Do., 14.11.2019

Oberstufenlehrer sollen an NRW-Grundschulen bleiben – Kritik von SPD und Grünen Wer ist Schuld an der Lehrermisere?

391 Stellen an Grundschulen sind in Nordrhein-Westfalen derzeit mit Oberstufenlehrkräften besetzt. Obwohl ihnen zugesagt worden war, in die Sekundarstufe II wechseln zu können, sollen sie jetzt weiter an den Grundschulen verbleiben.

391 Stellen an Grundschulen sind in Nordrhein-Westfalen derzeit mit Oberstufenlehrkräften besetzt. Obwohl ihnen zugesagt worden war, in die Sekundarstufe II wechseln zu können, sollen sie jetzt weiter an den Grundschulen verbleiben. Foto: dpa

Von Dorothea Hülsmeier

Düsseldorf (dpa). Wer ist Schuld an der Lehrermisere an den NRW-Grundschulen? Regierung und Opposition zeigen gegenseitig mit dem Finger aufeinander. Die Schulministerin sucht derweil händeringend nach Lehrern – auch mit Lockangeboten.

Im Kampf gegen den Lehrkräftemangel an den Grundschulen will die Landesregierung übergangsweise eingestellte Oberstufenlehrer dort halten. Derzeit seien 391 Stellen an Grundschulen mit Oberstufenlehrkräften besetzt, sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) in einer Aktuellen Stunde des Landtags. Für sie sollten nun die gesetzlichen Voraussetzungen für einen Verbleib an den Grundschulen geschaffen werden. Den Lehrern war zugesagt worden, nach zwei Jahren auf eine Stelle in der Sekundarstufe II wechseln zu können.

In einer emotionalen Debatte gaben sich die rot-grüne Opposition und die schwarz-gelbe Koalition gegenseitig die Schuld für die Misere an den Grundschulen. Die SPD forderte von der Landesregierung konsequentere Maßnahmen. Allein 300 zusätzliche Studienplätze für das Grundschullehramt reichten nicht aus, um die Bildungsmisere zu stoppen, sagte der schulpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Jochen Ott. 30 Prozent der Lehramtsstudenten kämen Statistiken zufolge nie in den Schulen an. Die schwarz-gelbe Landesregierung habe auch kein Konzept für die Neuregelung des Ganztags und sende kein Signal für die lang geforderte höhere Besoldung der Lehrer.

Während für die Umstellung der Gymnasien auf den neunjährigen Bildungsgang »schnell mal 500 Millionen Euro locker gemacht« würden, lasse der von Gebauer versprochene Masterplan Grundschule weiter auf sich warten, sagte die Grünen-Schulpolitikerin Sigrid Beer.

Gebauer warf der Opposition vor: »Sie spielen sich zum Robin Hood für die Grundschulen auf.« Dabei habe die abgewählte rot-grüne Vorgängerregierung jahrelang die Hilferufe der Grundschulen zwar vernommen, aber nicht gehandelt. Die »Fahrlässigkeit« von Rot-Grün habe zu dem Missverhältnis von zwar vorhandenen Stellen an Grundschulen, aber fehlenden Lehrkräften geführt. Rot-Grün habe es versäumt, rechtzeitig Lehrerbedarfsprognosen aufzustellen, sagte Franziska Müller-Rech von der FDP.

Am Mittwoch hatten die Landesregierung und Universitäten ein Konzept für den Ausbau der Studienplätze für das Lehramt vorgelegt. So sollen allein für das Grundschullehramt zum Wintersemester 2020/21 rund 300 zusätzliche Studienplätze geschaffen werden. Insgesamt entstanden damit seit dem Amtsantritt von CDU und FDP 700 neue Plätze. Die Landesregierung will durch eine gesetzliche Änderung auch die Möglichkeiten für den Seiteneinstieg erweitern. Künftig werden für den berufsbegleitenden zweijährigen Seiteneinstieg auch Masterabsolventen von Fachhochschulen zugelassen. Bisher stand dieser Weg nur Absolventen von Universitäten offen.

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