Mi., 12.02.2020

Kultur Gesundheit zu zweit: So nutzt man partnerschaftliche Synergieeffekte

Foto: stock.adobe.com © Jacob Lund

Eine simple FDH-Diät ist schon so ziemlich schwer. Sie wird aber noch ungleich schwerer, wenn der geliebte Partner tagtäglich am Essenstisch weiterhin genüsslich Pommes und Co. verdrückt. Macht er jedoch mit, wirken die halben Portionen gar nicht mehr so schlimm, zumindest aber hat man jemandem, mit dem man sein „Leid“ teilt und damit wird es ein Stück einfacher. Ganz ähnlich sieht es auch bei der allgemeinen Gesundheit jenseits der Ernährung aus: Wenn man den Partner an seiner Seite hat, wird es immer einfacher, Ziele zu erreichen. Oftmals ist die Zweisamkeit sogar die einzige Möglichkeit, etwas effektiv durchzuziehen. Doch wie bekommt und nutzt man diese Synergieeffekte?

1. Den Partner von Anfang an einbeziehen

Schatz, ich hab beschlossen, k ü nftig jeden Wochentag ins Fitnessstudio
zu gehen und das ganze ungesunde Essen zu streichen

Ein solcher Satz mag für den, der ihn ausspricht, erst mal nur nach einem ambitionierten Ziel klingen. Allerdings darf man nie vergessen, dass die „Mission Gesundheit“ je nach vorherigem Lebensstil eine signifikante Abkehr vom Bisherigen darstellt.

Das Problem daran ist: Je „überfallartiger“ man dies seinem Partner eröffnet, desto weniger kann man darauf hoffen, dass er „au ja, da mache ich mit“ sagt. Natürlich, die Hinwendung zu einem gesundheitlich optimierten Dasein hat nur Vorteile, allerdings kann selbst ein so hehres Ziel Probleme heraufbeschwören.

Der Grund: Bei dem Großthema Gesundheit handelt es sich um etwas, das in viele Bereiche des (gemeinschaftlichen) Alltags eingreift:

  • Lebensmittel;
  • Feierabend- und Freizeitgestaltung;
  • Genussmittel;

um nur drei zu nennen. So etwas kann, oder besser sollte man nicht im Alleingang beschließen, wenn man sich der partnerschaftlichen Unterstützung oder gar des Mitmachens gewiss sein möchte.

Egal wie sehr man auch loslegen möchte, ganz gleich wie sehr man für dieses neue Ideal seines Lebens brennt: wenn man möchte, dass der Partner dabei mitmacht, ist es zwingend nötig, ihn sanft heranzuführen: „Schatz, was hältst du davon, wenn ich, oder besser wir, künftig mal ein bisschen mehr Sport treiben und uns gesünder ernähren?“.

Ein völlig anderer Tonfall, der eine viel bessere Basis schafft, weniger scharf klingt. Allerdings muss man auch davon ausgehend auf dem richtigen Kurs bleiben:

2. Auf einen gemeinsamen Nenner kommen

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Auch wenn zwei sich lieben, vielleicht schon seit unzähligen Jahren Tisch und Bett miteinander teilen, handelt es sich doch trotz aller Annäherung, die während dieser Zeit stattfand, immer noch um zwei eigenständige Charaktere. Was der eine mag, mag der andere nicht und vice versa.

Das bekommt im Umfeld der gemeinschaftlichen Gesundheit einen sehr hohen Stellenwert, selbst wenn beide durch das korrekte Befolgen des vorherigen Kapitels bereits beschlossen haben, gesünder zu leben. Denn Tatsache ist, wo der eine Partner vielleicht am liebsten mit Volldampf in Richtung No-Carb, täglichem Sport oder Veganismus losdüsen würde, also in Themengebiete, die sich vom bisherigen Status Quo vielleicht dramatisch unterscheiden, gibt es oft Reibereien, wenn der andere weniger „radikal“ denkt.

So mag es zwar beispielsweise zweifellos gesundheitliche Vorteile haben, Hackfleisch und Co. gegen Sojaprodukte auszutauschen. Wenn der Partner das allerdings nicht exakt genauso sieht, wird er wahrscheinlich mit Missmut reagieren, wenn Kuhmilch konsequent gegen Reisdrinks, Frikadellen dauerhaft gegen Sojabratlinge und dergleichen getauscht werden und manches vielleicht sogar ersatzlos von der Speisekarte verschwindet.

Besser ist folgendes:

  1. Ein gemeinsames Ziel definieren.
  2. Konkrete Maßnahmen gemeinschaftlich beschließen.
  3. Den Regeln des guten partnerschaftlichen Miteinanders befolgen.

Letzteres bedeutet das, was es auch in allen anderen partnerschaftlichen Belangen bedeutet: Beide müssen ihren Teil beitragen, dürfen nicht auf ihrem Standpunkt beharren. Natürlich, das kann durchaus bedeuten, dass man als initiierender Partner seine Pläne niedriger ansetzen muss. Umgekehrt darf man aber auch erwarten, dass der andere einem ein Stück weit entgegenkommt – das klassische Geben und Nehmen des Beziehungslebens.

3. Es langsam angehen

Wer stark loslegt, lässt auch schnell stark wieder nach. Diese Maxime manifestiert sich weltweit bei Millionen von Menschen jedes Jahr, wenn ihre guten Neujahrsvorsätze sich spätestens im Februar in Wohlgefallen aufgelöst haben.

Tatsache ist, der Wunsch nach einem gesünderen Leben ist ein ganzheitlicher Ansatz. Und der wichtigste Punkt darin ist, dass die Umstellung umso länger dauern sollte, je ungesünder man vorher lebte.

Man darf sich durchaus – gemeinschaftlich – ambitionierte Endziele setzen. Wenn etwa beide beschließen, das Rauchen einzustellen, wäre das ambitioniert. Für langfristigen Erfolg wäre es jedoch ungleich sinniger, dazu zumindest temporär den Weg über die E-Zigarette zu gehen – schon, weil das für den passiven Partner erwiesenermaßen gesünder ist. Aber: es eliminiert auch einen Großteil der Tabak-Giftstoffe, ohne jedoch zu Entzugserscheinungen zu führen; es gibt ja weiterhin eine dosierbare Nikotinzufuhr. Auf diese Weise wird der eigentlich harte Wechsel sanft angegangen, die Erfolgschancen steigen dramatisch.

Und:

Ganz gleich, wie das Ziel aussieht: Der Weg dorthin sollte nur so sanft
ansteigen, dass beide Partner ihm bequem folgen können, dass
es für keinen eine zu steile Qual wird.

Nie sollte man vergessen, dass das Ziel ist, dass beide gesund leben, ohne dass sie sich aber dazu anstrengen müssen. Die denkbar schlechteste Methode, um das zu erreichen, sind Hauruck-Methoden, die bei 45 Prozent ansetzen, wo der Partner vielleicht erst bei fünf Prozent steht.

4. Anfeuern, aber auch vergeben

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Das Schöne daran, wenn man mit seinem Partner einen gesünderen Lebensweg einschlagen will, ist, dass man im engsten Lebensumfeld jemanden hat, der einen immer daran erinnert, was man gerade anstrebt.

Der berühmt-berüchtigte innere Schweinehund hat es deshalb um ein Vielfaches schwerer, einen wieder in alte Verhaltensmuster fallen zu lassen – umso mehr, wenn man zusammenwohnt. Dazu ist es allerdings auch enorm wichtig, dass man den anderen richtig motiviert:

  • Falsche Motivation wäre es, dem Partner immer wieder eine höhere Messlatte vor die Nase zu legen, an deren Ende man ihm eine große Belohnung verspricht, die aber immer in der Ferne bleibt. Das ist ein ähnlicher Effekt wie die Mohrrübe vor der Schnauze des Esels –man darf sich nicht wundern, wenn der Partner diese „Eselei“ gar nicht begrüßt.
  • Richtige Motivation wäre es, dass man kleine Belohnungs-Snacks verteilt. Sport jetzt, dafür Faulenzen morgen; heute ein veganes Menü, dafür morgen des Partners liebstes Fleischgericht. Kleine Dinge, die sofort spürbar sind.
  • Falsche Motivation wäre es, den Partner zu necken, ihn als Schwächling und dergleichen zu titulieren, egal wie freundschaftlich man es auch meint. Dieses „negative Anfeuern“ funktioniert vielleicht im Boot-Camp. Wer jedoch von seinem engsten Vertrauten derartiges an den Kopf geworfen bekommt, ist zurecht beleidigt.
  • Richtige Motivation wäre es, dem Partner gegenüber Verständnis zu zeigen, wenn er einen Durchhänger hat, ihn deshalb aber aufzumuntern, indem man ihm aufzeigt, was er bisher schon vollbracht hat und was er aufgibt, wenn er das jetzt schleifen lässt.

Nie vergessen: in einer Beziehung mit jemandem, den man liebt, mit dem man womöglich gemeinsam alt werden möchte, muss auch beim Thema Gesundheit alles mit Liebe geschehen, selbst wenn die Trickkiste der großen Motivatoren dieser Welt noch mit ganz anderen Methoden gefüllt sind – die Partnerschaft verbietet manches, macht aber auch Dinge möglich, die in entfernteren Beziehungen nicht funktionieren.

5. Gemeinsamkeit über den Schweiß setzen

Drei Fragen und Antworten:

  • Wäre es gesund, mit dem Partner trotz Winterwetter allabendlich auf lange Joggingrunden durch den Stadtpark zu gehen? Zweifellos!
  • Wäre es gesund, eine gemeinsame Woche des Heilfastens zu absolvieren, während der nur Wasser sowie kalorienarme Brühe und dergleichen konsumiert werden? Absolut!
  • Wäre es gesund, den nächsten Urlaub in einem Fitness-Hotel zu verbringen, wo man die ganzen Tage von Top-Trainern auf Vordermann gebracht wird? Definitiv!

Aber: Ist das auch etwas, an das man sich in der Retrospektive als schönen, partnerschaftlichen Moment erinnern wird? Höchstwahrscheinlich nicht.

Wenn man gemeinsam gesund werden will, dann sollte
man bei allem, das dafür notwendig ist, vordergründig darauf
achten, dass es darin immer einen Inhalt gibt, bei dem das Partnerschaftliche
aus mehr besteht als der reinen Tatsache, dass man sich zu
zweit über eine Hürde quält.

Statt des winterlichen Joggings könnte man seine Sport-Einheiten ins örtliche Schwimmbad verlegen, danach in den Spaßbecken toben und im Whirlpool ausspannen. Statt des Heilfastens könnte man lieber eine Woche lang jeden Abend gemeinsam gesunde Mahlzeiten kochen und bei romantischem Kerzenschein verspeisen. Und statt des Fitness-Urlaubs könnte man zu einem Wanderurlaub in die Berge fahren, könnte Händchen halten, picknicken, die Seele baumeln lassen.

Je schöner und größer derjenige Part ist, bei dem die Liebe im Fokus steht, desto mehr tritt der andere, der anstrengende Teil, in den Hintergrund. Und damit nutzt man den wichtigsten aller Synergieeffekte: Das Leben wird gesünder, ohne dass man es sonderlich merkt – denn bei allem, was man dazu tun muss, hat man immer Herzklopfen für seinen Partner.

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