Di., 17.09.2019

Kanzlerin würdigt Klaus Töpfer: Staatspreis NRW in Bonn übergeben »Ein Vordenker und Macher«

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (links) hat am Montagabend im früheren Bonner Plenarsaal des Bundestags Klaus Töpfer den Staatspreis NRW überreicht. Bundeskanzlerin Angela Merkel hielt die Laudatio.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (links) hat am Montagabend im früheren Bonner Plenarsaal des Bundestags Klaus Töpfer den Staatspreis NRW überreicht. Bundeskanzlerin Angela Merkel hielt die Laudatio. Foto: dpa

Von Sabine Robrecht

Bonn/Höxter (WB). »Er war seiner Zeit voraus – auch weil er die wirtschaftliche Entwicklung und den Schutz der Umwelt stets konsequent zusammen gedacht hat.« Mit diesen Worten hat Bundeskanzlerin Angela Merkel am Montag in Bonn Klaus Töpfer gewürdigt. Sie hielt die Laudatio zur Verleihung des NRW-Staatspreises an den früheren Bundesminister.

Schauplatz des Festakts war eine frühere gemeinsame Wirkungsstätte der Kanzlerin und des Geehrten: Im ehemaligen Plenarsaal des Bundestags zeichnete NRW-Ministerpräsident Armin Laschet den 81-jährigen Nachhaltigkeitspionier vor etwa 400 Gästen aus. Sie alle erhoben sich von den Plätzen, als Töpfer in einer bewegenden Rede für die Auszeichnung dankte und die zuvor auch von der Kanzlerin hervorgehobene Sympathie für die »Fridays for Future«-Demonstranten bekräftigte. Allerdings gab der verdiente Umweltpolitiker den Jugendlichen, von denen er zwei zum Festakt eingeladen hatte, einen Appell mit auf den Weg: »Sie sollten nicht nur protestieren, sondern auch in die Politik gehen und Verantwortung übernehmen.«

Prominente Gäste bei der Preisübergabe

Ein prominenter Gast des Festakts teilt die Besorgnis um den Planeten: Wolfgang Nie­decken, Sänger der Kult-Band »BAP«, ordnete die Situation auf dem roten Teppich im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT als dramatisch ein. »Mittlerweile fahren wir auf eine Betonwand zu.« Es werde »allerhöchste Eisenbahn für die Kehrtwende. Wir müssen alle etwas tun.« Klaus Töpfer, den man als einen der ersten Umweltpolitiker wahrgenommen habe, sei hier nach wie vor Impulsgeber.

Außer Niedecken gehörten die Schauspielerin Marie-Luise Marjan, die sich an einen Auftritt Töpfers in der ARD-Serie »Lindenstraße« erinnerte, und die frühere Staatspreisträgerin Alice Schwarzer zu den Gästen. Zahlreiche landes- und bundespolitische Weggefährten wie die Ex-Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth und ehemalige Minister brachten mit ihrer Teilnahme ihre Anerkennung für Töpfer zum Ausdruck.

Exekutivdirektor des UNO-Umweltprogramms

Natürlich war auch die UNO vertreten. Der Höxteraner Klaus Töpfer war lange der Exekutivdirektor ihres Umweltprogramms und hat auch maßgeblich dafür gesorgt, dass die Vereinten Nationen nach dem Berlin-Umzug der Bundesregierung in Bonn ansässig wurden. Für diese Verdienste um die alte Bundeshauptstadt dankte Ministerpräsident Armin Laschet dem Geehrten ausdrücklich. »Sie haben Bonn damit mehr gegeben als nur eine Ausgleichsmaßnahme.«

Laschet und auch die Laudatorin, mit der Klaus Töpfer eng verbunden ist, fächerten die Verdienste des 81-Jährigen für die Bewahrung der Schöpfung und für eine globale internationale Entwicklung würdigend auf. Er habe die Notwendigkeit einer Energiewende schon vor vielen Jahren vor­ausgesehen und vorangetrieben, sagte die Bundeskanzlerin. Oft müsse er sich dabei – auch in der Union – als Rufer in der Wüste gefühlt haben. »Er war eben seiner Zeit oft voraus.«

Klimaschutz und Entwicklungspolitik

Töpfer habe erfolgreich auf Ordnungsrecht statt auf Steuererhöhungen gesetzt. Global gesehen habe er Klimaschutz und Entwicklungspolitik als Einheit betrachtet. »Klaus Töpfer ist ein Vordenker und ein Macher. Ich hoffe, dass wir alle lernen, an morgen zu denken« – so wie es Töpfer, der Erfinder der Nachhaltigkeit immer getan habe.

Töpfer war besonders stolz darauf, seine Familie und auch Weggefährten aus seiner Heimat Höxter beim Festakt zu sehen. Die Stadt an der Weser ist inzwischen wieder sein Lebensmittelpunkt. Der Kabarettist Eckart von Hirschhausen hoffte, dass Töpfers Stimme trotz des Ruhestands gut hörbar bleibe: »Bleiben Sie vital. Vielleicht brauchen wir Sie noch für zukünftige Koalitionen.«

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