Bismarck-Denkmal
Hamburgs Kultursenator will künstlerischen Wettbewerb

Carsten Brosda (SPD) möchte eine Gegenposition zum umstrittenen Bismarck-Denkmal in Hamburg schaffen.

Montag, 13.07.2020, 09:50 Uhr aktualisiert: 13.07.2020, 09:54 Uhr
Das Bismarck-Denkmal über dem Hamburger Hafen.
Das Bismarck-Denkmal über dem Hamburger Hafen. Foto: Daniel Bockwoldt

Hamburg (dpa) - Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD) will mit einem künstlerischen Wettbewerb eine Gegenposition zum umstrittenen Bismarck-Denkmal schaffen. «Ich glaube, eine Tafel, in der wir erklären, das war Bismarck, ist zu wenig», sagte Brosda der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

«Wir brauchen etwas, was alle, die das Denkmal sehen, jenseits des "Ich erkläre euch das mal" - anspricht. Da kann ich mir viel vorstellen: von radikalen Gegenpositionen, die diesem heroischen Gigantismus eine ironische Brechung entgegen setzen - bis hin zu digitalen Applikationen.»

Otto von Bismarck (1815-1898), Reichskanzler von 1871 bis 1890, bekämpfte Katholiken und Sozialisten und führte dennoch die fortschrittlichsten Sozialgesetze der Welt ein. Vielen gilt er als Wegbereiter des deutschen Kolonialismus. Das Bismarck-Denkmal im Alten Elbpark oberhalb der Landungsbrücken ist mit 34,3 Metern Gesamthöhe das größte Bismarck-Denkmal weltweit. Seit Anfang des Jahres wird es saniert. Vor einer Woche hatten die Initiativen «Intervention Bismarck-Denkmal Hamburg» und «Decolonize Bismarck» gegen die Sanierung demonstriert.

Brosda sagte, er sei kein Fan davon, solche Spuren des Erinnerns aus dem Stadtbild zu tilgen. «Das Denkmal gehört zu unserer Geschichte», meinte der Senator. «Sich immer wieder auch mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen, halte ich für eine Tugend unserer Gesellschaft.» Ziel sei es, diesen künstlerischen Prozess parallel zu den Sanierungsmaßnahmen zu verfolgen und nicht nacheinander. «Nicht nach dem Muster: Erst machen wir ihn ein bisschen hübsch und wenn er dann wieder steht, fangen wir an, darüber nachzudenken.» Unter anderem mit dem Beirat zur Aufarbeitung Hamburgs kolonialer Vergangenheit solle das weitere Verfahren besprochen werden.

© dpa-infocom, dpa:200713-99-769141/2

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