Briten feiern Geburt von Kates Tochter
»It's a girl!«

London (dpa). Erst stellt die kleine Prinzessin die Geduld der Briten ziemlich auf die Probe, dann geht alles ganz schnell: Nur zehn Stunden nach der Geburt präsentieren William und Kate ihre Tochter der Öffentlichkeit - doch beinahe hätte dem neuen Baby jemand die Show gestohlen.

Samstag, 02.05.2015, 21:02 Uhr aktualisiert: 02.05.2015, 22:35 Uhr

Die größten Royal-Fans wissen es schnell: Am Samstag gegen 11:10 Uhr (Ortszeit) ertönt Jubel aus dem Camp der Königstreuen, die seit Tagen vor dem St. Mary's Hospital in London auf die Geburt von Nummer vier der britischen Thronfolge warten.

«It's a girl, it's a girl, it's a girl», singen sie begeistert. In der Tat: Es ist ein Mädchen. Prinz William (32) und seine Frau Kate (33) sind Eltern einer kleinen Tochter geworden - die Mutter und das 3714 Gramm schwere Kind sind wohlauf, die Wehen dauerten keine drei Stunden. Und keine zehn Stunden nach der Geburt präsentieren die Eltern ihre Zweitgeborene den wartenden Fans und Journalisten.

Die Szenen gleichen denen nach der Geburt des bald zweijährigen Prinz George im Jahr 2013 fast bis ins Detail. Die Eltern winken, Kate hält das Kind. Und schließlich fährt William seine Frau und seine kleine Tochter eigenhändig im schwarzen Geländewagen nach Hause in den Kensington Palace. Nur Kates Outfit ist ein anderes: Sie trägt ein weißes Kleid mit gelben Blumen, bei George war es ein hellblaues mit Punkten. Auch auf die Farbe des Kleides konnten die spielbegeisterten Briten Wetten abschließen.

Im Kensington Palace wartet George, der es beinahe geschafft hätte, seiner kleinen Schwester an ihrem großen Tag die Show zu stehlen. Denn bevor der Herzog und die Herzogin von Cambridge den Neuzugang im Hause Windsor präsentieren, hat der kleine Prinz seinen großen Auftritt beim Besuch der kleinen Schwester. «Ich bin sehr glücklich», hatte William zuvor gesagt, als er allein aus dem Krankenhaus kam und ins Auto stieg. «Ich hole nur eben George ab.»

Ganz wohlzufühlen scheint George sich zwar nicht, während die Meute vor dem Krankenhaus begeistert jubelt, als sein Vater ihn aus dem Kindersitz hebt. Aber er, der im blauen Pullover im Partnerlook mit Papa auftritt, winkt brav - fast so, als habe er das geübt. Nur laufen, das möchte er nicht.

Zur Belohnung für den geglückten Auftritt küsst sein Vater ihn, bevor die beiden zur Familienzusammenführung im privaten Lindo Wing des St. Mary's Krankenhauses verschwinden. Es ist ein Bild, das dem von William und Kate mit dem neuen Baby Konkurrenz machen könnte. So oft haben die Briten die Nummer drei der britischen Thronfolge schließlich noch nicht zu sehen bekommen. Und es könnte tatsächlich das erste öffentliche royale Winken des kleinen Prinzen gewesen sein - und somit auch ein kleiner historischer Moment.

Besonders wichtig an einem Tag wie diesem: das Zeremoniell. Noch vor den wartenden Fans und Journalisten werden selbstverständlich Uroma Queen Elizabeth II., Thronfolger Prinz Charles sowie der Rest der königlichen Familie und Premierminister David Cameron informiert. Schließlich ist das kleine Mädchen, dessen Name noch nicht bekannt ist, eine mögliche Thronfolgerin - nach Opa Charles, Papa William und Bruder George und vor Onkel Harry. Bei den britischen Buchmachern stehen die Namen Alice und Charlotte besonders hoch im Kurs.

Als direkte Nachkommen eines Königs oder einer Königin ist es in Großbritannien mehr als 60 Jahre her, dass zuletzt eine Prinzessin geboren wurde. Queen-Tochter Prinzessin Anne kam vor über 64 Jahren zur Welt, Thronfolger Charles hat mit William und Harry zwei Söhne, auch Williams erstes Kind George ist ein Junge. Opa Charles hatte vorher verraten, er wünsche sich eine Enkelin.

Wie Anne wird sich später auch der Neuankömmling «Princess Royale» nennen dürfen. Solange Vater William aber noch nicht König ist, muss sich das Kindchen mit der Anrede «Ihre Königliche Hoheit, Prinzessin...» vor dem Vornamen begnügen.

Der Durst der Öffentlichkeit nach Neuigkeiten über das Prinzesschen bleibt voraussichtlich groß. Nach dem Verlassen des Krankenhauses wird das Kind wohl erst zu seiner Taufe in mehreren Monaten wieder öffentlich zu sehen sein. Ob sich diesmal Kates Schwester Pippa Middleton, der ein gewisser Hang zur Öffentlichkeit nachgesagt wird, unter die Taufpaten einreihen darf, ist noch nicht sicher. «Prinz George ist nicht mehr öffentliches Eigentum, so wie das William und Harry damals waren. Und das trifft auch auf seine Schwester zu», sagte die Royal-Biografin Penny Junor.

Das Kind hatte die Briten in der vergangenen Woche ziemlich auf die Folter gespannt. Kate soll sogar mehrmals schwimmen gegangen sein, um den ausbleibenden Wehen Beine zu machen. Am Samstag ging plötzlich alles ganz schnell. Am frühen Morgen fuhr Herzogin Kate nach Angaben des Kensington-Palastes an der Seite ihres Mannes ins Krankenhaus. «Ihre Königliche Hoheit, die Herzogin von Cambridge, wurde um 6.00 Uhr (Ortszeit) ins Krankenhaus gebracht und befindet sich im frühen Stadium der Wehen», heiß es in der Mitteilung. Alles laufe normal. Nur zweieinhalb Stunden später, um 8.34 Uhr, ist das Töchterchen da.

Aus aller Welt trudeln am Samstag Glückwünsche an die königliche Familie ein. Die britischen Politiker nutzten die Gelegenheit, vor der Parlamentswahl am 7. Mai ihren Patriotismus zum Ausdruck zu bringen. «Das ganze Land wünscht ihr alles Gute», schrieb Premierminister David Cameron auf Twitter. Sein Herausforderer Ed Miliband, der Rechtspopulist Nigel Farage und weitere Politiker taten es ihm gleich. Earl Spencer, der Bruder von Williams gestorbener Mutter Diana, schickte Glückwünsche: «Wir sind überglücklich.»

US-Präsident Barack Obama und First Lady Michelle freuen sich ebenfalls mit den Briten über den neuen Nachwuchs in der königlichen Familie. In einer am Samstag veröffentlichten Mitteilung gratulierten sie den stolzen Eltern Kate und William, der Queen und dem gesamten britischen Volk zur Geburt der kleinen Prinzessin. «Im Namen der amerikanischen Bevölkerung wünschen wir dem Herzog und der Herzogin sowie ihrem Sohn George viel Freude und Glück angesichts der Ankunft des neuesten Mitglieds ihrer Familie», schrieben die Obamas.

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