Mo., 13.01.2020

Zahl der Anzeigen wegen Missbrauchs stieg 2019 um 16 Prozent – Fall Bergisch Gladbach: Spur ins Ausland 67 Prozent mehr Fälle von Kinderpornos in NRW

Eine Polizeiabsperrung auf dem Campingplatz Eichwald in Lügde.

Eine Polizeiabsperrung auf dem Campingplatz Eichwald in Lügde. Foto: Christian Althoff/Archiv

Von Christian Althoff

Düsseldorf (WB). Die Zahl der bekanntgewordenen Fälle von Kindesmissbrauch ist im vergangenen Jahr in Nordrhein-Westfalen um 15,8 Prozent gestiegen. „Unsere Kreispolizeibehörden haben 2805 Verfahren eingeleitet. 2018 waren es noch 2422”, sagte Landesinnenminister Herbert Reul (CDU) dem WESTFALEN-BLATT.

Noch stärker war die Zunahme bei Erwerb, Besitz und Verbreitung sogenannter Kinderpornografie. Hier gab es eine Steigerung von 67,1 Prozent – von 1411 Fällen im Jahr 2018 auf 2359 Ermittlungsverfahren im vergangenen Jahr.

Experten nennen für diese massive Zunahme zwei Gründe: Zum einen müssen seit 2012 in den USA Internetprovider, E-Mail-Anbieter und Datenhoster alle grafischen Inhalte, die im Netz verschickt werden, automatisiert nach Kinderpornografie filtern. Deshalb erhalten die deutschen Behörden aus den USA immer mehr Hinweise auf Täter in Deutschland. Zum zweiten steigt die Kripo in Nordrhein-Westfalen seit 2019 laut Innenministerium tiefer in die Ermittlungen ein und sucht bei Verdächtigen zunehmend nach Querverbindungen zu anderen Pädokriminellen. Auch das erhöht die Fallzahlen in Sachen Kinderpornografie.

Aufklärungsquote verbessert

„Dass es 2019 deutlich mehr Anzeigen beim Kindesmissbrauch gab, mag auch daran liegen, dass der Fall Lügde viele Menschen sensibilisiert hat, die heute eher mit einem Verdacht zur Polizei gehen”, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Zudem schlagen sich in der Kriminalstatistik 2019 auch die Missbrauchsfälle aus dem Lügde-Verfahren nieder – auch wenn die Anzeige, die den Fall ins Rollen brachte, bereits 2018 erstattet worden war.

In beiden Kriminalitätsfeldern hat die Polizei 2019 die Aufklärungsquote verbessert. Beim Kindesmissbrauch stieg sie im Landesdurchschnitt von 82,1 auf 83,7 Prozent, bei der Kinderpornografie nahm sie von 91,3 auf 93,2 Prozent zu.

Vor einem Jahr hatte die Polizei in NRW schon einmal einen Anstieg der angezeigten Taten gemeldet: Um 13 Prozent bei der Kinderpornografie und um 3,6 Prozent beim Missbrauch. Etwa 80 Prozent der 2640 bekanntgewordenen Opfer waren Mädchen.

Spur nach Österreich

Missbrauchsfall Bergisch Gladbach gibt es jetzt die erste Spur ins Ausland. Nach WESTFALEN-BLATT-Informationen hat das Bundeskriminalamt die österreichischen Behörden darüber informiert, dass ein dort lebender Mann als Tatverdächtiger identifiziert worden sei.

Der Kinderporno- und Missbrauchsfall Bergisch Gladbach war im Oktober bekanntgeworden und wird in NRW federführend von der Polizei Köln bearbeitet. Der Ermittlungskommission „Berg” gehören inzwischen mehrere hundert Polizisten an. Bundesweit wurden bis heute 25 Opfer und 42 mutmaßliche Täter identifiziert, zehn von ihnen sitzen in Untersuchungshaft. Betroffen sind die Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen, Rheinland-Pfalz, das Saarland, Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Hamburg und Berlin.

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