Mi., 14.08.2019

Gamescom für Publikum vom 21. bis 24. August in Köln geöffnet Spielebranche will Förderung

Köln (dpa). Ob virtueller Fußball oder Abenteuerwelten: Mit kräftigen Wachstumszahlen im Rücken steuert die Computerspielbranche die Videospiele-Messe Gamescom an. Trotz der guten Zahlen wünscht sich die Branche Geld vom Staat, denn nur wenige Titel kommen aus Deutschland – weil die Entwicklung hier zu teuer sei, kritisiert der Branchenverband game.

Der Umsatz mit den Games sowie mit Konsolen und Zubehör sei im ersten Halbjahr 2019 in Deutschland auf rund 2,8 Milliarden Euro gestiegen, teilte der Branchenverband game am Dienstag in der Domstadt mit. Im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr war das ein Plus von elf Prozent.

Verkauf von Hardware und Spielen stabil

Wachstumstreiber waren Gebühren für Online-Dienste, bei denen der Umsatz um die Hälfte auf 228 Millionen Euro anstieg. Auch »In-Game-Käufe« kletterten in die Höhe, der Verkauf von Hardware und Spielen hingegen blieb mit leichten Abschlägen in etwa stabil.

Das anhaltend starke Wachstum der Branche verdeutliche, »welchen großen wirtschaftlichen Stellenwert Computer- und Videospiele längst eingenommen haben«, sagte game-Geschäftsführer Felix Falk. Er ließ aber Sorgenfalten erkennen. Grund: Der abermals gesunkene Anteil deutscher Entwickler am Markt, der 2018 nur noch bei 4,3 Prozent lag. Ein Jahr zuvor waren es noch fünf Prozent, davor lagen die Zahlen noch deutlich höher. »Das geht seit Jahren runter«, sagte Falk.

Kassenschlager kommen aus Nordamerika

Am weltweiten Games-Geschäft machen die Spiele aus Deutschland nach Schätzung von Falk weniger als ein Prozent aus. Kassenschlager wie die »Fifa«-Fußballreihe oder »Fortnite« kommen aus Nordamerika. Zu deutschen Entwicklungen gehören die Strategiegames »Siedler« und »Anno« sowie Action-Spiele von Crytek, Shooter- von Yager und Unterhaltungsspiele von Wooga.

Falk betonte, der Standort Deutschland sei stark und innovativ. Doch es mangele an staatlicher Förderung, wie sie es in anderen Staaten – zum Beispiel in Kanada, aber auch in Europa – gebe. Durch dieses Ungleichgewicht haben hiesige Entwickler einen Wettbewerbsnachteil. »Wenn ich hier ein Spiel entwickele, ist es bis zu 30 Prozent teurer als in Frankreich oder England«, sagte Falk.

Branche drängt auf Förderung

Die Branche dringt seit Langem auf eine Förderung ähnlich wie bei der Filmförderung. Die hatte der Bund bereits zugesagt und will die Branche im laufenden Jahr mit 50 Millionen Euro unterstützen. In dem Haushaltsentwurf für 2020 ist der Posten aber nicht mehr drin. Das sei für die Branche ein »großes Fragezeichen«, sagte Falk besorgt. Stütze der deutsche Staat die hiesigen Entwickler, ginge der Marktanteil wieder deutlich nach oben, ist er sicher. »Das Potenzial ist bedeutend höher als vier, fünf oder sechs Prozent.«

Nächste Woche findet in Köln die Gamescom statt, das weltweit größte Ereignis für Computer- und Videospiele. 2018 kamen rund 370.000 Besucher. Die Messefläche wurde um acht Prozent auf 218 000 Quadratmeter vergrößert.

Erstmals findet bereits am Montagabend eine Art Auftaktveranstaltung auf dem Messegelände statt, die »Opening Night live« mit der Vorstellung von Neuheiten. Dienstag ist Fachleuten und der Presse vorbehalten, richtig los geht es am Mittwoch – dann wird auch das breite Publikum in die Gamescom-Hallen strömen. Ob abermals ein Besucher-Höchstwert erreicht wird, wollte Verbandschef Falk nicht schätzen. Es gehe ihnen ohnehin vor allem um die globale Reichweite im Netz.

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