Fr., 24.05.2019

CDU lädt Youtuber nach Kritik zu Meinungsaustausch ein Faktencheck zum Anti-CDU-Video: Hat Rezo recht?

Das fast eine Stunde lange Video des wohl 26-jährigen Youtubers Rezo heißt: »Die Zerstörung der CDU«. Die Partei sucht nach einem Weg, damit umzugehen.

Das fast eine Stunde lange Video des wohl 26-jährigen Youtubers Rezo heißt: »Die Zerstörung der CDU«. Die Partei sucht nach einem Weg, damit umzugehen.

Berlin (dpa). Die CDU hat den Youtuber Rezo zum Meinungsaustausch eingeladen und dessen Kritik als teilweise berechtigt bezeichnet. »Lass uns über Deine Kritik an der CDU sprechen, aber bitte höre auch uns zu, wie wir die Dinge sehen«, schrieb Generalsekretär Paul Ziemiak am Donnerstag bei Twitter.

Millionenfach wurde das Anti-CDU-Video geklickt. Unter anderem hält er den Christdemokraten vor , beim Klimawandel untätig zu sein und Politik für Reiche zu machen. Die Union weist die Vorwürfe zurück. Doch was ist dran? Zwei Beispiele.

Kohle und Klima

Gefahr für die Partei?

Mehrere Politikwissenschaftler und politische Berater bewerten das Video als erstzunehmendes Risiko für die CDU. Der Politikwissenschaftler Stefan Heumann sagte, zwar werde das Video keine entschlossenen CDU-Wähler umstimmen, es könne bei der Europawahl in Deutschland am Sonntag aber zu einem Mobilisierungsschub bei jungen Wählern führen.

»Und da bei Europawahlen die Wahlbeteiligung insgesamt geringer ausfällt, könnte eine Mobilisierung von der CDU abgeneigten Wählergruppen der Partei im Wahlergebnis schon wehtun.« Zudem werde das Video auch von Massenmedien aufgegriffen, es erreiche so nicht nur Wähler im Netz.

Rezo sagt: CDU und SPD bauten 80 000 Arbeitsplätze in der Solarbranche (in den Jahren 2012 bis 2015) ab und hielten an 20 000 Arbeitsplätzen in der Kohle-Industrie fest.

Fakten: Rezo bezieht sich mit seinen Zahlen auf die Aussagen von Volker Quaschning, einem Professor für Regenerative Energiesysteme in Berlin. Tatsächlich hatte die Bundesregierung im Jahr 2012 die Förderbeträge für Solarenergie geändert. Das machte die Nutzung von Photovoltaik weniger attraktiv – und führte zu einem Abbau von Arbeitsplätzen in der Solarbranche.

Allerdings war auch die ausländische Konkurrenz in den Jahren zuvor immer stärker geworden. Die gesunkenen Preise hatten die heimische Photovoltaik-Industrie ebenso belastet. Vor allem aber regierte im Jahr 2012 die Union mit der FDP – und nicht mit der SPD, wie Rezo behauptet.

Laut Bundeswirtschaftsministerium hat sich die Zahl der Beschäftigten bei den Erneuerbaren Energien von 2000 bis 2016 mehr als verdreifacht: Von rund 100 000 Menschen auf knapp 340 000. Im Gegenzug ist die Zahl der Menschen, die in der Kohlebranche arbeiten, auf rund ein Drittel gesunken. Direkt in der Braunkohle-Industrie arbeiten nach Angaben des Branchenverbandes rund 21 000 Menschen. Die Zahl blieb seit 2005 recht konstant. Dazu kommen rund 5700 Menschen in der Steinkohle – rund 85 Prozent weniger als im 2005.

Der Ausstieg aus der Kohle ist eine Entscheidung, an der mehrere politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Gruppen beteiligt waren. Die Umweltorganisation BUND nannte es einen »gesellschaftlichen Großkonflikt«. Auch der BUND hat dem Kohlekompromiss mit dem Ausstieg bis zum Jahr 2038 im Grundsatz zugestimmt. In einem sind sich Rezo, der BUND und etwa auch das Umweltbundesamt einig: Kohle ist für das Klima eine bedenkliche Energiequelle.

Arm und Reich

Rezo sagt: Die Schere zwischen Arm und Reich gehe immer weiter auseinander. »Die ärmsten 50 Prozent haben immer weniger Geld und die reichsten 10 (Prozent) immer mehr Geld. Dazu stieg die Armut in Deutschland in den letzten Jahren konstant an.«

Fakten: Rezos Aussage bezieht sich auf eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). In der entsprechenden DIW-Pressemitteilung von Januar 2018 steht: »Der Einkommensanteil der unteren 50 Prozent sank von 26 Prozent im Jahr 1995 auf knapp 17 Prozent im Jahr 2013.« Aus dieser Quelle zu schlussfolgern, dass die unteren 50 Prozent immer weniger Geld hätten, ist falsch. Zu erkennen ist allerdings: Der wirtschaftliche Aufschwung kommt nicht bei allen gleichermaßen an.

Die DIW-Untersuchung wurde anhand der Bruttoeinkommen gemacht - also bevor zum Beispiel Steuern vom Gehalt abgezogen oder geringe Einkommen mit Sozialleistungen vom Staat aufgestockt wurden. Wie viel Geld am Ende auf dem Konto ankommt, ist aus der Studie nicht abzulesen.

Der DIW-Wissenschaftler Markus Grabka sagte allerdings der Deutschen Presse-Agentur: »Die Bezieher von niedrigen Einkommen sind in den letzten Jahren mehr geworden.« Zudem sind in dieser Gruppe die Einkommen gesunken. Während es also für die Mehrheit der Deutschen beim Geld bergauf ging, nahmen für die unteren 10 Prozent seit 2010 trotz guter Wirtschaftslage und geringer Arbeitslosigkeit die realen Einkommen ab. Das zeigt ein jüngst veröffentlichter DIW-Bericht.

Die Zahl der Niedriglohn-Bezieher ist in den vergangenen Jahren gewachsen - und sie verfügen zugleich über weniger Einkommen. Wenn Rezo das mit seinem plakativen Satz (»dazu stieg die Armut in Deutschland in den letzten Jahren konstant an«) meint, dann hat er Recht. Bezogen auf die Hälfte der Bevölkerung ist die Aussage aber falsch.

Kommentare

Stammtischgerede auf YouTube

Halbwahrheiten sind bis vor Jahren der Hoheitsbereich von Stammtische gewesen. Im Zeitalter von YouTube sind es Personen vor Schreibtischen, die sich genüsslich gut gemachte Redebeiträge von YouTube gegenseitig teilen und mit kurzen süffisanten Kommentaren versehen.

Richtig ist, dass die Umweltzerstörung erschütternd ist. Richtig ist jedoch auch, dass schon über vierzig Jahre Anstrengungen übernommen werden den Klimawandel entgegen zu treten. - Natürlich kann immer behauptet werden es werde zu wenig getan!
Wenn jeder bei sich anfängt auf Unnötiges zu verzichten, hat er schon einen riesen Schritt getan. Ja natürlich wir. und alle Partein müssen noch viel größere Anstrengungen zur Erhaltung der Schöpfung tätigen.

Wahr ist, dass die Reichen immer reicher werden und die Armen immer ärmer. Das ist ein Ärgernis, das es auszuräumen gilt! Jedoch richtig ist auch, dass die Sozialleistungen noch nie so hoch waren wie in unseren Tagen. Durchaus ein Erfolg der SPD/CDU/CSU; besonders Bayern ist da stark aufgestellt. Richtig ist auch, dass wir - die gesamte Bevölkerung Europas - einen unterschiedlichen großflächigen Wohlstand erworben haben, der vor 50, 100, 150 und 200 Jahren kaum wohlhabende Personen generieren konnten und den niemand für möglich hielt. Darüber darf man auch mal dankbar sein und dies benennen!
Wahr ist auch, dass die Stärkung der Rechten ein Problem ist, das zunächst den inneren Frieden und schließlich den äußeren Frieden bedroht.
Wahr ist aber auch, das gerade die EU und die ehemaligen Volksparteien hierzu entscheidendes beigetragen haben!

Nicht zu letzt Stammtischgerede oder in unseren Tagen YouTuber, die Parteien zerschlagen oder zerstören wollen tragen eher zum Unfrieden und Streit und im Extremen zu Waffengängen bei!

Ich wünschte mir, das Menschen an Stammtischen und Schreibtischen sich selbst in der Steinbrucharbeit der Politik und den bürgerlichen Parteien versuchten.

Nur mal kurz

Zwei Punkte die mich doch sehr verärgern.
Due Regierung CDU/FDP hat 2012 sehr viele Unternehmen mit der änderung im EEG in die Insolvenz getrieben.
Die Branvhe hatte nur bis dahin bereits eine Eigendynamik und war nicht mehr aufzuhalten.Und sich das heute mit vielen neuen Arbeitsplätzen für sich auf die Fahne zu schreiben ist eine Frechheit.
Und was besonders schlimm ist reale Einkommen die durch Sozialleistungen aufgestockt werden gut zu heißen.Wer 40 Stunden die Woche Arbeitet sollte keine Sozialleistungen benötigen.

2 Kommentare

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