Uraufführung in Hamburg
John Malkovich als Diktator in der Elbphilharmonie

Mit «Just call me God» beschert John Malkovich der Elbphilharmonie eine Weltpremiere. Dafür musste sich der Hollywoodstar in die Gedankenwelt von Diktatoren einfühlen. Vor der Uraufführung gewährt er Einblick in seine Arbeit und findet lobende Worte für den neuen Konzertsaal.

Montag, 06.03.2017, 16:47 Uhr aktualisiert: 06.03.2017, 16:51 Uhr
Der Schauspieler John Malkovich wirkt kurz vor der Uraufführung von «Just call me God» gut gelaunt und entspannt.
Der Schauspieler John Malkovich wirkt kurz vor der Uraufführung von «Just call me God» gut gelaunt und entspannt. Foto: Christian Charisius

Hamburg (dpa) - Weit geschnittenes Jeans-Outfit, gemütliche Sneaker, Umhängetasche: John Malkovich wirkt ausgeruht, fast tiefenentspannt, jedenfalls nicht wie ein Mann, der sich gerade hauptamtlich in die Hirnwindungen von Diktatoren und Tyrannen einfühlt.

Hinter seinem Rücken, im zwölften Stock der Elbphilharmonie, liegt der Hamburger Hafen an diesem Tag in dichtem Nebel, vor ihm dampft ein Kaffee, den Kopf stützt er immer wieder auf den Händen ab. Bei Fragen lässt er sich Zeit, um zu antworten.

Die Stadt kennt Malkovich von früheren Besuchen. Am Mittwoch lebt sich der 63-Jährige mit «Just call me God» in der Elbphilharmonie künstlerisch aus - und beschert ihr damit eine Weltpremiere. In der Vergangenheit inszenierte die amerikanisch-österreichische Musiktheater-Schmiede um John Malkovich, den Regisseur Michael Sturminger und Organist Martin Haselböck bereits im Schauspielhaus und in der Staatsoper.

Kurz vor der Uraufführung wirkt der 63-Jährige wie der Gegenentwurf zu den Männern, die Pate standen für seine jüngste Rolle. Es sind Männer wie der frühere ugandische Diktator Idi Amin, der seine politischen Gegner angeblich an Krokodile verfütterte, Männer wie Adolf Hitler oder Josef Stalin; Männer eines Typs, der sich auch dann noch an die Macht klammert, wenn schon alles verloren ist; Männer, die alles sind, nur nicht entspannt.

Der 63-Jährige spielt in «Just call me God» den Diktator eines fiktiven Landes, kurz vor dem Untergang. Wahnhaft hält er an der Vorstellung seiner Gottgleichheit fest, als seine Gegner schon vor der Tür stehen. Mit einer Reporterin, die ihm in den Wirren des Umsturzes plötzlich im Musiksaal seines verlassen geglaubten Palastes gegenübersteht, liefert er sich ein Streitgespräch. «Just call me God» - sagt er zur Reporterin auf die Frage, wie sie ihn ansprechen soll. Organist Martin Haselböck begleitet das Stück auf der neuen Orgel der Elbphilharmonie. In einer Symbiose aus Theater und klassischer Musik soll es die Mechanismen hinter der Tyrannei sezieren.

Dem Hamburger Konzerthaus wurde es auf den Leib geschneidert. «Diese neuen Konzerthäuser ermöglichen Dinge, die in früheren Konzerthäusern nicht möglich waren», erklärt der Haselböck. «Man konnte in dem Saal während der Proben alles hören - selbst ohne Mikrofone», pflichtet ihm Malkovich bei. Die Kombination aus besonderer Architektur und Akustik, von Theater und Musik, könne neue Formate hervorbringen, glaubt Malkovich, der die Architektur und Akustik des Großen Saals als perfekte Antwort auf seine Rolle erlebt.

Denn der Konzertraum ist auf Gleichheit ausgerichtet: Kein Platz ist weiter als 30 Meter von der Bühne entfernt. Jeder Zuschauer hat freie Sicht auf die Bühne, die wie in einem Amphitheater in der Mitte des Raumes liegt. So können alle das gleiche Klangerlebnis mitnehmen. «Es ist toll, ein Stück über einen Diktator zu machen und zu sehen, wie demokratisch dieser Raum ist», freut sich Haselböck.

Ob Malkovich, der sich in der Vergangenheit in «Being John Malkovich» bereits selbst spielte, in der Rolle Neues über sich selbst erfahren hat? Was teilt er mit den Diktatoren? «Ich entwerfe meine eigenen Klamotten», sagt er lachend. «Das haben auch viele Diktatoren gemacht», sagt er und verweist auf die exzentrische Garderobe des früheren libyschen Diktators Gaddafi.

Dass in vielen Teilen der Welt autoritäres Denken in die Politik zurückkehrt, ist für den Künstler aus Hollywood nicht überraschend. «Menschen sind keinen Tag am Strand», formuliert er etwas geheimnisvoll. Ob die Welt irgendwann ohne Diktatoren auskommt? «Nicht in der nächsten Zeit. Es wäre schön, doch ich zweifle daran.»

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