Sa., 15.09.2018

Breites Bündnis fordert Stopp der Subventionierung Ist Schulkakao ungesund?

Zwei Grundschülerinnen trinken ihre Schulmilch. Die Erdbeermilch wird schon nicht mehr subventioniert, der Kakao schon.

Zwei Grundschülerinnen trinken ihre Schulmilch. Die Erdbeermilch wird schon nicht mehr subventioniert, der Kakao schon. Foto: dpa

Von Bernd Bexte

Düsseldorf (WB). Irgendwie sind alle mit Schulmilch und -kakao groß geworden. Doch das Land NRW hat die Subventionierung von gesüßten Milchgetränken an Grundschulen gestoppt. Erst Vanille- und Erdbeermilch, jetzt auch Kakao?

Ärzte, Wissenschaftler, Lehrer und Elternvertreter appellieren in einem am Freitag veröffentlichten offenen Brief an die Landesregierung, die steuerfinanzierte Förderung von gezuckertem Kakao im Schulmilchprogramm zu beenden.

In dem von der Verbraucherorganisation Foodwatch initiierten Schreiben plädieren sie dafür, stattdessen auf eine ausgewogene Mittagsverpflegung und ausreichend Obst und Gemüse an den Schulen und Kindertagesstätten zu setzen.

»Die Verteilung gezuckerter Schulmilch ist antiquiert und schädlich für die Gesundheit der Kinder«, meint Matthias ­Blüher, Präsident der Deutschen Adipositas-Gesellschaft.

»Reine Marketingmaßnahme«

Der frühere Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), Helmut Heseker vom Institut für Ernährung der Uni Paderborn, sagt: »In den 60er Jahren hat es sicherlich Sinn gemacht, den ›schmächtigen‹ Kindern eine preisreduzierte, energie- und nährstoffreiche Pausennahrung zukommen zu lassen. Aber heute benötigen Kinder und Jugendliche kein energiehaltiges Pausengetränk. Leider ist es inzwischen eine reine Marketingmaßnahme, um den Milchabsatz zu erhöhen.«

Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärzte­kammer, verweist auf das erhöhte Kariesrisiko durch Zucker. Dorothea Schäfer, Landesvorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW, meint: »Das Land wäre gut beraten, das Schulmilchprogramm auf nicht gezuckerte Milch zu reduzieren, so wie es bereits 13 Bundesländer gemacht haben. Vom eingesparten Geld könnte der Programmteil ›Schulobst- und Gemüse‹ erweitert werden.« Auch Marcus Heidemann, Sprecher der Bielefelder Kinder- und Jugendärzte, unterstützt den Appell.

In Kitas nur Milch

Das Ministerium teilte am Freitag mit: »Wir sind dankbar für alle Hinweise.« Bei einem Fachdialog am Montag würden Wissenschaftler, Sachverständige und Verbände über die Wirkungen des Schulmilchprogramms sprechen.

Gezuckerte Erdbeer- und Vanillemilch wird seit diesem Schuljahr nicht mehr über das EU-Schulprogramm mitfinanziert, Kakao mit geringerem Zuckergehalt (vier Prozent) hingegen schon. »Kakao ist für die Kinder wichtig, die für Milch pur nicht zu begeistern sind«, heißt es zur Begründung. In Kitas bleibe es aber dabei, dass nur Milch gefördert werde. An den Schulen bevorzugen zwei Drittel der Kinder Kakao.

Das EU-Programm erreicht in NRW 208.000 Kinder in Schulen und Kitas. Für Milch zahlen Eltern maximal 30 Cent, für Kakao 42 Cent. Das Fördervolumen liegt in diesem Schuljahr bei 2,6 Millionen Euro. Im Rahmen der EU-Finanzierung erhielt Deutschland für das Schuljahr 2017/18 etwa 37 Millionen Euro. 26 Millionen Euro davon sind für Obst und Gemüse, 11 Millionen Euro für Schulmilch und andere Milchprodukte vorgesehen.

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