So., 29.06.2014

Kunst Manifesta in St. Petersburg: Politische Kunst und Tabus

«Abschlag» hat der Schweizer Künstler Thomas Hirschhorn seine Installation genannt. Foto: Anatoly Maltsev

«Abschlag» hat der Schweizer Künstler Thomas Hirschhorn seine Installation genannt. Foto: Anatoly Maltsev Foto: dpa

Von dpa

St. Petersburg (dpa) - Die von Boykottaufrufen begleitete europäische Kunstbiennale Manifesta hat in St. Petersburg mit reichlich politischer Kunst begonnen.

Bis 31. Oktober sind in der weltberühmten Eremitage auch Arbeiten zu sehen, die sich mit der russischen Opposition und kritisch mit der Politik von Kremlchef Wladimir Putin beschäftigen. Rund 50 Künstler sind vertreten. Ausgestellt werden auch Werke von Klassikern der zeitgenössischen Kunst wie Joseph Beuys und Gerhard Richter.

Im Blickpunkt steht vor allem auch eine Auseinandersetzung mit der in Russland tabuisierten Homosexualität sowie mit den großen kulturellen Traditionen des Riesenreiches, mit klassischem Ballett zum Beispiel. Die südafrikanische Künstlerin Marlene Dumas hat Porträts prominenter homosexueller Russen gemalt, darunter der Ballettstar Rudolf Nurejew und der Komponist Peter Tschaikowski.

Ein Gesetz gegen «Homosexuellen-Propaganda» verbietet es allerdings in Russland, in Gegenwart von Minderjährigen positiv über Schwule und Lesben zu sprechen. Deshalb gibt es aus rechtlichen Gründen keinen klaren Hinweis an den Bildern, dass es sich um Homosexuelle handelt.

Die Säle im Winterpalast und im Generalstabsgebäude der Eremitage öffneten am Samstag plangemäß, wie die Organisatoren mitteilten. Viele Künstler hatten jedoch zum Boykott der Schau aufgerufen, um gegen die international umstrittene Politik Russlands zu protestieren. Die Wanderbiennale hatte sich dennoch für den Ort entschieden, um nicht etwa russisch-orthodoxen Aktivisten und anderen Gegnern klein beizugeben.

Der prominente St. Petersburger Politiker Witali Milonow kritisierte die Schau in dem Staatsmuseum als «abartig». «Es stapeln sich viele Tausend Werke der russischen und internationalen Kunst in den Depots, ausgestellt wird aber talentfreie antikünstlerische Schmiererei in der Eremitage», schrieb der konservative Politiker beim Kurznachrichtendienst Twitter. Das Museum sei «keine Privatbude von Fans der Perversen», schimpfte Milonow.

Die Eremitage, eines der weltweit bedeutendsten Museen, feiert in diesem Jahr ihr 250-jähriges Bestehen. Die Manifesta ist offizieller Teil des Jubiläums. An den insgesamt 125 Ausstellungstagen werden rund 500 000 Besucher erwartet.

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