Fr., 12.10.2018

Tele-Mediziner sollen Rettungsdienst vor Ort unterstützen NRW plant Notarzteinsatz per Video-Schaltung

Von Bernd Bexte

Düsseldorf (WB). NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann plant die flächendeckende Einführung von Tele-Notärzten. Sie rücken bei Notfällen nicht mehr selbst aus, sondern werden per Video in die Rettungswagen zugeschaltet.

Ein solches Modell läuft in Aachen seit 2014 im Regelbetrieb. »Nicht bei jedem akuten Notfall muss ein Notarzt physisch anwesend sein«, sagt Laumann (CDU). Ein Tele-Notarztsystem könne die Einsatzkräfte vor Ort unterstützen. Tele-Notärzte könnten per Video-Schaltung erhobene Messwerte und die Situation der Patienten bewerten. Vor allem für ländliche Regionen berge dieses Modell Potenzial.

Denn die notärztlichen Ressourcen seien begrenzt. Auslöser ist auch ein verändertes Patientenverhalten: Außerhalb der Sprechzeiten würden immer öfter Notaufnahmen und der Rettungsdienst in Anspruch genommen. Dies mache es unumgänglich, die Notfallversorgung zu reformieren.

In NRW kommt in der Regel das sogenannte Rendezvous-System zum Einsatz: Rettungswagen und bei Bedarf ein Notarzt – über dessen Einsatz entscheidet der Disponent in der Leitstelle – rücken getrennt zum Einsatzort aus.

Nicht ersetzen, sondern unterstützen

Tele-Notarztsysteme sollen das vorhandene System allerdings nicht ersetzen, sondern unterstützen, betont das Gesundheitsministerium. »Es geht nicht um finanzielle Einsparungen, sondern darum, die Qualität des Rettungswesens zu steigern.« In Aachen habe sich das Modell bewährt, mittlerweile seien auch Fahrzeuge aus den Kreisen Euskirchen und Heinsberg beteiligt. Auch außerhalb NRWs, etwa in Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern), gibt es Tele-Notärzte.

Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, bewertet die Initiative Laumanns positiv. »So etwas macht Sinn.« Das Rettungsdienstpersonal sei hervorragend ausgebildet, könne vor Ort viel leisten. »Ein Tele-Notarzt darf aber nur ein zusätzliches Angebot sein«, mahnt der Bielefelder an. Es dürfe nicht zu Einsparungen im herkömmlichen Notfallsystem kommen.

Rahmen muss stimmen

Jetzt müssen sich die Kommunen mit dem Thema befassen, sie sind für das Rettungswesen zuständig. Laut Ministerium laufen derzeit »in enger Zusammenarbeit mit den Kreisen und kreisfreien Städten« die Planungen, wie groß der Bedarf an Tele-Notarztzentralen und Tele-Ärzten ist. Der NRW-Landkreistag hält das Modell für sinnvoll, »gerade im ländlichen Raum«, sagte eine Sprecherin. Es dürfe aber nur unterstützend zum Einsatz kommen.

Helmut Dedy, Geschäftsführer des NRW-Städtetages, sieht dies ähnlich. »Genügend Notärzte zu finden, wird immer schwieriger.« Deshalb könne der Einsatz von Tele-Notärzten eine gute Idee sein – wenn die Rahmenbedingungen stimmten, etwa schnelle und sichere Datenverbindungen im Einsatzgebiet.

Kommentare

Datenanbindung?

Das geht in OWL nicht. Bin beruflich viel in Lippe unterwegs, als Techniker. In einigen Gebieten, auch entlang der B1 gibt es garkeine Anbindung, in etlichen Gebieten, z.b. Barntrup nur Edge. Da ist nichts mit Videozuschaltung! Das mag in Aachen gehen, ist halt überwiegend Flachland, aber Egge, Teuto, Weserbergland,, das geht nicht!

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