Wiedereröffnung
Sigmund Freud Museum: Nach Umbau alle Privaträume begehbar

Wie und wo hat der Begründer der Psychoanalyse in Wien gelebt? Davon können sich Besucher ab Samstag ein umfassendes Bild machen.

Mittwoch, 26.08.2020, 16:22 Uhr aktualisiert: 26.08.2020, 16:26 Uhr
Das renovierte und erweiterte Sigmund Freud Museum in der Wiener Berggasse 19.
Das renovierte und erweiterte Sigmund Freud Museum in der Wiener Berggasse 19. Foto: Herbert Neubauer

Wien (dpa) - Das Sigmund Freud Museum in Wien zeigt erstmals alle Privat- und Praxisräume des Begründers der Psychoanalyse. Nach 18-monatiger Renovierungs- und Umbauphase habe sich die Ausstellungsfläche auf 550 Quadratmeter verdoppelt, sagte dieDirektorin Monika Pessler am Mittwoch.

Das Haus, in dem Freud bis zu seiner Flucht vor den Nazis 1938 insgesamt 47 Jahre lang lebte, wird am Samstag wieder eröffnet. Bisher hatte das seit 1970 als Museum genutzte Haus rund 110.000 Besucher im Jahr.

Neben drei neuen Dauerausstellungen steht die ehemalige Wohnung der Familie sowie die Praxis Freuds und seiner Tochter Anna im Zentrum. Aufzeichnungen, Erstausgaben, Fotografien und einzelne Objekte wie seiner Arzttasche samt Initialen geben Einblick in den Werdegang des Arztes. Interessierte haben zudem ab Oktober 2020 Zugriff auf die rund 40.000 Medien der Bibliothek des Hauses. Sie gilt als Europas größte Fachbibliothek zur Psychoanalyse.

Eine historische Rekonstruktion der Einrichtung fehlt. «Freud hatte die Möglichkeit, seine Besitztümer ins Londoner Exilmitzunehmen, und es ist uns wichtig, diese Leerstellen, die eineMetapher sind für den Verlust von Kultur und Menschlichkeit unterdem Terrorregime des Nationalsozialismus, auch als Leerstellenkenntlich zu machen», erklärte die Direktorin.

Die Adresse in der Wiener Berggasse diente zu Zeit der Nazis auch als Judensammelwohnung - insgesamt 76 Menschen mussten hier auf ihre Deportation in Vernichtungslager warten. Freud selbst verließ die Berggasse 19 am 4. Juni 1938 und starb 1939 im LondonerExil. Vier Schwestern fielen jedoch dem Holocaust zum Opfer.

© dpa-infocom, dpa:200826-99-317956/2

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