Do., 22.08.2019

100 selten oder nie zu sehende Grafiken in der Bielefelder Kunsthalle Von Picasso bis Yoko Ono

Jutta Hülsewig-Johnen vor Bildern von Josef Albers und seiner Frau Anni, die auch als Textilkünstlerin hervortrat.

Jutta Hülsewig-Johnen vor Bildern von Josef Albers und seiner Frau Anni, die auch als Textilkünstlerin hervortrat. Foto: Thomas F. Starke

Von Burgit Hörttrich

Bielefeld (WB). Mit 4500 Werken ist die grafische Sammlung der größte Bereich im Besitz der Bielefelder Kunsthalle. Allerdings ist Grafik, weil sie hochempfindlich ist und nur in abgedunkelten Räumen ausgestellt werden darf, nur selten zu sehen.

Picassos Radierung »Das karge Mahl« von 1904. Foto: Thomas F. Starke

Manchmal aber eben doch: Die Kunsthalle öffnet jetzt »Künstlerräume«, in denen etwa 100 Arbeiten auf Papier zu sehen sind. Dr. Jutta Hülsewig-Johnen, stellvertretende Direktorin der Kunsthalle, hat eine Ausstellung kuratiert, in der die grafischen Arbeiten von sechs Künstlern zu sehen sind – dazu der Film »Between the Sky and my Head« von Yoko Ono.

Außer Einzelwerken sind vor allem Serien zu sehen

Anni und Josef Albers, Ernst Wilhelm Nay, Pablo Picasso, Karl Schmitt-Rottluff und Hermann Stenner sind in eigenen Künstlerräumen vertreten. Das Besondere: Außer Einzelwerken sind vor allem Serien zu sehen – im Fall von zum Beispiel Josef Albers sind das zwölf Siebdrucke, die der Künstler für eine Hängung selbst nummeriert hat. »Sie sind in makellosem Zustand und noch nie zuvor so gezeigt worden«, sagt Jutta Hülsewig-Johnen. Eigentlich sei die Schau »Künstlerräume« sechs Ausstellungen nebeneinander mit Werken von Künstlern oder Künstlerpaaren, ergänzt die Kuratorin.

Von Picasso ist eine Gaukler-Serie aus den Jahren 1904/05 »ohne Gebrauchsspuren« zu sehen, aber auch das bekannte Motiv »Das karge Mahl«. Schon früh in den 50er Jahren habe Gustav Vriesen, der erste Leiter des Kunsthauses, des Vorgängers der Kunsthalle, Grafik angekauft. Zu diesen frühen Ankäufen gehört die Porträtzeichnung, die Picasso 1941 von seiner Geliebten Dora Maar fertigte.

Grafiken von Ernst Wilhelm Nay noch nie zuvor gezeigt

Die farbenfrohen Grafiken von Ernst Wilhelm Nay wurden noch nie zuvor gezeigt, und zum Karl Schmidt-Rottluff-Raum gibt es eine besondere Geschichte: Die Grafiken stammen aus dem Nachlass der 1933 nach England emigrierten jüdischen Kunsthistorikerin Rosa Schapire, die Werke von »Brücke«-Künstlern und vor allem von Karl Schmidt-Rottluff sammelte, erklärt Jutta Hülsewig-Johnen. Schapire verfügte testamentarisch, dass die Werke ihrer Sammlung als Schenkung an deutsche Museen gehen sollten, um die Lücken zu füllen, die 1937 durch die Beschlagnahmungen und Kunstvernichtungen durch die Nazis gerissen wurden. Auf diese Weise seien 14 Schmitt-Rottluff-Blätter 1958 nach Bielefeld gelangt und seit damals wohl nicht mehr ausgestellt worden.

Ein Raum ist dem Bielefelder Maler Hermann Stenner gewidmet, der 1914 im Ersten Weltkrieg im Alter von nur 23 Jahren fiel.

Jutta Hülsewig-Johnen hofft, dass die Besucher die Ausstellung in der zweiten Etage der Kunsthalle dazu nutzen, intensiv in die Gedanken- und Bilderwelten der Künstler einzutauchen – und um zu sehen, was alles in den Magazinen des Museums schlummert. Sie betont, die Grafiken würden auch nur sehr selten und dann für relativ kurze Zeit an andere Ausstellungshäuser ausgeliehen: »Sie dürfen nur Licht mit einer maximalen Luxzahl von 50 ausgesetzt werden.«

Die Ausstellung »Künstlerräume« wird am 30. August um 19 Uhr eröffnet. Sie ist bis zum 20. Oktober zu sehen.

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