In einer Buchreihe über van Gogh, Klee und Nolde folgt nun der Wertheraner Expressionist
„Das adelt Böckstiegel“

Werther (WB). Handlich und kompakt, dazu farbintensiv und informativ: Über Peter August Böckstiegel gibt es ein neues, kleines Buch, das Leben und Werk des Wertheraner Expressionisten umfassend beleuchtet.

Freitag, 25.09.2020, 02:15 Uhr aktualisiert: 25.09.2020, 02:20 Uhr
Ein kleines Buch schafft den großen Rundumschlag: David Riedel (links), Vera Keßeler und Jan Honsel stellen die neue Monografie über Böckstiegel vor, die ab sofort im Museumsshop nicht nur in Werther erhältlich ist. Foto: Margit Brand
Ein kleines Buch schafft den großen Rundumschlag: David Riedel (links), Vera Keßeler und Jan Honsel stellen die neue Monografie über Böckstiegel vor, die ab sofort im Museumsshop nicht nur in Werther erhältlich ist. Foto: Margit Brand

Die Monografie ist in der renommmierten Reihe „Junge Kunst“ des Verlags Klinkhardt und Biermann erschienen – und liegt damit womöglich schon bald in vielen Museumsshops in ganz Deutschland. In Werther ist es selbstverständlich von sofort an ebenfalls erhältlich und damit für die attraktiv, die etwas Böckstiegel zum Nachlesen mit nach Hause nehmen wollen (Preis: 11,90 Euro).

Böckstiegel-Freundeskreis sorgt für Finanzspritze

„Dass PAB sich als Band 34 in die Highlights des 20. Jahrhunderts einreiht, ist eine kleine Adelung“, freut sich Dr. Jan Honsel. Er ist Vorsitzender des Böckstiegel-Freundeskreises, mit dessen finanzieller Hilfe das Projekt realisiert werden konnte. Denn in der Reihe „Junge Kunst“ folgt das neue Böckstiegel-Buch auf bereits erschienene Werke über bekannte Künstler wie Vincent van Gogh, Paul Klee, Paula Modersohn-Becker oder Emil Nolde.

Bereits an der Umsetzung der Werkverzeichnisse hatte der Freundeskreis maßgeblichen Anteil. „Aber es ist gut, dass wir neben den vielen Publikationen, die es bereits gibt, nun auch dieses eher preisgünstige Buch haben, mit dem Interessierte sich einfach und schnell einen Überblick über all das verschaffen können, was Peter August Böckstiegel ausmacht und ihn prägte“, sagt Jan Honsel.

Auch die Nicht-Kunstkenner begeistern

Autor ist Museumsleiter David Riedel. Für ihn galt es, die Herausforderung zu meistern, sein umfassendes und tiefes Wissen so zu komprimieren und zum Ausdruck zu bringen, dass auch diejenigen Zugang finden, für die Böckstiegel neu ist und die keine kunsthistorischen Vorkenntnisse mitbringen. Anschaulich wird das Ganze durch viele Fotos der Kunstwerke, die extra zu diesem Anlass neu angefertigt wurden. „Nur durch die heutigen fotografischen Möglichkeiten lässt sich Böckstiegels Farbkraft annähernd abbilden“, sagt Riedel. Einen Eindruck vermittelt bereits das Cover, auf dem Böckstiegels Schwager Conrad Felixmüller gezeigt wird.

Wie expressive Gemälde wie dieses entstanden sind und dass sensible Zeichnungen und ausdrucksstarke Plastiken ebenso prägend sind für sein Böckstiegels Werk, ist auf 80 Seiten nachzulesen. Erklärt wird, dass Vincent van Gogh, aber auch Edvard Munch, Böckstiegel in frühen Jahren faszinierten und inspirierten und er sich später von seinen Vorbildern emanzipierte und seinen eigenen künstlerischen Weg fand. Nicht umsonst gilt er heute als der bedeutendste Expressionist Westfalens, dessen tiefe Verbundenheit zu seiner ländlichen Heimat sich in seinen Werken widerspiegelt – auch wenn Dresden sein zweiter Lebensmittelpunkt war.

Freundeskreis verjüngt sich zusehends

Die neue Monografie erzählt aber auch die Geschichte der guten Zusammenarbeit zwischen Böckstiegel-Stiftung und -Freundeskreis, wie Geschäftsführerin Vera Keßeler unterstreicht. „Es ist gut, dass unsere Wünsche hier Gehör finden. Oftmals ist von außen gar nicht sichtbar, wo überall Unterstützung geleistet wird. Umso schöner, dass es diesmal das Buch zum Anfassen, Stöbern und lesen gibt“, sagt sie.

Umgekehrt freut sich der Freundeskreis über die neue Zugkraft, die er über das neue Museum entwickeln kann. Gerade erst am vergangenen Wochenende haben drei Besucher Beitrittserklärungen da gelassen. Honsel: „Wir steuern mittlerweile auf die 350 Mitglieder zu – unsere Altersstruktur verjüngt sich deutlich.“ Das lässt auf weitere gemeinsame Projekte hoffen.

Installation von Mia Weinberg könnte ab November zu sehen sein

Museum mit Maske – das hat sich gut eingespielt. Das Hygienekonzept greift. Durch die erweiterten Öffnungszeiten (Mittwoch bis Freitag) entzerrt sich zusätzlich der Andrang am Wochenende, denn maximal 50 Personen dürfen sich gleichzeitig im Haus aufhalten. Auch privat gebuchte Führungen (bis neun Personen) seien wieder stark nachgefragt, berichtet Museumsleiter Riedel.

Eine Einführung in die aktuelle Ausstellung „Dunkle Jahre, voller Farben“, die Böckstiegels Werk zur Nazizeit im Fokus hat, gibt es aktuell per Film. Gezeigt wird der im Erdgeschoss – dort, wo eigentlich die Installation „Fractured Legacy“ von Mia Weinberg, in Kanada lebende Tochter des aus Werther emigrierten Juden Kurt Weinberg, stehen sollte. Sie thematisiert die Brüche in ihrer Herkunftsgeschichte. Noch ist unklar, wann das Kunstwerk gezeigt wird, das bereits in Werther eingetroffen ist.

David Riedel sagt: „Wir sind in Gesprächen. Denkbar wäre das ab November. Oder aber wir zeigen nicht nur das Werk, sondern begrüßen im nächsten Jahr auch die Künstlerin persönlich und bieten – wie ursprünglich geplant – ein umfassendes Begleitprogramm an.“

 

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