So., 16.02.2020

Böckstiegel-Museum Werther zeigt bis Mai Werke von Käthe Kollwitz Anwältin der Unterdrückten

Egal ob Grafik oder Plastik: Kraftvoll sind die Werke von Käthe Kollwitz. Nicht umsonst haben David Riedel und Lilian Wohnhas vom Böckstiegel-Museum der aktuellen Ausstellung den Titel „Mit Stärke seine Arbeit tun“ gegeben.

Egal ob Grafik oder Plastik: Kraftvoll sind die Werke von Käthe Kollwitz. Nicht umsonst haben David Riedel und Lilian Wohnhas vom Böckstiegel-Museum der aktuellen Ausstellung den Titel „Mit Stärke seine Arbeit tun“ gegeben. Foto: Margit Brand

Von Margit Brand

Werther (WB). Käthe Kollwitz’ Botschaft fällt beim Betreten der Ausstellungsräume im Böckstiegel-Museum sofort ins Auge: „Nie wieder Krieg!” Im wahrsten Sinne des Wortes plakativ ist sie in Szene gesetzt. Andere Werke der wohl bekanntesten deutschen Künstlerin (1867-1945) verlangen genaueres Hinsehen – um dann mit Nachdruck Emotionen zu entfalten.

Bis zum 3. Mai gehört das Museum in Werther (Kreis Gütersloh) von Sonntag, 11 Uhr, an einer Ikone der deutschen Kunstgeschichte. Peter August Böckstiegel selbst verehrte sie sehr und sammelte Werke der Grafikerin und Bildhauerin, die jetzt den Grundstock der Ausstellung bilden. Zudem kooperiert Werther mit dem Kollwitz-Museum in Berlin. Weitere Leihgaben stellten private Sammler aus der Region sowie die Kunsthalle Bielefeld zur Verfügung. Dort war vor 20 Jahren die letzte große Kollwitz-Ausstellung in OWL zu sehen.

Das kleine Haus ist stolz darauf, unter anderem drei bekannte grafische Zyklen vollständig zeigen zu können: „Ein Weberaufstand” (1893-97), „Bauernkrieg” (1902-08) und „Krieg“ (1922). Auch einige ihrer berühmten Selbstbildnisse sind zu sehen, zudem die Gips-Skulptur “Die Klage” (entstanden nach dem Tod Ernst Barlachs) sowie weitere Bronzearbeiten stellvertretend für das große und nicht minder bedeutsame plastische Werk. Die Ausstellung spannt so einen Bogen von den künstlerischen Anfängen in Berlin und München über die Jahre der großen Anerkennung in den 1920ern und 30ern, bevor Kollwitz’ Schaffen durch Nationalsozialisten diskreditiert wurde.

Immer ist es dabei die eigene Rolle als Frau, Mutter und Künstlerin in einer Männerdomäne, die Kollwitz in ihren Arbeiten reflektiert und zum Anlass nimmt, gesellschaftliche Missstände anzuprangern. Virtuos in der Technik, ausdrucksstark im Motiv: Schon lange, bevor sie ihren Sohn Peter im Ersten Weltkrieg verliert, hält die Künstlerin Leid und Leiden im Angesicht des sinnlosen Todes fest. Armut, Hunger und Gewalt bringt sie schonungslos und intensiv zum Ausdruck und macht sich damit zur Anwältin der Unterdrückten und Vergessenen.

Das Böckstiegel-Museum zeigt aber auch die heiteren Facetten ihrer Arbeit. Käthe Kollwitz war eben emotional in alle Richtungen. Beklagt eine Mutter hier den Tod ihres Kindes, hält eine andere ihres in inniger Umarmung.

Diese Blätter bleiben nicht ohne Wirkung beim Betrachter. Zum ersten Mal wagt das Böckstiegel-Museum das Experiment, die Besucher einzuladen, ihre Eindrücke kreativ festzuhalten. An (noch) weißer Wand soll in einem improvisierten Rahmen „Käthes Pinnwand“ entstehen.

Auch bei Führungen geht das Team – neben bewährten Angeboten ­– neue Wege. Bei “Käthe Kollwitz und Tabu” (27. März, 17 Uhr) blicken eine Kriminalistin und eine Kunsthistorikerin auf Bilder wie „Vergewaltigung“, die einem Tatort gleichen könnten. Bei „Slow Art“ (4. April, 18 Uhr) widmen sich die Besucher eine Stunde lang vertieft zwei ausgewählten Werken.

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