Kommissarsanwärter aus Gelsenkirchen wehrt sich gegen Überprüfung
Clan-Razzia: Polizist festgenommen

Essen (WB). Bei der Razzia gegen arabischstämmige Clans im Ruhrgebiet haben Polizisten am Wochenende nach WESTFALEN-BLATT-Informationen auch einen Kollegen festgenommen: Der Kommissarsanwärter (19) mit nordafrikanischen Wurzeln war privat unterwegs und soll sich, wie berichtet, einer Kontrolle widersetzt haben.

Dienstag, 15.01.2019, 04:00 Uhr aktualisiert: 15.01.2019, 08:16 Uhr
Die Discothek »Essence« in Essen: Auch hier ruhte der Betrieb während der Großrazzia gegen kriminelle Familien Foto: Jochen Tack
Die Discothek »Essence« in Essen: Auch hier ruhte der Betrieb während der Großrazzia gegen kriminelle Familien Foto: Jochen Tack

Beamte überprüften am frühen Sonntag in Essen ein Auto mit vier Männern. Sie wirkten auf die Polizisten arabischstämmig. Als sie nach ihren Papieren gefragt wurden, sollen sie sich herablassend geäußert haben. Einer soll Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Kon­trolle geäußert und gesagt haben, er sei Polizist. Auf Nachfrage soll er seinen Kollegen einen Ausweis entgegengehalten, aber zum Teil abgedeckt haben.

Als der Mann durchsucht werden sollte, wehrte er sich nach Angaben der Einsatzkräfte und soll versucht haben, sich loszureißen. Die Polizisten brachten ihn mit Gewalt unter Kontrolle und nahmen ihn vorläufig fest. Ermittlungen ergaben, dass es ein Kommissarsanwärter des Polizeipräsidiums Gelsenkirchen war – ein Beamter auf Probe. Eine Sprecherin der Essener Polizei sagte, gegen den 19-Jährigen sei Anzeige wegen Widerstandes erstattet worden. »Außerdem wird ein Disziplinarverfahren eingeleitet.«

Keine Sippenhaft

Das NRW-Innenministerium wurde am Sonntag über den Fall informiert. Ministeriumssprecher Wolfgang Beus: »Wir gehen nicht davon aus, dass der Kommissarsanwärter Verbindungen zu kriminellen Familienclans hat.«

Schon 2017 hatte Bodo Pfalzgraf, der Berliner Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), vor einer Unterwanderung des Öffentlichen Dienstes durch kriminelle Familien gewarnt. Am Montag sagte er: »Das ist ein schwieriges Thema. In Berlin haben wir immer wieder Polizeischüler, die den gleichen Namen haben wie kriminelle Familien. Wenn sie sich aber nichts zuschulden haben kommen lassen, können wir sie nicht vom Polizeidienst ausschließen.« Schließlich gebe es keine Sippenhaft, und der Nachname bedeute nicht, dass jemand nicht rechtschaffen sei.

Unterwanderung der Polizei verhindern

2017 hatte eine Wirtschaftsstudentin mit arabischen Wurzeln ein Praktikum bei der Berliner Polizei genutzt, um Infos von Computerbildschirmen abzufotografieren und weiterzugeben.

NRW unternimmt einiges, um eine Unterwanderung der Polizei möglichst zu verhindern. Victor Ocansey, Sprecher des Landesamtes für Aus- und Fortbildung der Polizei: »In dem mehrmonatigen Bewerbungsverfahren ermitteln wir in diversen Interviews die Werteorientierung der Bewerber und ihre charakterlichen Eigenschaften.« Zudem würden mögliche Erkenntnisse von Polizei und Verfassungsschutz herangezogen. »Liegt etwas vor, erfolgt eine Einzelfallprüfung. Bei mittlerer oder schwerer Kriminalität scheidet der Bewerber aus. Bei typischer Jugendkriminalität wird geprüft, ob ein Eignungsmangel vorliegt.«

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