Fr., 17.05.2019

Landrat: »Wir wollen möglichst alle Kinder, Eltern, Kita-Mitarbeiter und Lehrkräfte erreichen« Lehren aus Lügde: Landkreis entwickelt Konzept gegen Missbrauch

Landrat Tjark Bartels (SPD).

Landrat Tjark Bartels (SPD). Foto: dpa

Hameln (dpa). Nach Fehlern im Missbrauchsfall Lügde entwickelt der Landkreis Hameln-Pyrmont ein Konzept zur Erkennung und Prävention von sexualisierter Gewalt. »Wir wollen möglichst alle Kinder, Eltern, Kita-Mitarbeiter und Lehrkräfte erreichen«, sagte Landrat Tjark Bartels (SPD) am Freitag.

Noch immer gebe es Schulleitungen, die sagten: »Bei uns passiert so etwas nicht.« Dabei sitzen dem Verwaltungschef zufolge statistisch in jeder Klasse zwei Kinder, die sexuellen Missbrauch erfahren haben. Zur Entwicklung des Konzepts hat die Behörde zwei neue Stellen geschaffen.

Trotz mehrerer Hinweise auf sexuell übergriffiges Verhalten hatte das Jugendamt Hameln des 56 Jahre alten Dauercamper Andreas V. 2017 als Pflegevater für ein Mädchen eingesetzt. Der Mann aus Lügde im Kreis Lippe soll mit einem Komplizen jahrelang mehr als 40 Kinder sexuell missbraucht und dabei gefilmt haben. Inzwischen liegen die Anklagen gegen den 56-Jährigen und einen dritten Beschuldigten aus Stade vor. Dem ehemaligen Pflegevater werden 293 Fälle vorgeworfen.

Kommission prüft Jugendamt

Hamelns Landrat Bartels hatte bereits Fehler seines Jugendamtes eingeräumt und sich im März bei den Opfern entschuldigt. Unter anderem hatte eine Mitarbeiterin eine Passage aus der Pflegekind-Akte kurz vor Beschlagnahmung durch die Staatsanwaltschaft gelöscht. Der Frau wurde fristlos gekündigt. Nach einem Beschluss des Kreisausschusses hat die Hamelner Kreisverwaltung in dieser Woche die beim niedersächsischen Innenministerium angesiedelte Kommunalaufsicht eingeschaltet.

Damit wird das Handeln des Jugendamtes in Zusammenhang mit dem Missbrauchsfall Lügde von einer Kommission überprüft.

Auch die Landtagsabgeordneten in Hannover wollen sich über Parteigrenzen hinweg für mehr Kinderschutz einsetzen. Niedersachsens Sozialministerin Carola Reimann plant unter anderem eine Informationskampagne mit dem Arbeitstitel »Kinderschutz geht uns alle an«. Verbessert werden solle der Austausch von Jugendämtern untereinander auch über Landesgrenzen hinweg, sagte die SPD-Politikerin. Darüber hinaus sollen landesweit Schulsozialarbeiter und Ehrenamtliche in Vereinen in Seminaren Schulungen zum Erkennen von Gefährdungen für Kinder und Jugendlichen erhalten.

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