So., 16.06.2019

Am Sonntag geht der ARD-Krimi in die Sommerpause Ist der »Tatort« wieder besser?

Heimste viel positive Resonanz ein: Schauspieler Ulrich Tukur (61) alias Hauptkommissar Felix Murot steuerte in der ersten Jahreshälfte für den »Tatort« einen grotesken Zeitschleifenfilm bei. In »Murot und das Murmeltier« erlebte er im Februar einen Morgen immer wieder neu.

Heimste viel positive Resonanz ein: Schauspieler Ulrich Tukur (61) alias Hauptkommissar Felix Murot steuerte in der ersten Jahreshälfte für den »Tatort« einen grotesken Zeitschleifenfilm bei. In »Murot und das Murmeltier« erlebte er im Februar einen Morgen immer wieder neu. Foto: Bettina Müller/dpa

Von Gregor Tholl

Berlin (dpa). Was ist bloß beim »Tatort« los? Kaum ein Format wird so viel diskutiert wie der Sonntagskrimi. Nachdem es in jüngerer Zeit oft Krimi-Jammer gab, schien die erste Jahreshälfte bis zur Sommerpause, die an diesem Sonntag nach dem Schweizer Krimi »Ausgezählt« (20.15 Uhr, ARD) beginnt, ein Comeback guter Filme zu bieten. Oder täuscht dieser Eindruck?

Zwischen Neujahr und Mitte Juni standen jedenfalls 22 neue Fälle im Programm. Seit dem Beginn der Reihe 1970 waren es die Folgen 1078 bis 1099. Drei Fälle stießen auf besonders viel Resonanz.

Cornelia Gröschel (links) und Karin Hanczewski ermitteln in Dresden. Foto: dpa

Der Dresdener Serienmörder-Thriller »Das Nest« (28. April) setzte sich beim viel gelesenen »Tatort-Blog« an die Spitze der Rangliste aller Fälle überhaupt. In diesem siebten Dresden-»Tatort« mit Karin Hanczewski, die jetzt Cornelia Gröschel statt Alwara Höfels an ihrer Seite hat, mimte Benjamin Sadler in sächsischer Vorstadt-Atmosphäre einen bedrohlichen Killer-Arzt.

Lob für Verhörkrimi mit Rückblenden

Mit dem grotesken Zeitschleifenfilm »Murot und das Murmeltier« (17. Februar) übertraf sich der Ulrich-Tukur-»Tatort« wieder selbst, wie viele kommentierten. Der Ermittler erlebt dort einen Morgen immer wieder neu, kommt dabei in einer absurden Variation von Todesarten ums Leben und versucht, dem Wiederholungs- und Routinedrama trickreich zu entkommen.

Das Pflegerinnendrama »Anne und der Tod« faszinierte viele Zuschauer. Foto: dpa

Auch das Pflegerinnen-Drama »Anne und der Tod« (19. Mai) aus Stuttgart faszinierte viele Zuschauer. Die oft eher skeptische »taz« jubelte: »Diese Folge wird das Jahr überdauern, so irre gut ist sie.« Lob gab es vor allem für die Darstellung der Hauptfigur Anne (Katharina Marie Schubert), die verdächtigt wird, zwei Pflegebedürftige auf dem Gewissen zu haben. Der Film ist ein Verhörkrimi mit geschickten Rückblenden.

Viel »normale Krimikost«

Der »Tatort«-Experte François Werner, Kopf der Fanseite »Tatort-Fundus«, zählt die Folgen »Anne und der Tod«, »Das Nest« und den Murot-Krimi ebenfalls zu den Höhepunkten des ersten Halbjahrs.

Außerdem würde er noch den Schwarzwald-Krimi »Für immer und dich« (10. März) nennen, in dem eine Teenagerin in einem zwiespältigen Verhältnis zu einem Jahrzehnte älteren Mann gezeigt wird; außerdem den Franken-Thriller »Ein Tag wie jeder andere« (24. Februar).

Schwer tut sich Werner aber mit dem Überschwang, der »Tatort« werde »wieder besser«. Es gebe nach wie vor viel »normale Krimikost«, zum Beispiel aus Köln, aber auch die quotenstarken, doch stets klamaukigen Münster-Krimis.

»Das wird eben gern geschaut, selbst wenn da nach Meinung vieler Fans die Luft raus ist.« Allerdings gebe es zurzeit auch nicht so viele »Experimental-›Tatorte‹«, die polarisierten, wie 2017 der in Mundart improvisierte »Babbeldasch« und 2018 der schnittlose Schweizer One-Take »Die Musik stirbt zuletzt«.

Tiefpunkt für François Werner war 2019 bislang ein Fall aus München: »Für mich ganz persönlich war ›Die ewige Welle‹ zwar atmosphärisch stark, aber als Kriminalgeschichte die Niete des Halbjahrs mit zu viel Privatkrams.«

Zwei Teams verabschiedeten sich

Und was gab es sonst Vermeldenswertes aus der »Tatort«-Welt? Zwei Teams verabschiedeten sich im ersten Halbjahr. Im Saarland ging der nie so richtig angekommene Ermittler Jens Stellbrink (Devid Striesow) nach acht Filmen mit dem Fall »Der Pakt« (27. Januar).

In Bremen gab es im Film »Wo ist nur mein Schatz geblieben?« (22. April) ein tödliches Ende für den Ermittler Stedefreund (Oliver Mommsen) an der Seite von Inga Lürsen (Sabine Postel), die mehr als 21 Jahre in der Hansestadt im Einsatz war. Beim Berliner Team kündigte Meret Becker ihren Ausstieg für 2022 an, Mark Waschke will aber bleiben.

Zürich statt Luzern

Ihren Einstand gaben in den letzten Monaten Cornelia Gröschel in Dresden sowie in Niedersachsen Florence Kasumba an der Seite von Ermittlerin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler).

Für die Zukunft wurden einige Personalien verkündet: Der Saarländische Rundfunk stellte sein neues Team Hölzer und Schürk mit den Schauspielern Vladimir Burlakov und Daniel Sträßer vor, zum Ensemble gehören auch zwei Kommissarinnen (Brigitte Urhausen und Ines Marie Westernströer) sowie eine Rechtsmedizinerin (Anna Böttcher).

Das Schweizer Fernsehen lässt ab 2020 in Zürich statt in Luzern ermitteln: Die neuen Ermittlerinnen heißen Isabelle Grandjean und Tessa Ott (Anna Pieri Zuercher und Carol Schuler).

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