtungsbranche wichtigen Architekturtrend sieht Ursula Geismann, Trendexpertin des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie, hin zu „großzügigen Einraum-Wohnungen mit Loft-Feeling“. Grund sei der knappe Wohnraum in den Innenstädten und ein Lifestyle, der Konventionen scheut. „Statt separater Zimmer zeigen moderne Wohnungen ein offenes Raumgefüge, und kleinteilige Altbauten werden durch das Entfernen von Wänden durchgelüftet“, erklärt Geismann. Zugleich erweitern Wintergärten sowie große Fenster und Glastüren dort, wo es möglich ist, den Raum nach außen.

Mix & Match

Der Trend zu Solitärmöbeln geht einher mit dem Verzicht auf einengende Stilvorschriften. „Mix & Match“ heißt das libertäre Prinzip. Die Wohnung wird nicht „in einem Rutsch“ komplett auf einen Schlag eingerichtet. Gekauft wird spontan – nach Bedarf und vor allem nach Gefallen.

Ein Möbel auf dem Weg vom Regal zum Tisch. Genauso schnell lässt es sich wieder zum senkrecht stehenden Regal zurückverwandeln.

Ein Möbel auf dem Weg vom Regal zum Tisch. Genauso schnell lässt es sich wieder zum senkrecht stehenden Regal zurückverwandeln.

Kleine Möbel kommen auch dem modernen Mobilitätsanspruch entgegen. Nicht umsonst hieß es früher: „Dreimal umgezogen ist einmal abgebrannt.“ Das ist vorbei. Manche neuen Möbel sind auch in sich beweglich. Das „Swing“ von der German Smart Living GmbH in Düsseldorf lässt sich einfach zum Tisch um- und zum Regal zurückbauen; dabei müssen die Regalbretter noch nicht einmal abgeräumt werden. Im Ausstellungsbereich Smart Village wurde ein Tisch vorgeführt, der an Kabel aufgehängt ist und bei Bedarf nach oben entschwebt. In der Küche kann die Arbeitsfläche tief abgesenkt werden, worüber sich Rollstuhlfahrer freuen.

Übrigens: Auch wenn die Schrankwand „out“ ist – keiner ist gezwungen, sich aufgrund des Zeitgeistes von ihr zu trennen. Manche Trends kommen irgendwann wieder, auch in der Möbelbranche.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7208326?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2509831%2F2618490%2F
Lage am See entspannt sich
Weniger Betrieb war am Sonntag in Godelheim. Foto: Frank Spiegel
Nachrichten-Ticker