Fr., 23.08.2019

Verfassungsschutz startet Youtube-Kanäle zu Extremismus-Prävention Mit Humor und Fakten gegen Salafismus

Herbert Reul (von links) mit Alexander Wipprecht und Orlando Klaus, Filmproduzenten der Firma »BlueLaserBoys«.

Herbert Reul (von links) mit Alexander Wipprecht und Orlando Klaus, Filmproduzenten der Firma »BlueLaserBoys«. Foto: dpa

Köln (epd/WB/lb). Der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz ist als erste Sicherheitsbehörde in Deutschland mit eigenen Kanälen zur Salafismus-Prävention auf Youtube aktiv. Innenminister Herbert Reul (CDU) hat die beiden Kanäle am Donnerstag vorgestellt.

»Wir entlarven die Propaganda der Salafisten mit den stärksten Waffen unserer freiheitlichen Demokratie: Witz, Humor und Fakten«, teilte Reul mit. Drei Videos wurden auf der »Gamescom« in Köln vorgestellt. Insgesamt sind ein vorgestellter, sowie zwei weitere Clips bei Youtube verfügbar.

Aus den »Auswanderern« werden die »Heimkehrer«

Aus der TV-Serie »Goodbye Deutschland« wird »Goodbye Syria – die Heimkehrer«. Ein Kämpfer der Terrormiliz hat – augenscheinlich – keine Lust mehr auf den heiligen Krieg. Er kehrt zurück nach Deutschland, begleitet von einem Kamerateam der »Serie«. Er verfällt jedoch immer wieder in »alte Gewohnheiten«, die er in Syrien verinnerlicht hatte – die Absurdität von Radikalisierung, Terrorismus und Islamismus satirisch auf den Punkt gebracht. Und auch der Name des Sketch-Comedy-Kanals gibt die Richtung an: »Jihadi-Fool« (Jihad-Dummkopf). »Damit provozieren wir«, sagte Reul über den vorgestellten Clip. »Denn sie hassen es, wenn man sich über sie lustig macht.« Zugleich stellte er klar: »Wir machen uns nicht über die Religion lustig.« In Kürze werde der »Goodbye Syria«-Clip hochgeladen.

Verfassungsschutz setzt neben Humor auf Aufklärung

Daneben setzt der Verfassungsschutz mit einem weiteren Kanal »hinter.gründlich« auf Aufklärung: In einem vorgeführten Video des Wissensformates hinterfragen die Macher Propaganda-Videos des IS: »Siehst Du wirklich die Wahrheit? Oder doch bloß inszenierte und erfundene Heldengeschichten?«, heißt es darin.

Hinter den Videos steckt die Produktionsfirma »BlueLaserBoys« um Alexander Wipprecht und Orlando Klaus. Letzterer war in der vergangenen Spielzeit am Theater Bielefeld in einer Oper als Schauspieler aktiv. »Wir schreiben die Drehbücher, stellen den Cast zusammen, organisieren die Abläufe«, erklärt er im Gespräch mit dieser Zeitung die Arbeit.

In einem öffentlichen Ausschreiben habe sich die Produktionsfirma letztendlich durchgesetzt. »Man ist im Internet wahnsinnig schnell mit wenigen Klicks auf falschen Seiten«, warnt er vor Gefahren des Salafismus im Netz. Dass zwei Formate – Sketch-Comedy und Wissen – angeboten werden, habe einen Grund: »So können wir im selben Frame den Zuschauern auch erklären, worüber sie gerade gelacht haben«, sagt Orlando Klaus. In der Entstehung habe es auch einige persönliche Gespräche mit dem Innenminister gegeben. »Ich glaube, mit dem Projekt traut er sich etwas!«, sagt Klaus.

»Wir müssen dahin gehen, wo unsere Zielgruppe ist«

Reul selbst sagt: »Wir müssen dahin gehen, wo unsere Zielgruppe ist. Die 3100 extremistischen Salafisten in Nordrhein-Westfalen haben sich nicht in Luft aufgelöst, nur weil das sogenannte Kalifat des ›Islamischen Staates‹ zerschlagen ist, und die ›Lies!‹-Stände aus den Innenstädten verschwunden sind. Sie sind weiterhin aktiv und benutzen dabei alle Kanäle, auf denen sie junge Menschen finden.« Einmal in der Woche soll das Comedy-Format online gehen, alle zwei Wochen das Wissensformat, zunächst ein Jahr lang.

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