Mo., 19.08.2019

Hollywood-Legende Peter Fonda im Alter von 79 Jahren gestorben Bye-bye, Easy Rider!

Der Film und die Rolle seines Lebens: Peter Fonda spielte in dem legendären Roadmovie »Easy Rider« den Biker Captain America. Der Film drückte 1969 das Lebensgefühl einer Gegenkultur aus und machte auch die Gewalt in den USA zum Thema.

Der Film und die Rolle seines Lebens: Peter Fonda spielte in dem legendären Roadmovie »Easy Rider« den Biker Captain America. Der Film drückte 1969 das Lebensgefühl einer Gegenkultur aus und machte auch die Gewalt in den USA zum Thema. Foto: imago

Von Andreas Schnadwinkel

Los Angeles (WB). Peter Fonda ist tot. Gestorben am vergangenen Freitag im Alter von 79 Jahren an Lungenkrebs. Zu einem Zeitpunkt, der – wenn man so will – irgendwie passt. Nämlich ziemlich genau 50 Jahre nach der Premiere des Films, der ihn zur Legende gemacht hat: »Easy Rider«.

Der Sommer 1969 liegt ein halbes Jahrhundert zurück. In Erinnerung gerufen werden in diesen Wochen die Mondlandung (20. Juli), die Morde der Charles-Manson-Bande (9./10. August) und das Woodstock-Festival (15. bis 18. August). 1969 war ein sehr amerikanisches Jahr. Das Jahr, in dem die Hippie-Bewegung ihre Unschuld verlor. So hieß es damals.

»Easy Rider« kam am 14. Juli 1969 in die US-Kinos und machte, obwohl schon 1968 gedreht, die unterschwellige und tatsächliche Gewalt im »Summer of 69« zum Thema. Als Film der damals sogenannten Gegenkultur (»Counter Culture«) stieg »Easy Rider« rasch in die Popkultur auf.

Interview im April 1998

Peter Fonda ließ die Rolle des Captain America – außerdem schrieb er das Drehbuch und war Co-Produzent – zeitlebens nicht mehr los. Das machte ihm trotz großartiger Darstellungen wie in dem Drama »Ulee’s Gold« (Golden Globe 1998, Oscar-Nominierung 1998) überhaupt nichts aus. »Niemand wird mir auf der Straße ›Hallo, Ulee!‹ zurufen, sondern natürlich ›Hallo, Captain America!‹. Darauf bin ich stolz«, sagte Peter Fonda im April 1998 dem WESTFALEN-BLATT bei einem Interview in Hamburg.

Eine Stunde allein mit einer Hollywood-Legende. 60 Minuten, von denen man keine einzige vergisst. Peter Fonda ist groß und schlaksig und sieht sehr amerikanisch aus: Jeans, dunkelblaues Sweatshirt mit dem gestickten Schriftzug »70th Academy Award Nominee«, beige Schirmmütze, große halbgetönte Brille, an jedem Handgelenk eine Armbanduhr – Zeit in Deutschland und Zeit an der US-Westküste. Vor sich ein Kännchen mit schwarzem Tee.

Eindringlich hat die Frau der Agentur darauf hingewiesen, welche Fragen auf keinen Fall gestellt werden dürften: Henry Fonda ist tabu. Das Verhältnis zum Vater, der zum Zeitpunkt des Gesprächs bereits seit 16 Jahren tot ist, war bekanntermaßen schwierig. Tja, der Fonda-Clan: Vater Henry, Schwester Jane, Tochter Bridget.

Auf die ist er stolz. Zu ihrer Rolle in Quentin Tarantinos »Jackie Brown« sagt er: »Dass meine Tochter darin eine Szene hat, in der sie einen Film ihres eigenes Vaters anschaut, ist eine geniale Idee. Quentin Tarantino ist großer Fan meines Films ›Kesse Mary – Irrer Larry‹, und den zitiert er in ›Jackie Brown‹.«

Ehrfurcht ist groß, die Versuchung größer

Auf Henry Fonda kommt er schnell von selbst: »Mein Vater hat das zwar nie verstanden, aber ich kann zwischen der Sicht eines Regisseurs und der Sicht eines Schauspielers unterscheiden. Sogar dann, wenn ich mich als Schauspieler selbst inszenieren muss, weil ich auch der Regisseur des Films bin.« Das Tabu ist gebrochen, also sofort eine Frage zum Vater stellen. »Geht es Ihnen auf die Nerven, ständig Fragen zu Ihrem Übervater zu beantworten?« – »Überhaupt nicht, weil ich die Familie als Einrichtung sehr mag. Ich habe lange gebraucht, um aus dem Schatten meines Vaters herauszutreten. Genau so schwierig wäre es, den Schatten von ›Easy Rider‹ abzulegen.«

Die Ehrfurcht ist groß, die Versuchung größer. Der Filzschreiber und zwei originale »Easy Rider«-Kinoaushangfotos liegen schon auf der schneeweißen Tischdecke. Peter Fonda signiert die Bilder gerne und betrachtet sie lange. Dann steht er auf und verabschiedet sich.

Bye-bye, Easy Rider!

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