Johannes-Wilhelm Rörig fordert Aufklärungsgruppe und Meldepflicht für Internet-Anbieter
Missbrauchsbeauftragter sieht NRW in der Pflicht

Lügde/Berlin (WB). Von einem »monströsen Fall« spricht Johannes-Wilhelm Rörig, unabhängiger Missbrauchsbeauftragter der Bundesregierung. »Ich war erschüttert, als ich die Informationen bekommen habe.«

Donnerstag, 31.01.2019, 06:56 Uhr aktualisiert: 31.01.2019, 08:20 Uhr
Der Campingplatz »Eichwald« im Lügder Ortsteil Elbrinxen. Hier sollen mindestens 23 Kinder missbraucht worden sein. Foto: Christian Althoff
Der Campingplatz »Eichwald« im Lügder Ortsteil Elbrinxen. Hier sollen mindestens 23 Kinder missbraucht worden sein. Foto: Christian Althoff
Johannes-Wilhelm Rörig, unabhängiger Missbrauchsbeauftragter der Bundesregierung.

Johannes-Wilhelm Rörig, unabhängiger Missbrauchsbeauftragter der Bundesregierung.

Mit Blick auf den derzeitigen Stand der Ermittlungen spreche alles für ein »klassisches Täterverhalten«. Der Tatverdächtige habe nicht nur die Kinder, sondern auch das soziale Umfeld manipuliert.

Es sei typisch, dass alle denken: »Dieser Mensch war so nett und immer hilfsbereit.« Das sei einer der Gründe, warum es häufig so lange dauere, bis Missbrauch entdeckt wird. Zudem erzeuge der Täter häufig zunächst ein Wohlfühlklima, bevor es zum Übergriff komme. Die Kinder fühlten sich oft mitschuldig, weil sie zum Beispiel Geschenke angenommen haben. Vielfach würden sie durch den Täter auch eingeschüchtert und bedroht.

Schwachstellen im Kinderschutz

Neben der strafrechtlichen Verfolgung fordert Rörig die Landesregierung dazu auf, eine Aufklärungsgruppe einzusetzen. »Es muss klar werden, welche Behörde wann Bescheid wusste.« Und ob individuelle Fehler gemacht wurden oder es strukturelle und personelle Schwachstellen im Kinderschutz gebe.

Rörig weiter: »Solche Fälle sollten zum Anlass genommen werden, um über Präventionsarbeit zu sprechen.« Das gelte vor allem für den schulischen Bereich. »Wenn ein Kind sexuelle Gewalt erleidet, muss es wissen, dass das Unrecht ist und an wen es sich wenden kann«, erklärt Rörig. Lehrer müssten zudem für das Thema und die Signale der Kinder sensibilisiert werden. Ein entsprechendes Programm, die bundesweite Initiative »Schule gegen sexuelle Gewalt«, laufe in NRW bereits.

Meldepflicht für Internet-Anbieter

Mehrere Terabyte pornografischen Materials haben die Ermittler gefunden. »Es ist tatsächlich so, dass die Täter immer größere Datenmengen abspeichern«, sagt Rörig. Deshalb macht sich der Missbrauchsbeauftragte auch für die Vorratsdatenspeicherung stark. Zudem fordert er die Einführung einer Meldepflicht für Internet-Anbieter. »Wenn sie auf kinderpornografisches Material stoßen, sollte das dem Bundeskriminalamt gemeldet werden«, sagt Rörig.

Im Jahr 2017 wurden laut der Polizeilichen Kriminalstatistik des Bundeskriminalamtes bundesweit 11.547 Fälle des Missbrauchs von Kindern registriert. Davon lag in 2337 Fällen der Tatort in Nordrhein-Westfalen, 1295 Fälle waren es in Niedersachsen.

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