Do., 05.12.2019

Martin Buschmann (49) setzt sich im EU-Parlament für die Rechte der Tiere ein – Mit Video Er gibt den Stimmlosen eine Stimme

Martin Buschmann vertritt die deutsche Partei Mensch Umwelt Tierschutz im Europäischen Parlament und kämpft auch gegen die Überfischung der Meere.

Martin Buschmann vertritt die deutsche Partei Mensch Umwelt Tierschutz im Europäischen Parlament und kämpft auch gegen die Überfischung der Meere. Foto: Sara Mattana

Von Sara Mattana

Brüssel (WB). Tierschutz bedeutet für immer mehr Menschen auch, sich vegetarisch oder vegan zu ernähren. Dieser Trend zeigt sich auch politisch, wenngleich auf noch geringem Niveau. Bei der Europawahl hätte die deutsche Partei Mensch Umwelt Tierschutz mit 1,45 Prozent fast ein zweites Mandat geholt. Nun kämpft Martin Buschmann als einziger, aber nicht alleine für mehr Rechte der Tiere.

Der Niedersachse aus Neu Wulmstorf (Landkreis Harburg) hat zahlreiche internationale Un­terstützer für seine Anliegen. „Tierschutzthemen sind im Parlament nicht gerade populär, aber ich habe das Glück, dass meine Fraktion klar hinter mir steht”, sagt der 49-Jährige. Er hat sich dazu entschieden, der Konföderalen Fraktion der Vereinigten Europäischen Linken/Nordische Grüne Linke (GUE/NGL) beizutreten. Der Hauptgrund dafür: „Hier gibt es keinen Fraktionszwang. Wenn ich anders abstimme als die Mehrheit meiner Fraktion, habe ich keine Konsequenzen zu befürchten“, sagt Buschmann. Ein Privileg, das nicht in allen Fraktionen selbstverständlich ist.

Dem Abgeordneten Martin Buschmann liegt vor allem die Abschaffung von Tierversuchen am Herzen. Foto: Sara Mattana

Europaweite Datenbank dringend notwendig

Besonders am Herzen liegt ihm die Abschaffung von Tierversuchen. Für dieses Thema setzt er sich auch in der „Eurogroup for Animals“ ein. „Es gibt Computersimulationen oder das Projekt ‚Organ on the Chip‘. Dieser Chip ist menschlichen Organen nachempfunden und sagt damit sogar viel mehr aus als ein Tierversuch. Auch Versuche mit Zellkulturen sind mittlerweile möglich, um zu testen, wie Haut auf eine Substanz reagiert“, sagt Buschmann.

Außerdem sei es dringend notwendig, eine europaweite Datenbank für Ergebnisse von Tierversuchen einzuführen, „damit diese nicht immer wieder wiederholt werden müssen“.

Politisch zwischen SPD und Linkspartei

Mit der Tierschutzpartei positioniert er sich politisch zwischen der SPD und der Linkspartei. „Tierschutz steht traditionell auf der linken Seite, es geht vor allem um Antispeziesismus. Das heißt, dass auch Tieren Rechte zugesprochen werden. Wir unterscheiden uns aber dennoch von den Linken, da es bei ihnen eine kommunistische Plattform gibt, die bei uns keine Rolle spielt“, sagt Buschmann, der eng mit zahlreichen Nichtregierungsorganisationen (NGO) wie „Ärzte gegen Tierversuche“ oder „Vier Pfoten“ zusammenarbeitet.

„Tierschutzorganisationen haben keine politische Macht, deshalb sind wir ihre Vertretung im Parlament und halten als Partei engen Kontakt“, sagt Buschmann. Auch andere Abgeordneten treten mit ihm für Menschenrechte, Umweltschutz und den Schutz der Tiere ein. So waren auch seine niederländische Mitstreiterin Anja Hazekamp und sein portugiesischer Kollege Francisco Guerreiro mit dabei, als Buschmann jetzt die Ausstellung „Rethink Fish“ (Fischerei überdenken) im Brüsseler EU-Parlament eröffnete, um der Politik das Leid der Fische und die Überfischung der Ozeane vor Augen zu führen.

Tierschutzgesetz müsse dringend überarbeitet werden

Denn zwar gibt es ein Tierschutzgesetz, das besagt, dass keinem Tier ohne vernünftigen Grund Leid zugefügt werden darf, doch dieses Gesetz muss laut Martin Buschmann dringend überarbeitet werden: „Das Tierschutzgesetz ist das Papier nicht wert, auf das es geschrieben steht. Denn würde man sich streng an diesen ersten Punkt halten, wären Tierversuchslabore und Schlachthöfe nicht möglich“, erklärt Martin Buschmann. Selbst lebt er seit vielen Jahren vegan – so wie es seiner Ansicht nach jeder Tierrechtler tun sollte. „Wer Tieren Rechte zugesteht und sagt, dass Tiere ein unversehrtes Leben führen müssen, der kommt am Veganismus nicht vorbei. Wer nur Tierschützer ist, bei dem mag das vielleicht anders sein.“

Jeden Tag: Tieren eine Stimme verleihen

Auch zum umstrittenen Mercosur-Abkommen zwischen der EU und Südamerika vertritt er eine klare Meinung: „In Brasilien brennt der Regenwald seit Monaten für Tierfutter und Tiermastanlagen. Das ist dermaßen umweltschädigend und geht gegen die Menschenrechte, das geht in meinen Augen gar nicht.“

Und obwohl Tierschutz für viele Abgeordnete nicht an erster Stelle steht, nutzt Buschmann jeden Tag die Gelegenheit, den Tieren eine Stimme zu verleihen: »Ich habe hier die Chance, aufzustehen und meine Meinung zu vertreten, und man hört mir zu. Das ist ein wichtiger Schritt für den Tierschutz.« So wurde auf seine Initiative hin kürzlich über die Abschaffung der Stierkampfsubventionen abgestimmt – der Antrag wurde nur mit knapper Mehrheit abgelehnt. Das ist für ihn Ansporn genug.

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