Mo., 07.10.2019

Ausstellung in Delft Aus dem Schatten Vermeers: Meisterwerke von Pieter de Hooch

Pieter de Hooch, Porträt einer Delfter Familie, 1657-1660.

Pieter de Hooch, Porträt einer Delfter Familie, 1657-1660. Foto: Annette Birschel

Von dpa

Alltag im 17. Jahrhundert: Eine Frau schaut liebevoll auf ihr Kind, ein paar Dienstmädchen lachen. Meisterhaft zeigt der holländische Maler de Hooch intime Szenen. Jetzt wird er neu entdeckt.

Delft (dpa) - Rund 350 Jahre nach dem Tod des holländischen Malers Pieter de Hooch ist in seiner Heimat die erste Ausstellung zu seinem Werk zu sehen. Das Museum Prinsenhof in Delft zeigt 29 Gemälde aus seiner Delfter Periode, die als Blütezeit des Malers gilt.

De Hooch (1629 - ca. 1679) stehe zu Unrecht im Schatten von Johannes Vermeer, sagte die Direktorin des Museums, Janelle Moerman, bei der Präsentation der Schau am Montag. «Er ist ein Meister der Perspektive, ein Meister des Lichtes.» Ab dem 11. Oktober sind die Meisterwerke (1652 - 1660) aus internationalen Sammlungen zu sehen.

Nach Johannes Vermeer gilt de Hooch weltweit als berühmtester Delfter Maler des «Goldenen Zeitalters» im 17. Jahrhundert. «Er war der erste Maler, der hinter die Haustür blickte», sagte die Direktorin. Der Prinsenhof zeigt nun bezaubernde und intime Szenen aus den Wohnungen und Innenhöfen der Delfter Bürger. Dafür ist der Maler auch bekannt.

De Hooch wurde auch «Maler des kleinen Glücks» genannt. Meisterhaft malte er das Sonnenlicht in den Innenhöfen, liebevoll die spielenden Kinder oder die lachenden Dienstmädchen. Und sehr detailgetreu sind etwa auch die Steinfliesen auf den Böden einschließlich Tabakskrümel und Spielkarten. Charakteristisch für den Sohn eines Maurers aus Rotterdam sind auch die sehr realistischen Abbildungen des Mauerwerks.

Das Museum veröffentlichte zugleich die Ergebnisse der bislang umfangreichsten Untersuchungen zur Person und zum Werk des Malers. Dabei stellten die Forscher mit neuesten Techniken und Scannern fest, dass der Maler vielfach seine Bilder verändert hatte. Figuren waren entfernt beziehungsweise hinzugefügt worden.

«Er spielte mit seinen Figuren», sagte die Konservatorin des Museums, Anita Jansen. Skizzen oder Zeichnungen gebe es nicht. «Aber er machte sehr wahrscheinlich vorher Lichtkompositionen.» De Hooch malte auch häufig ähnliche oder sogar dieselben Motive, nur mit anderen Personen.

Bis ins 19. Jahrhundert waren die Werke von de Hooch auch international sehr gefragt. Sammler bezahlten sogar ein Vielfaches von dem, was etwa Gemälde seines Delfter Kollegen Vermeer erbrachten. Sein Oeuvre umfasst etwa 150 bis 160 Werke und ist damit deutlich größer als das von Vermeer mit etwa 35. Doch seit dem 19. Jahrhundert wurde das Werk von Vermeer höher eingeschätzt.

Auch über das Leben des Malers entdeckten die Forscher neue Informationen. De Hooch zog 1660 nach Amsterdam um und zählte dort auch wohlhabende Bürger zu seinen Kunden. Die Innenräume auf seinen Gemälden waren nun deutlich reicher ausgestattet.

Die Untersucher gehen davon aus, dass der Maler rund 1679 starb. Das bislang genannte Todesjahr 1684 müsse korrigiert werden. Denn nach 1679 hatten die Forscher in den Archiven keine Spur mehr von ihm gefunden.

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