Sa., 09.02.2019

Notfallversorgung soll bis 2022 verbessert werden NRW will flächendeckend Portalpraxen einführen

Symboldbild.

Symboldbild. Foto: dpa

Von Matthias Band

Düsseldorf (WB). Um eine bessere Notfallversorgung von erkrankten oder verletzten Menschen zu gewährleisten, sollen in NRW bis 2022 sogenannte Portal­praxen flächendeckend eingeführt werden. Das teilte das NRW-Gesundheitsministerium am Freitag mit.

Die Portalpraxen sollen räumlich und organisatorisch mit der Notfallambulanz der Krankenhäuser verknüpft werden. Allerdings soll nicht jede Notfallambulanz eine Portalpraxis erhalten. Bislang gibt es in Westfalen-Lippe laut NRW-Gesundheitsministerium 15 Portalpraxen, die Notfalldienstpraxen an Krankenhäusern vorgeschaltet sind. Weitere sollen hinzukommen. Wo genau, das sollen Kassenärztliche Vereinigung, Krankenhäuser und Ärztekammern noch klären. In den Sprechstundenzeiten sollen die niedergelassenen Ärzte aber erste Ansprechpartner für die Patienten bleiben.

In den Portalpraxen sollen die Patienten zunächst von einem Mitarbeiter des jeweiligen Krankenhauses oder einem Kassenarzt untersucht werden. Nach der Untersuchung soll entschieden werden, wo sie die nötige Behandlung erhalten. Ziel sei es, dass Patienten mit Hilfe der zentralen Ersteinschätzung zum richtigen Behandlungsort weitergeleitet werden, erklärt Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU). Das könne die Notfalldienstpraxis eines niedergelassenen Arztes, die Notfallambulanz eines Krankenhauses oder eine Arztpraxis sein.

»Es ist ein richtiges Steuerungsinstrument«

So solle ein schnellerer Zugang zur medizinischen Versorgung erreicht und zugleich die starke Inanspruchnahme in Klinik­ambulanzen und Notaufnahmen verringert werden. Dieser Schritt sei nötig, »weil die Krankenhausambulanzen und Rettungsdienste immer mehr in Anspruch genommen werden«, sagt Laumann. Zugleich müssten die Patienten dort zum Teil lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Die Portalpraxen sollen darüber hinaus mit dem Apothekennotdienst verknüpft werden, um lange Wege bei der Medikamentenversorgung zu vermeiden. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, sagt: »Es ist ein richtiges Steuerungsinstrument, um zu einer Entlastung der stationären Notfallam­bulanzen zu kommen und die Patienten zügig zu versorgen.«

Kritik äußert Dr. Josef Düllings, Präsident des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands sowie Hauptgeschäftsführer des St.-Vincenz-Krankenhauses Paderborn und des St.-Josefs-Krankenhauses Salzkotten: »Die Portalpraxen sind nur ein Trostpflaster. Aufgrund der Nachwuchssorgen – insbesondere in der Hausärzteversorgung – werden die Patienten nach wie vor den schnellsten Weg zur Versorgung suchen. Und das ist im Zweifel das Krankenhaus.«

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