Mo., 18.12.2017

Neue kreative Brett- und Kartenspiele – eine Auswahl Hochspannung im Wohnzimmer

Von Bernhard Hertlein

Essen (WB). Wie oft ist den Brett- und Kartenspielen schon vorausgesagt worden, dass sie keine Zukunft haben? Stattdessen legen der Umsatz und ihr Anteil am deutschen Spielwarenmarkt auch in diesem Jahr wieder zu. Gerade in den Wintermonaten gibt es nichts Schöneres und Herausforderndes als einen Abend mit spannenden neuen Spielen.

Safehouse

Herausfordernd kann es sein, sich einen Krimi nicht nur anzuschauen, sondern ihn selbst zu erleben. Bei »Safehouse« (Verlag Moses, circa 29 Euro) hat sogar der bekannte Krimiautor Sebastian Fritzek selbst mitgewirkt. Der Spielplan kommt als schwarzes Buch; gespielt wird in fünf Runden bzw. Kapiteln. Am Anfang steht ein Mord, den die zwei bis vier Spieler beobachtet haben. Allerdings hat auch der Mörder die Zeugen bemerkt und verfolgt sie nun. In dieser Situation müssen die Verfolgten zusammenhalten: »Safehouse« ist ein kooperatives Spiel.

Um voranzukommen, müssen Aufgaben auf sogenannten Kapitelkarten durch Auslegen einer bestimmten Kombination von Fluchtkarten erfüllt werden. Der Verfolger bewegt sich, wenn eine entsprechende Karte aufgedeckt wird und sonst alle zwei Minuten. Die Zeit kann man sich von einer Sanduhr oder, viel schöner, durch Herunterladen eines Soundtracks anzeigen lassen. Eine Runde dauert 30 Minuten. Wem das Basisspiel noch nicht spannend genug ist, für den gibt es zwei zusätzliche Varianten. Unter anderem müssen die Zeugen nebenbei den Mordfall aufklären.

When I dream

Zeuge seines eigenen Traums sein? Viele sind überfordert, wenn sie am Morgen von ihrem nächtlichen Traum erzählen sollen. Bei »When I dream« (Verlag Repos, circa 30 Euro) versuchen die anderen demjenigen, der mit verbundenen Augen gerade den Träumer gibt, zu erklären, was sich laut der zufällig ausliegenden Karte gerade in seinem Kopf abspielt. Natürlich dürfen sie den gesuchten Begriff dabei nicht nennen. Leider reden außer Feen auch Nachtalben und Sandmänner. Letztere versuchen, den Träumer in die Irre zu führen, während die Nachtalben mal in diese, mal in jene Rolle schlüpfen und entsprechend Punkte sammeln können.

When I dream.

Nach dem Erwachen hat der Träumer die Möglichkeit, dadurch, dass er sich an richtig erratene Begriffe erinnert, ebenfalls Punkte zu sammeln. In der nächsten Runde wechseln die Rollen: ein gar nicht verschlafenes, munteres Unterhaltungsspiel für bis zu zehn Personen ab acht Jahren.

Invisible Ink

Begriffe erraten, darum geht es auch bei »Invisible Ink« (Huch, etwa 27 Euro). Nur, dass sowohl der Zeichner als auch die Ratenden durch ihre rote Brillen das Bild gar nicht sehen können. Den Begriff müssen sie aus den Handbewegungen des Zeichners ableiten.

Invisible Ink.

Verdammt noch mal

Einfach, witzig und sehr unterhaltsam ist »Verdammt noch mal« (Verlag Goliath, etwa 18 Euro). Auf 200 Karten sind Situationen beschrieben, die man niemandem wünscht. Beispiel: Wurzelbehandlung beim Zahnarzt. Oder Handy fällt in die Toilette. Oder: Sich nackt aus der Wohnung ausschließen. Nun wird bewertet, was schlimmer ist.

Verdammt noch mal.

Die Auflösung – gemessen in Punkten von 1 bis 100 – findet sich auf den Karten. Grundlage ist ein von Fachleuten erstellter »Elendsindex«. Da jeder eine andere Vorstellung von »schlimm« besitzt, sorgen die anschließenden entspannten Diskussionen für zusätzliche Unterhaltung. Ein Spiel für Erwachsene, das man gern öfter in die Hand nimmt. Wobei: allzu oft in allzu kurzer Zeit geht nicht, weil die Spieler sich dann schon an zu viele Karten erinnern. Ein Elend…

Bring your own book

Nicht nur für Literaturgourmets ein Genuss ist »Bring your own book« (Noris, etwa 15 Euro). Jeder Spieler hat vor sich sein Lieblingsbuch. Das kann zum Beispiel auch eine Anleitung für Heimwerker sein. Darin sucht er unter dem Druck der Sanduhr ein Zitat, das zur aktuellen Aufgabenstellung passt. Ein Satz, den du nicht von deinen Großeltern hören willst? Titel eines Kriminalromans? Strophe eines Techno-Songs? Das witzigste Zitat wird gewertet.

Bring your own book.

 

Queendomino

Richtschnur für die Käufer eines Spiels sind Auszeichnungen wie etwa das »Spiel des Jahres«. Dieser Preis ging in diesem Jahr an »King Domino«. Wie beim klassischen Domino werden Kärtchen anein­ander gereiht. Dabei achtet der König darauf, möglichst große Ländereien zu erhalten mit möglichst vielen Kronen. Bei »Queendomino« (Pegasus, 29 Euro) kommen nun zusätzlich Gebäude, Ritter und das liebe Geld ins Spiel.

Queendomino.

Wohl dem, der Türme baut und damit die Gunst der Königin erlangt: Sie reduziert die Kosten für ein Gebäude um einen Taler. Doch Vorsicht vor dem Drachen: Er kann ganze Gebäude auffressen. »Queendomino« ist komplexer und herausfordernder als »Kingdomino« und damit ein echter Gewinn für die Königsfamilie.

Majesty

Wer mehr Leben in seinem Königreich wünscht, kann zu »Majesty« (Hans im Glück, 29 Euro) greifen. Dafür sorgen Gebäude- und Personenkarten. Personen dienen dazu, die Vorzüge von Gebäuden zu aktivieren. Unter anderem gibt es dort Geld, allerdings oft auch für die Mitspieler.

Majesty.

Bezahlt werden die Karten mit Pöppel, wobei der Preis durch den Weg definiert wird, der bis zur Karte der Wahl zurückzulegen ist. Ein leicht zugängliches und doch sehr abwechslungsreiches Spiel von Marc André, der mit »Splendor« schon ein anderes gutes Familienspiel vorgelegt hat.

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