Di., 02.04.2019

Ärztliches Beratungszentrum soll Kinderschutz im Gesundheitswesen stärken NRW schafft Kompetenzzentrum gegen Kindesmisshandlung

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: dpa/Nicolas Armer

Düsseldorf (dpa). Mit einem Beratungszentrum will Nordrhein-Westfalen den Kinderschutz im Gesundheitswesen stärken. Ab Mai soll das neue Kompetenzzentrum Ärzten helfen, Verdachtsfälle von Kindesmissbrauch, Misshandlung oder Vernachlässigung besser zu beurteilen.

Das kündigte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Dienstag in Düsseldorf an. Bei vielen Akteuren im Gesundheitswesen gebe es Unsicherheit – etwa zu den Grenzen der ärztlichen Schweigepflicht oder zur gerichtsfesten Sicherung von Befunden.

Über ein geschütztes Portal können künftig Bildmaterialien und Patientendaten pseudonymisiert zur Beurteilung hochgeladen werden. Der Sitz des Kompetenzzentrums wird die Rechtsmedizin der Universität Köln sein.

Ähnliche Angebote in Bayern, Niedersachsen und Hamburg

Wie die Leiterin Sibylle Banaschak berichtete, gibt es ähnliche Angebote bereits in Bayern, Niedersachsen und Hamburg. In NRW werde aber erstmals ein rechtsmedizinisches Beratungsangebot mit einem kindermedizinischen kombiniert. Diesen Teil soll die Vestische Kinder- und Jugendklinik Datteln übernehmen.

Laut polizeilicher Kriminalstatistik wurden 2017 in NRW mehr als 9200 Kinder und Jugendliche Opfer einer Gewalttat. Die Jugendämter waren nach Zahlen des Statistischen Landesamts in knapp 39 500 Fällen mit Verdachtsfällen auf Gefährdung des Kindeswohls beschäftigt.

Konsequenzen aus dem Fall Lügde

Auf dem Campingplatz in Lügde im Kreis Lippe sind nach den bisherigen Erkenntnissen der Ermittler über einen Zeitraum von zehn Jahren zahlreiche Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht worden. Demnach wird aktuell von 36 Geschädigten und weiteren 15 Verdachtsfällen ausgegangen.

Nun werden Konsequenzen aus dem Missbrauchs- und Behördenskandal gefordert. Kiritisiert wurden unter anderem auch die Doppelzuständigkeiten der Jugendämter im Kreis Lippe und im niedersächsischen Hameln-Pyrmont im vorliegenden Fall. Zudem solle die Einführung von »Fallobergrenzen« für Jugendämter geprüft werden.

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