Politik ist uneins über Cannabis-Freigabe
Zwischen Lobbyismus und Warnungen

Bielefeld (WB/as). Wenn sich ein politisches Schwergewicht wie Ex-Außenminister Joschka Fischer (Grüne) als Lobbyist engagieren lässt, dann muss nicht nur die Gage stimmen: Das Projekt oder Produkt, das er mit Einfluss und Kontakten begleiten soll, muss Aussicht auf Erfolg haben.

Mittwoch, 27.02.2019, 11:02 Uhr aktualisiert: 27.02.2019, 11:06 Uhr
Symbolbild. Foto: dpa
Symbolbild. Foto: dpa

Seit Jahresbeginn gehört der ehemalige Vizekanzler dem internationalen Beirat des kanadischen Unternehmens Tilray an. Was sich der Pharma- und Cannabishersteller von der Personalie verspricht: Fischer soll dem nach eigenen Angaben global führenden Produzenten von Cannabis bei »der Umsetzung seiner offensiven weltweiten Wachstumsstrategie« helfen.

Kanada hat im vorigen Oktober als weltweit erste große Industrienation – und zweiter Staat überhaupt, nach Uruguay – den Cannabis-Konsum vollständig freigegeben. In Europa steht derzeit die Freigabe zu medizinischen Zwecken im Vordergrund . Seit Anfang 2017 ist in Deutschland ein Gesetz in Kraft, das den Einsatz von Cannabis-Arzneien bei einer ärztlichen Therapie und bei Patienten mit schweren Krankheiten erlaubt. Die Wirkstoffe können Schmerzen bei Krebserkrankungen, nach Chemotherapien oder bei Multipler Sklerose lindern.

Investoren und Parteien arbeiten auf Liberalisierung hin

Der 4. Europäische Cannabis-Bericht der Agentur »Prohibition Partners« erwartet einen Zuwachs der Cannabis-Patienten in Italien, Deutschland und den Niederlanden von 130.000 auf 225.000 in diesem Jahr – und einen weltweiten Umsatz mit medizinischem Cannabis in Höhe von 58 Milliarden Euro im Jahr 2028.

Während Investoren und politische Parteien wie Grüne, FDP und Teile der SPD auf die Liberalisierung des Marihuana-Konsums hinarbeiten, appelliert die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU): »Ich kann nur davor warnen, Cannabis als bloßes Lifestyleprodukt zu bagatellisieren. Gerade die, die früh mit dem Kiffen beginnen und die Droge regelmäßig konsumieren, können erhebliche gesundheitliche Beeinträchtigungen davontragen .« Cannabis ist laut einer Studie der Universität im englischen Bath heute zweimal so stark wie 2006.

Kommentare

Luca Mueller  schrieb: 27.02.2019 11:26
Cannabis sollte legal werden, weil...
Cannabis stellt momentan eine Gefahr da. Momentan, da sich jeder (Jugendliche, Kinder und Erwachsene) in jeder Stadt und jedem Dorf zu starkes oder gestrecktes Cannabis besorgen können. Der Cannabiskonsum ist so hoch wie nie zuvor, mit der Kriminalisierung und Illegalisierung wird Deutschland nicht weiter kommen und auch niemanden schützen oder gar helfen. Jedoch kann Deutschland durch eine Legalisierung Jugendliche, Kinder schützen indem sie eine kontrollierte Abgabe schaffen, denn so wird es ihnen schwerer gemacht an Cannabis zu kommen, als es momentan der fall ist, denn ein Dealer fragt nicht nach dem Ausweis. Zudem wird es auch zu keinem nennenswerten anstieg des konsums kommen, da wer jetzt kiffen will kann es jetzt auch schon machen, warum sollte er dann erst zu gras greifen, wenn es legal ist? Vergessen darf man natürlich auch nicht, wie viele Steuergelder momentan durch die Strafverfolgung verschollen gehen. Durch eine Legalisierung hingegen könnten Millionen an Steuergeldern eingenommen werden.
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