Ralph Herforth feiert heute seinen 60. Geburtstag „bei Mama in Löhne“
Mehr als nur ein Schauspieler

Löhne (WB). Wenn er 70 sei, wolle er auf Kreta leben, aufs Meer schauen und die Abende in einer Taverne verbringen. Bis es so weit ist, hat der aus Herford stammende Schauspieler Ralph Herforth allerdings noch reichlich Zeit. Heute feiert der Wahl-Berliner seinen 60. Geburtstag – und das in Löhne.

Mittwoch, 15.01.2020, 09:14 Uhr aktualisiert: 16.01.2020, 09:54 Uhr
Ralph Herforth feiert heute seinen 60. Geburtstag „bei Mama in Löhne“. Foto: dpa
Ralph Herforth feiert heute seinen 60. Geburtstag „bei Mama in Löhne“. Foto: dpa

Verbringen wird er diesen Tag „bei Mama in Löhne“. Zu denen, die mitfeiern, gehört sein Zwillingsbruder, der beruflich einen ganz anderen Weg eingeschlagen hat: Er arbeitet als Altenpfleger.

Obwohl der Schauspieler sehr an seiner Heimat hängt, ist er nach eigener Aussage „viel zu selten hier“. Zweimal im Jahr besuche er seine Mutter, er habe zu viel zu tun. Auch eines seiner Hobbys, das Drachenfliegen, komme zu kurz. Bis heute ist Herforth Mitglied des Drachenflieger-Clubs in Porta Westfalica, oft ist er von der Rampe an der Wittekindsburg ins Tal geschwebt: „Mein Drachen liegt da immer noch.“

„Das war großer Schrott“ und „Kurz und schmerzlos“

Als der Schauspieler 1992 in Lars Beckers „Schattenboxer“ sein Leinwanddebüt gab, war er 32 Jahre alt. Zahlreiche Film- und Kinoproduktionen folgten – unter anderem wirkte er in „Knockin’ on Heaven’s Door“ mit. Auch das Traumschiff fehlt in der umfangreichen Filmografie nicht, doch das vernichtende Urteil des gebürtigen Herforders über die Erfolgsserie lautet: „Das war großer Schrott.“ Als einen der Filme, die ihm besonders am Herzen liegen, nennt er „Kurz und schmerzlos“, das Spielfilmdebüt von Regisseur Fatih Akin aus dem Jahr 1998.

Die Zahl der Einträge in seiner Filmliste wird kleiner – und er bestätigt den Eindruck: „Das Filmen ist mir nicht mehr so wichtig.“ Er bekomme kaum noch gute Stoffe angeboten, die meisten Drehbücher seien “larifari“. Interessant seien manche Serien, die es auf Netflix gebe, aber aus Deutschland komme selten ein gutes Format. Zum nationalen Larifari passt laut Herforth, dass der größte deutsche Star eine Schlagersängerin ist: „Helene Fischer – das sagt doch schon alles.“

Neben dem Schauspiel verdient er Geld mit der Immobilien-Vermittlung

Aber der 60-Jährige – im Film meist der attraktive Charakterkopf – will nicht klagen. Den Schauspielerruhm vermisse er nicht. Und ab und zu drehe er ja noch einen Film. So spielt er in der Krimi-Serie „Unter anderen Umständen“ mit Natalia Wörner den Ermittler Matthias Hamm.

Wenn Ralph Herforth heute sagt, dass er viel beschäftigt sei, dann nicht wegen der Schauspielerei. Das meiste Geld verdient er mittlerweile mit einer Geschäftspartnerin durch die Vermittlung von Immobilien. Nicht irgendwelche – denn auch als Geschäftsmann bevorzugt der 60-Jährige das Unkonventionelle: „Es müssen besondere Immobilien sein. Alte Gebäude oder Häuser, die schön gelegen sind, zum Beispiel.“ Vor Tagen habe er jemandem einen alten Bauwagen besorgt. Herforth sieht sich als Finder. Er hört sich an, was andere wünschen, und hält dann nach der passenden Immobilie Ausschau.

Das Haus am See

Ein großer Coup gelang ihm mit der Vermittlung des legendären Berliner Tanzlokals Clärchens Ballhaus. Das Ganze mache einfach großen Spaß, sagt er: „Mit Leuten reden, für Leute etwas tun.“

Kommunikation statt nur das zu sagen, was im Drehbuch steht: Das persönliche Umfeld spielt für Herforth heute eine große Rolle. Wichtiger als jeder Ruhm seien gute Freunde und seine „fünf tollen Kinder“. Mit seiner „großen Liebe“, der Schauspielerin und Drehbuchautorin Zora Holt, lebt er in Berlin-Schöneberg, wo seine jüngsten beiden Kinder zur Schule gehen, und im brandenburgischen Lindow-Mark. Das Haus am See, in das er sich mit seiner Familie gerne zurückzieht, fällt in die Rubrik „Besondere Immobilien“.

Ralph Herforth lebt zu sehr und zu gerne im Hier und Jetzt, als dass er sich über mögliche verpasste Chancen große Gedanken machen würde. Eher zufällig ist er mit seinem Hauptschulabschluss zur Schauspielerei gekommen, nach dem Besuch des renommierten Max-Reinhardt-Seminars folgten viele Schauspiel-Engagements. Und ja, wenn er etwas noch einmal sehr gerne machen würde, dann am Theater spielen, sagt er: „Aber da ist man von zehn Uhr morgens bis elf Uhr abends unterwegs. Und ich möchte für meine Kinder da sein.“

„Hatte die Hoffnung, dass mich die Herforder Brauerei zum Werbeträger macht“

Ein Intendant riet ihm einst, aus Karrieregründen seinen eigentlichen Familiennamen Schwachmeier aufzugeben. Der Schauspieler entschied sich für Herforth. Als Grund für die Namenswahl gibt er an: „Ich hatte die Hoffnung, dass mich die Herforder Brauerei zum Werbeträger macht. Aber die haben sich nie gemeldet.“ Egal, ob die Namens-Geschichte stimmt oder als Anekdote im wahrsten Sinne des Wortes einer späteren Bierlaune entstammt: Sie sagt auf jeden Fall viel aus über den Humor des Mannes aus Herford.

Auch sein Kreta-Traum spricht Bände über den Ralph Herforth der Gegenwart. Als Immobilienfinder sucht er dort derzeit nach einem Haus. Ist alles unter Dach und Fach, will er auf der Insel irgendwann leben, während seine Frau dort weiterhin Drehbücher schreiben kann: „Und ich werde aufs Meer schauen und in einer Taverne untergehen.“ Das Leben kann so herrlich einfach sein für den, der es zu leben versteht.

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