73-Jährige in Handschellen abgeführt
2000 Polizisten schützen AfD-Demo

Berlin (dpa/epd/WB). Techno, Boote, bunte Fahnen: Tausende Gegner der AfD haben deren Demonstration durch das Berliner Regierungsviertel mit friedlichem Protest begleitet. Nach einem Einsatz gegen eine ältere Frau muss die Polizei Fragen beantworten.

Sonntag, 27.05.2018, 18:58 Uhr aktualisiert: 27.05.2018, 19:24 Uhr
Mit diesem Protestschild auf dem Washington-Platz am Bahnhof begann der Vorfall. Foto: dpa
Mit diesem Protestschild auf dem Washington-Platz am Bahnhof begann der Vorfall. Foto: dpa

AfD-Anhänger aus mehreren Bundesländern versammelten sich am Sonntag am Hauptbahnhof und zogen zum Brandenburger Tor. Die Polizei war mit 2000 Beamten im Einsatz. Sie hatte angekündigt, das Versammlungsrecht durchsetzen zu wollen. Noch vor Beginn der AfD-Demo forderte die Polizei auf Bitte der Veranstalter die Menschenrechtlerin Irmela Mensah-Schramm zum Verlassen des Platzes vor dem Hauptbahnhof auf.

Die 73-jährige Berlinerin stand alleine unter den AfD-Anhängern und hielt ein Schild mit der Aufschrift »A bartig, F ies, D ämlich« hoch. Eine Polizeisprecher bestätigte, dass eine Frau in Handschellen abgeführt worden sei. Sie habe sich geweigert, den Platz zu verlassen. Er erklärte den Schritt mit dem Versammlungsrecht und dem ungestörten Verlauf von Demonstrationen (Lesen Sie auch unseren Kommentar zum Vorfall).

Auf der Abschlusskundgebung vor rund 5000 Teilnehmern nannte der AfD-Bundesvorsitzende Jorg Meuthen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) eine »Hohepriesterin des Zynismus der Macht«. Mit ihrer Flüchtlingspolitik werde »Deutschland buchstäblich hergeschenkt«. Co-Vorsitzender Alexander Gauland sagte, die etablierten Parteien »lieben die Fremden, nicht uns, nicht euch, nicht die Deutschen.« Der Protest werde so lange anhalten, bis die AfD die Verantwortung übernehme.

Immer wieder wurden aus der AfD-Demonstration heraus Rufe gegen Merkel, Flüchtlinge und Ausländer laut. Bundesvorstandsmitglied Beatrix von Storch sagte zum Auftakt: »Die Herrschaft dieses Islam in Deutschland ist nichts anderes als die Herrschaft des Bösen«.

CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer kritisierte die AfD scharf. Sie bringe den Antisemitismus in die Parlamente, schrieb sie für »Bild am Sonntag« in einem Gastbeitrag. »Alte Nazis, Neonazis und Rechtspopulisten. Sie sehen den Menschen nicht in seiner Würde als Individuum. Diese Leute sind eine Bedrohung für jüdisches Leben in Deutschland.«

Während die Veranstalter der 13 Gegenkundgebungen bei Twitter von insgesamt 72.000 Teilnehmern schrieben, ging die Polizei von mehr als 25.000 Menschen aus, die an verschiedenen Orten demonstrierten. Zur zentralen Kundgebung vor dem Reichstagsgebäude hatte das Berliner Bündnis gegen Rechts und die Initiative Aufstehen gegen Rassismus aufgerufen. Ein von der Berliner Clubszene organisierter Umzug von rund 30 Musikwagen zog über die Siegessäule zur Straße des 17. Juni. Die Organisatoren sprachen von 10.000 Teilnehmern. Rund 20 Boote und Flöße waren auf der Spree unter lauter Elektromusik von Berlin-Friedrichshain in Richtung Hauptbahnhof gefahren. Am Ende dröhnte am Brandenburger Tor David Hasselhoff aus dem Lautsprechern. Zum Abschluss ihrer Demonstration ließ die AfD den Hit des »Baywachtch«-Stars »Looking for Freedom« laufen – gegen die wummernden Bässe der Gegendemonstranten in der Ferne.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5770592?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2509831%2F2198335%2F
Merkel beklagt Trägheit im Kampf gegen Corona
Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht während einer Videokonferenz bei der Davos Agenda im Rahmen des Weltwirtschaftsforum.
Nachrichten-Ticker