Zukunftsforscher Horst Opaschowski erkennt einen konservativen Wertewandel
Fleiß statt Lebensfreude

Ostwestfalen-Lippe/Hamburg(dpa). Terror, Finanzkrise, Skandale – die Welt scheint sich aus Sicht vieler Menschen immer schneller zu drehen, sagt der Zukunftsforscher Horst Opaschowski. Folge: Tugenden wie Fleiß und Disziplin werden wichtiger.

Mittwoch, 22.07.2015, 11:18 Uhr aktualisiert: 22.07.2015, 11:32 Uhr
Zukunftsforscher Horst Opaschowski erkennt einen konservativen Wertewandel : Fleiß statt Lebensfreude
Die Seele baumeln lassen und die Zeit genießen fällt vielen immer schwerer. Fleiß und Disziplin werden wichtiger als Lebensfreude. Foto: dpa

Konvention statt Emanzipation – der Zukunftsforscher hat einen konservativen Wertewandel in Deutschland ausgemacht. Für die Deutschen stünden jetzt Ehrlichkeit (73 Prozent), Anstand (66) und Höflichkeit (64) ganz oben, betont er. 1981 sei den Deutschen dagegen Selbstvertrauen (91 Prozent) und Selbstständigkeit (90) am wichtigsten gewesen.

In der Rangfolge der Nennungen folgte die Ehrlichkeit damals zusammen mit Lebensfreude auf Platz drei (je 89 Prozent). Opaschowski hatte in Zusammenarbeit mit dem Ipsos-Institut bundesweit 1000 Menschen ab 14 Jahren im Mai befragt.

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Zukunftsforscher Horst Opaschowski.  Foto: dpa

Viele Menschen kämen mit der rasanter Entwicklung und der digitaler Revolution nicht mehr mit, sagte Opaschowski. Dazu komme die Verunsicherung durch Terror, Finanzkrise und diverse Skandale. »Viele Bürger verweigern sich und setzen wieder auf Bewährtes.«

Mit dem Einstellungswandel ist ein grundlegender Wertewandel in Deutschland verbunden.« Von der Nach-68er-Zeit bis zur Jahrtausendwende hätten emanzipatorische Werte die Skala beherrscht. Nun stünden Fleiß (61 Prozent), Disziplin (60) und Pflichterfüllung (57) in den Top Ten.

Die Entwicklung sei auch Folge des demografischen Wandels in einem Land mit der niedrigsten Geburtenrate der Welt, sagte Opaschowski. Die Generation 55+ favorisiere Anpassungs-, Pflicht- und Akzeptanzwerte mehr als individuelle Lebensziele wie beispielsweise die Selbstverwirklichung. »Weil die Jungen mittlerweile zur Minderheit geworden sind, sind moderne Werte wie Toleranz (48 Prozent), Teamfähigkeit (47) und Fairness (43) nicht mehr mehrheitsfähig.«

Die Aufwertung alter Werte sei eine Antwort auf die Krisen unserer Zeit und Vertrauensverluste in Politik und Gesellschaft, ist Opaschowski nach Auswertung der Umfrage überzeugt. »Die Menschen suchen Sicherheit, Beständigkeit und Verlässlichkeit und orientieren sich wieder mehr an bürgerlich-konservativen Werten wie derzeit in England, Frankreich, Polen oder Dänemark auch.« Es sei aber kein Austausch der Werte. Opaschowski: »Die Tendenz geht zu einem ausbalancierten Wertesystem, in dem neu und konservativ, trendy und retro keine Gegensätze mehr sind.«

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