Mo., 24.06.2019

Viele Grundschulkinder sind unsicher im Wasser NRW will Schwimmkurse fördern

Immer weniger Grundschüler können schwimmen. Hier sitzt ein Mädchen mit Schwimmflügel am Rande eines Beckens.

Immer weniger Grundschüler können schwimmen. Hier sitzt ein Mädchen mit Schwimmflügel am Rande eines Beckens. Foto: dpa

Von Jan Gruhn

Lemgo/Bielefeld (WB). Wenn die Hitze kommt, zieht’s viele Ostwestfalen ins Schwimmbad oder zum Baggersee. Das Problem: Immer weniger Grundschulkinder können richtig schwimmen. Deshalb hat die NRW-Landesregierung am Montag einen Aktionsplan vorgelegt. Damit soll im Laufe der kommenden drei Jahren sichergestellt werden, dass sich Kinder spätestens in der 6. Klasse sicher im Wasser bewegen können.

Aus Sicht von Martina Reiske, Leiterin der Bielefelder Sudbrackschule, ist dieser Vorstoß begrüßenswert: »Von 80 Kindern, die in diesem Jahr bei uns Schwimmunterricht hatten, können bestimmt 20 immer noch nicht richtig schwimmen.« Grund sei nicht nur, dass die Schwimmzeiten bei weitem nicht ausreichten. Abzüglich der Zeit für Hin- und Rückweg und Umziehzeit blieben pro Woche vielleicht 50 Minuten im Wasser. »Gerade bei Kindern, die noch unsicher sind, fangen wir dann immer wieder von vorne an.«

50 Minuten im Wasser sind zu wenig

Ähnliche Erfahrungen hat auch Manfred Krumsiek gemacht. Er ist Ortsgruppenvorsitzender der Wasserretter der DLRG in Lemgo. »Die Eltern beschäftigen sich zu wenig mit ihren Kindern«, sagt Krumsiek. »Die Kinder sind nicht ans Wasser gewöhnt.« Es finge schon damit an, dass der Nachwuchs sich teilweise nicht richtig unter die Dusche traue. Seine Appell: »Fahrt mit den Kindern nicht 300 oder 400 Kilometer zu irgendeinem Event. Fahrt einfach mal wieder schwimmen.«

In Lemgo läuft Krumsiek zufolge derzeit ein Projekt mehrerer Partner, bei dem es darum geht, Eltern und Kinder wieder fürs Schwimmen zu begeistern – und zwar nicht nur in Kursen. »Unsere Kurse sind voll, wir haben teilweise lange Wartelisten.« Wichtig sei aber, eben schon vorher mit der Wassergewöhnung anzufangen. Reiske schlägt sogar vor, dass damit schon in der Kita begonnen werden könnte. »Es wäre auch eine Idee, wenn die Ärzte schon bei den U-Untersuchungen darauf hinweisen könnten.«

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Wir haben teilweise lange Wartelisten.

Manfred Krumsiek

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Der Aktionsplan des Landes sieht einer Mitteilung zufolge unter anderem vor, die Lehrpläne für den Schwimmunterricht in der Grundschule zu überarbeiten. Zudem soll das Programm »NRW kann schwimmen«, das Schülern die Teilnahme an Ferienkursen ermöglicht, ausgeweitet werden. So soll der Landeszuschuss pro Kurs von 250 auf 350 Euro erhöht werden. Außerdem wolle man in Gesprächen mit Badbetreibern daran arbeiten, möglichst viele »Wasserflächen« zu erhalten.

Die DLRG hatte bereits vor zwei Jahren Alarm geschlagen. Einer von den Rettern in Auftrag gegebenen Befragung zufolge können knapp 60 Prozent der Zehnjährigen nicht richtig schwimmen.

Kommentare

Alte Schule...

Mein alter Herr hat es mir in frühen Jahren gepredigt.Es gibt 2 Basics die ich im Leben beherrschen muss.Radfahren und Schwimmen.Das geht auch unter 5 Jahren.Die super studierten Eltern erzählen mir,das es vor dem 5.Lebensjahr kognitiv überhaupt nicht möglich ist,beides zu erlernen....Ohhh du schöne Welt,mein Sohn fährt seit 2 Jahren Rad und hat mit 5 anschließend sein Bronze gemacht.So lange dieses Desinteresse und Klugscheißen weiterhin herrscht, werden viele Kinder weiterhin mit 8 Jahren noch Schwimmflügel tragen müssen.Das ist Training und Interesse am eigenen Kind,mehr nicht.

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