Mi., 17.10.2018

Exemplare, die regelmäßig Weidetiere reißen, sollen getötet werden Ministerium will Wölfe abschießen lassen

Dieser Wolf, der in einem Gehege im Solling lebt, braucht keine Angst zu haben

Dieser Wolf, der in einem Gehege im Solling lebt, braucht keine Angst zu haben Foto: dpa

Von Matthias Band

Düsseldorf (WB). Das Bundeslandwirtschaftsministerium von Julia Klöckner (CDU) geht beim Thema Wolf auf Konfrontationskurs zum Bundesumweltministerium von Svenja Schulze (SPD) und fordert den Abschuss von auffälligen Wölfen und Wölfen, die regelmäßig Weidetiere reißen.

»Wir müssen dringend auffällige Wölfe und auch Rudel, die regelmäßig Weidetiere reißen oder sich Siedlungen nähern, entnehmen. Wir sind mit dem Bundesumweltministerium unzufrieden, weil es hier bremst«, sagte Michael Stübgen, Parlamentarischer Staatssekretär (CDU) im Bundeslandwirtschaftsministerium, der »Rheinischen Post«.

Es gebe regional Wolfspopulationen, die größer seien, als eine Kulturlandschaft es vertrage, sagte Stübgen. Zum Teil werde Weidetierhaltung unmöglich, die aber eine naturnahe und wichtige Tierhaltung sei. »Wölfe dürften dann geschossen werden, wenn ihr Erhaltungszustand günstig wäre. Das Umweltministerium behauptet, dafür müssten in Deutschland 1000 ausgewachsene Wölfe leben. Das halten wir im Landwirtschaftsministerium für falsch.«

Notwendig sei in Kulturlandschaften und besiedelten Gebieten ein Wolfsmanagement, wie es auch in anderen Ländern betrieben werde. Stübgen: »Dadurch wurde der Wolf nicht ausgerottet. In kaum einem anderen Land der Welt, wo es Wölfe gibt, wird darauf verzichtet. Wir laufen Gefahr, die Akzeptanz in der Bevölkerung für den Wolf zu verlieren.«

60 Rudel, 13 Paare und drei Einzeltiere leben in Deutschland

Nach Angaben des Naturschutzbunds (Nabu) lebten im vergangenen Jahr 60 Rudel, 13 Paare und drei Einzeltiere in Deutschland. Ein Rudel besteht im Durchschnitt aus acht Tieren. Aktuelle Bestandszahlen sollen in diesem Herbst vorgelegt werden. Wölfe sind in Deutschland streng geschützt und dürfen nicht bejagt werden. Die Entnahme einzelner auffälliger Tiere ist nach Angaben des Umweltministeriums aber ­bereits jetzt möglich.

Die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes für den Wolf bezeichnet nur solche Wölfe als auffällig, die sich Menschen oder menschlichen Siedlungen nähern. Ausdrücklich nicht zu auffälligen Wölfen gehören demnach Tiere, die Nutztiere reißen. Wölfe sind Fleischfresser, und das Töten von Wild- und Nutztieren ist keine Form der Aggression, sondern Nahrungs­erwerb, schreibt die Beratungsstelle.

Herdentierhalter fordern schon seit längerem die Entnahme von Wölfen, wenn sie gelernt haben, Schutzmaßnahmen wie Elektrozäune zu überwinden. Der Förderverein der Deutschen Schafhaltung in Niedersachsen fordert sogar, dass Schäfer sich bewaffnen sollen, um die Raubtiere zu vertreiben.

»Es gibt keinen effektiven Herdenschutz ohne Gewehr«

»Es gibt keinen effektiven Herdenschutz ohne Gewehr«, sagt der Geschäftsführer des Vereins, Wendelin Schmücker. Mit Waffen könnten Wölfe vergrämt oder im Ernstfall getötet werden.

Zuletzt hatten Wölfe in Sachsen eine Herde mit Schafen und Ziegen angegriffen. Wie die Naturschutzstation Östliche Oberlausitz mitteilte, haben von 151 Tieren wohl nur 61 überlebt. 39 Moorschnucken und Burenziegen wurden tot aufgefunden, mehr als 50 Tiere vermisst. Auch in NRW ist der Wolf mittlerweile heimisch geworden. Anfang Oktober war in im Kreis Wesel Nordrhein-Westfalens erstes offizielles Wolfsgebiet ausgewiesen worden.

Im Landkreis Diepholz nahe der Grenze zu NRW wurden vor ein paar Tagen acht Schafe tot auf einer Streuobst­wiese gefunden. Zwei Tiere werden noch vermisst. Vermutlich wurden die Schafe von einem Wolf gerissen. Die Ergebnisse einer DNA-Untersuchung liegen aber noch nicht vor.

Ende September war eine Wölfin auf dem Truppenübungsplatz Senne nachgewiesen worden. Bevor die Senne wie das Gebiet am Niederrhein jedoch als Wolfsgebiet ausgewiesen wird, müssen sechs Monate lang mehrere individualisierte Nachweise erbracht werden.

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