Fr., 27.03.2020

Hohe Testzahl – Städtebund fordert Shutdown-Ende – Kritik an KfW Spahn sieht „Ruhe vor dem Sturm“

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bekräftigt, dass Deutschland wegen sehr vieler Tests früh mit Vorbereitungen im Medizinbereich beginnen konnte.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bekräftigt, dass Deutschland wegen sehr vieler Tests früh mit Vorbereitungen im Medizinbereich beginnen konnte. Foto: dpa

Berlin/Bielefeld (dpa/WB/OH). Im Kampf gegen das Coronavirus geht Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) von weiter steigenden Belastungen für Ärzte und Pfleger aus. „Noch ist das die Ruhe vor dem Sturm“, sagte Spahn am Donnerstag in Berlin. „Keiner kann genau sagen, was in den nächsten Wochen kommt.“ Daher sei es weiterhin nötig, die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen und die Kapazitäten in den Kliniken auch mit Intensivbetten zu erhöhen.

„Jetzt kann noch keine gesicherte Aussage gemacht werden, ob sich die Infektionsdynamik abgeschwächt hat“, sagte der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler. „Manche Städte und Landkreise haben es geschafft, größere Ausbruchsgeschehen auch unter Kontrolle zu bekommen.“ Diese Ausbrüche seien teilweise in Zusammenhang mit Festen oder Reisen aufgetreten.

Hohe Testkapazität

Spahn bekräftigte, dass Deutschland wegen sehr vieler Tests früh mit Vorbereitungen im Medizinbereich beginnen konnte. Die Kapazität liege mit 300.000 bis 500.000 Tests pro Woche auch im internationalen Vergleich sehr hoch. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) warb um Verständnis dafür, dass Coronavirus-Tests oftmals nur bei Menschen mit Krankheitssymptomen vorgenommen würden. Man habe zwar Kapazitäten, sie reichten aber nicht, „um 83 Millionen einfach mal eben durchzutesten“, sagte KBV-Bundesvorsitzender Andreas Gassen.

Spahn betonte, dass es für die Politik um Konzepte dafür gehe, dass es „eine Zeit nach Corona“ geben werde, in der man weiter gegen das Virus kämpfe, das öffentliche Leben aber schrittweise normalisiere. Das fordert auch der Städte- und Gemeindebund. „Langfristig können wir nicht das gesamte Land lahmlegen“, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg. Als zentrale Frage nannte er, ob Schulbetrieb und Kinderbetreuung nach Ostern wieder aufgenommen würden. Auch an eine Öffnung von Restaurants müsse gedacht werden.

Kreditanträge schnell bearbeiten

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hat an Banken und Sparkassen appelliert, die Anträge der Unternehmen auf KfW-Überbrückungskredite so schnell wie möglich zu bearbeiten. „Denn für die Firmen und Betriebe kommt es auf jede Minute an”, sagte Scholz.

Der Bielefelder Unternehmer Wolf D. Meier-Scheuven, im Ehrenamt Präsident der Indus­trie- und Handelskammer Ostwestfalen, sieht Nachbesserungsbedarf bei KfW-Krediten. „Es ist problematisch, dass die Hausbanken in dieser Ausnahmesituation zehn oder 20 Prozent des Kreditrisikos tragen sollen.“ Damit drohe Unternehmen, die im Grunde gut seien, aber ein oder zwei schwierige Jahre hinter sich hätten oder sich in Restrukturierung befinden, dass sie kein Geld bekommen. Auch einen monatelangen Shutdown könne sich Deutschland nicht leisten. Das würde zu „irreparablen Folgeschäden“ führen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7345072?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2509831%2F2198335%2F