Sa., 01.12.2018

NRW will Schutz für Tierhalter ausweiten – »Ängste ernst nehmen« Hilfe schon bei Wolfsverdacht

Von Bernd Bexte

Düsseldorf (WB). Das Land NRW will Weidetierhalter besser vor dem Wolf schützen: Nicht erst wenn sich ein Tier dauerhaft niedergelassen hat, sondern bereits dort, wo er mehrfach aufgetaucht ist, sollen künftig Schutzmaßnahmen gefördert werden.

Das könnte zunächst vor allem Tierhalter in OWL betreffen, denn der Schafzuchtverband NRW geht davon aus, dass sich der nächste Wolf in der Senne dauerhaft niederlassen wird. Bislang gibt es erst ein ausgewiesenes Wolfsgebiet in NRW: Im Kreis Wesel ist, wie mehrfach berichtet, eine Fähe sesshaft geworden. Dort fördert das Land seit dem 1. Oktober auf Antrag den Herdenschutz mit Zuschüssen zu Präventionsmaßnahmen wie Weidezäune.

Ein solches Wolfsgebiet wird aber erst nach sechsmonatiger Anwesenheit desselben Tieres ausgewiesen. Bei Weidetierhaltern stößt das auf Kritik. Der Schafzuchtverband fordert eine frühere Präventionsförderung bei begründetem Verdacht der Ansiedlung von Wölfen. Dem will das Land nun Rechnung tragen.

NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) sprach am Freitag im Landtag von Überlegungen, künftig auch sogenannte Verdachtsgebiete auszuweisen, wo dann bereits im Vorfeld des Sesshaftwerdens Schutzmaßnahmen gegen den Wolf gefördert werden könnten. Für die genaue Definition eines Verdachtsgebiets würden derzeit »Kriterien entwickelt«, sagte Heinen-Esser. Bislang werden Präventionsmaßnahmen mit 80 Prozent Kostenübernahme gefördert, künftig sollen es 100 Prozent sein. Das entspricht der Entschädigungsquote nach dem Riss eines Weidetiers.

»Es geht hier nicht um ein dreiköpfiges Monster«

Die Landtagsfraktionen führten eine emotionsgeladene Debatte über die Rückkehr des Raubtiers. CDU und FDP hatten einen Antrag gestellt, in dem unter anderem ein Fütterungsverbot sowie eine »rechtssichere, möglichst zwischen den Bundesländern abgestimmte Regelung zum Umgang mit verhaltensauffälligen Wölfen« angestrebt wird. Geprüft werden sollen Maßnahmen zur »Vergrämung, zum Fang und zur Entnahme von verhaltensauffälligen Wölfen«. Entnahme bedeutet erschießen.

Die SPD signalisierte in weiten Teilen Zustimmung, äußerte aber auch Kritik. Die Stoßrichtung des Antrags erwecke insgesamt »den Eindruck, dass die Landesregierung dem Landesjagdverband auch noch den letzten ausstehenden Wunsch erfüllen will: den Wolf zur jagdbaren Art zu machen«, sagte Ina Spanier-Oppermann (SPD). Sie riet zur Mäßigung. »Es geht hier nicht um ein dreiköpfiges Monster, sondern ein von Natur aus menschenscheues Tier.« Schließlich seien Kolkraben für mehr tote Schafe verantwortlich als Wölfe. Generell seien das Fütterungsverbot sowie umfangreiche Hilfen für Weidetierhalter zu begrüßen. Und auch in einer grundsätzlichen Bewertung war sie sich mit Heinen-Esser einig: »Wir nehmen die Sorgen und Ängste der Bürger ernst.«

Nur noch mit Unbehagen in den Wald

Die hat Charlotte Quik unmittelbar erfahren. Die CDU-Abgeordnete kommt aus dem Kreis Wesel, dort, wo der erste Wolf sesshaft geworden ist. Wenn Eltern sich um ihre Kinder sorgten und Menschen nur noch mit Unbehagen in den Wald gingen, dann dürfe man das nicht ignorieren. »Glauben wir wirklich, dass eine friedliche Koexistenz in unserem so dicht besiedelten Land langfristig möglich ist?«, fragte sie skeptisch. Spätestens wenn ein Kind zu Schaden komme, »werden sie alle meiner Meinung sein«.

Der Antrag der CDU wurde in den zuständigen Umweltausschuss überwiesen.

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