Paderborner Erzbischof Becker äußert sich zur Missbrauchsstudie
»Tiefe Scham«

Paderborn (WB/bex). Nach der Veröffentlichung der Studienergebnisse zu Missbrauchsfällen im Erzbistum Paderborn hat sich Erzbischof Hans-Josef Becker mit einem Brief an alle Seelsorger gewandt. Die Kirche dürfe nicht zur Tagesordnung übergehen.

Donnerstag, 27.09.2018, 06:00 Uhr
Erzbischof Hans-Josef Becker – hier ein Archivfoto – zeigt sich tief bestürzt über die Ergebnisse der Missbrauchsstudie für das Erzbistum Paderborn. »Wir müssen daraus lernen.« Foto: Hannemann
Erzbischof Hans-Josef Becker – hier ein Archivfoto – zeigt sich tief bestürzt über die Ergebnisse der Missbrauchsstudie für das Erzbistum Paderborn. »Wir müssen daraus lernen.« Foto: Hannemann

Es ist das erste Mal, dass sich Becker zur Studie äußert. Bei der Vorstellung der Ergebnisse für das Erzbistum am Dienstag weilte er auf der Bischofskonferenz in Fulda. »An erster Stelle steht bei mir – wie bei vielen anderen – Erschütterung«, schreibt Becker in dem dreiseitigen Brief an alle Priester, Diakone und Mitarbeiter im Pastoralen Dienst.

»Es macht mich fassungslos, in welchem Maß sich Männer der Kirche durch den Missbrauch Minderjähriger versündigt haben. Ich empfinde eine tiefe Scham darüber, dass in der Kirche von Paderborn diese Verbrechen stattgefunden haben. Das, was geschehen ist, bleibt ein abscheulicher und dunkler Teil unserer jüngeren ortskirchlichen Geschichte.«

Übergriffe an insgesamt mindestens 197 Minderjährigen

Wie Dienstag berichtet, hat die Durchsicht der 2502 noch vorhandenen Personalakten ergeben, dass sich im Erzbistum Paderborn von 1946 bis Ende 2015 mindestens 111 Priester Übergriffen an insgesamt mindestens 197 Minderjährigen schuldig gemacht haben. Der Aktenbestand weist große Lücken auf. Hinweise auf gezielte Manipulationen gebe es aber nicht, hatte Generalvikar Alfons Hardt erklärt.

»Ich kann die Betroffenen der Verbrechen nur um Verzeihung und Vergebung bitten«, schreibt Becker. Ihnen sei viel zu lange nicht, kaum oder nur unzureichend zugehört worden. »Zugleich weiß ich, dass das zugefügte Leid sich nicht wieder gutmachen oder entschädigen lässt.«

Dankbar für die Arbeit der unabhängigen Missbrauchsbeauftragten

Der Einsatz gegen sexuellen Missbrauch Minderjähriger sei eine bleibende Aufgabe. Kirchliche Versäumnisse bei der Ahndung sexueller Vergehen seien schonungslos zu benennen.

»Als Erzbischof von Paderborn bleibt es meine Aufgabe, entsprechend den Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz jedem Hinweis nachzugehen, im Verdachtsfall Untersuchungen durchzuführen und mit den staatlichen Behörden und mit der Kongregation für die Glaubenslehre eng zusammenzuarbeiten.«

Er unterstütze ein dauerhaftes Engagement in der Aufdeckung und Prävention sexualisierter Gewalt und sexuellen Missbrauchs Minderjähriger im Erzbistum. »Ich bin dankbar für die Arbeit unserer unabhängigen Missbrauchsbeauftragten.«

Becker kündigte an, in der Bistumsleitung und in den diözesanen Gremien die Aussagen und Empfehlungen der Studienautoren zu erörtern. »Ich sehe uns in der Verantwortung, aus der Studie zu lernen.« Vorschnelle und monokausale Antworten auf die Frage nach den Gründen für den Missbrauch seien aber wenig hilfreich. Das Erzbistum Paderborn werde mit Blick auf den Opferschutz und die für Mitarbeiter verpflichtenden Präventionskurse den eingeschlagenen Weg »konsequent fortführen«.

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