Fr., 09.11.2018

Schafzüchter alarmiert: Nach neuen Rissen dürfe Abschuss kein Tabu sein Ist GW954f ein Problemwolf?

Erneut haben Wölfe Nutztiere gerissen.

Erneut haben Wölfe Nutztiere gerissen. Foto: dpa

Von Bernd Bexte

Marienmünster (WB). Der nächste Wolf wird in der Senne sesshaft. Da ist sich Ortrun Humpert sicher. Die Vorsitzende des Schafzuchtverbandes NRW aus Marienmünster fordert deutlich mehr Engagement der Politik bei der Prävention gegen Wölfe. Ein Abschuss dürfe kein Tabu sein. Denn GW954f hat wieder zugeschlagen.

Das ist die Kennung für die Wölfin, die am Niederrhein als erstes Tier in NRW dauerhaft heimisch geworden ist. Wie vorgestern berichtet, gehen zwei am 19. September in Hünxe gerissene Schafe auf das Konto der Wölfin. Ende September schlug mindestens ein Wolf auch in Schloß Holte-Stukenbrock und Bad Lippspringe zu: Ein Schaf wurde getötet, zwei wurden verletzt.

In Dinslaken wurden jüngst zehn Stücke Damwild in einem Gehege gerissen – trotz zwei Meter hohen Zäunen. Die endgültige Klärung der Risse steht noch aus. »Die Weidetierhalter in den betroffenen Gebieten sind nicht mehr bereit, die dauernden Risse zu akzeptieren«, sagt Ortrun Humpert.

Mehr Schutz der Weidetiere gefordert

Im NRW-Wolfsmanagementplan werde der Schutz der Weidetiere gefordert und im ersten ausgewiesenen Wolfsgebiet im Kreis Wesel fördere das Land seit dem 1. Oktober nun auf Antrag den Herdenschutz mit Zuschüssen zu Präventionsmaßnahmen. »Leider sorgt die Praxis, Prävention erst nach sechsmonatiger Anwesenheit desselben Wolfes zu fördern, in diesem Gebiet dafür, dass die Wölfin dort ein halbes Jahr Zeit zum Üben und Trainieren des Überwindens von Zäunen hatte«, empört sich die Schafzüchterin aus dem Kreis Höxter.

Die Weidetierhalter seien oft nicht imstande, Prävention über den normalen Grundschutz hinaus selbst zu finanzieren. Zudem stelle sich die Frage, welcher Schutz überhaupt wirksam sei. Wölfin GW954f sei nun offensichtlich am Ortstrand in ein Gehege eingedrungen, das durch einen der Wolfsrichtlinie entsprechenden Zaun (zwei Meter hoch) geschützt gewesen sei.

Schafzuchtverband fordert frühere Präventionsförderung

Die Wölfin habe diesen nicht untergraben, sondern wohl übersprungen. »Allgemein setzt sich die Erkenntnis durch, dass Problemwölfe zu entnehmen sind«, meint Humpert. »Entnehmen« heißt abschießen. Es gebe bisher jedoch keine anerkannte Definition des Problemwolfes, die auch den Schutz der Weidetiere einbeziehe.

Daher fordert der Schafzuchtverband eine frühere Präventionsförderung bei begründetem Verdacht der Ansiedlung von Wölfen. »Das hätte eine Situation wie diese möglicherweise verhindern können.« Zudem sollten Wölfe, die mehrfach Herdenzäune überwinden und Nutztiere reißen, als Problemwölfe eingestuft und geschossen werden dürfen.

Wolfmanagementplan sieht Entfernen von Problemwölfen vor

Rückendeckung bekommen die Schafhalter von den Jägern. Der Deutsche Jagdverband hat am Mittwoch die Umweltminister des Bundes und der Länder aufgefordert, konkrete Lösungen zum Umgang mit verhaltensauffälligen Wölfen zu beschließen. »Es geht um die Herstellung eines Sicherheitsgefühls vor dem größten heimischen Fleischfresser«, sagt DJV-Präsidiumsmitglied Helmut Dammann-Tamke.

Das Landesumweltamt (Lanuv) warnt vor Panikmache und verweist auf Entschädigungszahlungen nach Rissen. Immerhin handele es sich beim Wolf um eine geschützte Art. Der NRW-Wolfmanagementplan von 2016 sieht das Entfernen von Problemwölfen vor – aber zunächst nur, wenn er sich mehrfach Menschen nähert oder gezielt Hunde tötet. Vor dem Abschuss sind »verschiedene jagd- und naturschutzrechtliche Fragen zu klären«, heißt es darin.

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Es gibt keine Problemwölfe

Zunächst einmal - es gibt keine Problemwölfe. Früher wurden die Schafherden durch Schäfer und Hütehunde geschützt. Wildtiergehege gab es nicht, da wilde Tiere frei im Wald lebten, wo die Natur und die Förster den Bestand regulierten. Da der Mensch darauf besteht alles zu verdrehen und in die Natur einzugreifen und das mit wenig Sachverstand und Können, sind nicht Tiere, die durch Erbeutung ihr Überleben sichern, das Problem, sondern der Mensch. Man kann die Nutztiere schützen, indem man zu alten erfolgreichen Herdenschutzmaßnahmen zurückkehrt.

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