Von Presley bis Jackson
Die Ruhmeshalle des Rock & Roll wird 25

Wer in die Ruhmeshalle des Rock & Roll aufgenommen wird, der hat in der US-Musikbranche geschafft - seit genau einem Vierteljahrhundert auch in ein echtes Museum. Viele Fans kritisieren aber: Zahlreiche wichtige Stars und Bands fehlen immer noch.

Dienstag, 01.09.2020, 16:41 Uhr aktualisiert: 01.09.2020, 16:44 Uhr
I.M. Peis Pyramide birgt das bekannteste Rockmuseum der Welt mit tausenden Artefakten der Musikgeschichte.
I.M. Peis Pyramide birgt das bekannteste Rockmuseum der Welt mit tausenden Artefakten der Musikgeschichte. Foto: Chris Melzer

Cleveland (dpa) - Von Alice Cooper und Eric Clapton über Joan Baez, Whitney Houston und Leonard Cohen bis hin zu den Beatles und Miles Davis, von Bruce Springsteen und Bob Dylan über Johnny Cash, Aretha Franklin, Tina Turner und Billie Holiday bis hin zu Janet und Michael Jackson: Die Ruhmeshalle des Rock & Roll ist eine illustre Gesellschaft.

Knapp 350 Musiker und Bands sind bislang mit der Aufnahme in die Rock & Roll Hall of Fame ausgezeichnet worden. Am Mittwoch (2. September) vor genau einem Vierteljahrhundert wurde ihnen mit der Eröffnung eines Museums in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio erstmals auch ein physisches Denkmal gesetzt.

Der auffällige Bau mit gläsernen Pyramiden des 2019 gestorbenen Star-Architekts I.M. Pei steht in Cleveland direkt am Eriesee und gehört zu den größten Attraktionen der Metropole im Mittleren Westen der USA, die stark um dessen Ansiedlung geworben hatte. «Der Rock verbindet uns», heißt es auf der Webseite des Museums. «Unsere Mission ist klar: Durch die Macht des Rock & Roll zusammenzufinden, zu lernen und zu inspirieren.»

Während der Bauarbeiten und zur Eröffnung traten Musiker wie Billy Joel, Jerry Lee Lewis, Johnny Cash und Little Richard auf. Seitdem haben nach Angaben der Betreiber mehr als 12,6 Millionen Menschen das Museum besichtigt. In der Coronavirus-Pandemie war das Gebäude, das Erinnerungsstücke rund um seine berühmten Geehrten zeigt, zeitweise geschlossen, ist nun aber mit eingeschränkter Kapazität und unter Einhaltung von Hygienemaßnahmen und Maskenpflicht wieder geöffnet. Auch kleinere Konzertveranstaltungen finden wieder statt. Das jährliche Konzert zur Aufnahme der neuen Mitglieder musste in diesem Jahr allerdings ausfallen.

Die Idee einer Ruhmeshalle für berühmte Persönlichkeiten des Rock & Roll war in der Musik-Industrie schon Mitte der 80er Jahre entstanden. 1986 wurden dann die ersten Mitglieder aufgenommen, darunter die Sänger Fats Domino, Chuck Berry, Ray Charles, James Browne, Sam Cooke, Buddy Holly, Jerry Lee Lewis, Elvis Presley und Little Richard. 2020 kamen unter anderem die Bands Depeche Mode und Nine Inch Nails hinzu, außerdem posthum die Sängerin Whitney Houston (1963-2012) und der Rapper Notorious B.I.G. (1972-1997).

Über die Aufnahme entscheiden inzwischen mehr als 1000 Musiker, Musikwissenschaftler und andere Mitglieder der Branche. Auch die Fans können mitreden. Mindestens 25 Jahre müssen seit der ersten Albumveröffentlichung einer Band oder eines Musikers vergangen sein, um aufgenommen zu werden. Auch andere Musikrichtungen haben eigene Ruhmeshallen, allerdings nicht alle mit eigenen Museen.

Die Rock & Roll-Ruhmeshalle stellt nicht alle Fans zufrieden: Unter anderem seien bislang viel zu wenig Frauen aufgenommen worden, schrieb Joe Kwaczala, der einen Podcast über die Hall of Fame moderiert, jüngst beim Branchenmagazin «Vulture». Kwaczala beschreibt sich selbst als langjähriger Fan der Ruhmeshalle, bezeichnet sie aber auch als «Einrichtung von fraglicher Bedeutung, deren Entscheidungen immer wieder Feuerstürme von Enttäuschung und Wut hervorrufen». Die Stimmen der Fans und Musikrichtungen wie Elektro und Heavy Metal nicht genügend berücksichtigt, kritisiert der Autor - und listet einige Bands und Musiker auf, die immer noch auf ihre Aufnahme in die Ruhmeshalle warten: Pat Benatar, Dave Matthews Band, Kraftwerk und Chaka Khan.

© dpa-infocom, dpa:200828-99-343306/4

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