Erste Großstadt in Nordrhein-Westfalen
Mundschutzpflicht in Münster beim Einkauf - Debatte in NRW stärker

Münster (dpa).  In Nordrhein-Westfalen mehren sich Rufe nach einer Maskenpflicht beim Einkauf und im Nahverkehr zur Eindämmung des Coronavirus. Die Stadt Münster beschloss am Montag, dass dort in Läden, auf Märkten und in Bussen vom kommenden Montag (27.4.) an Mund- und Nase mit Alltagsmasken oder einem Schal bedeckt sein müssen. So soll das Risiko einer Ansteckung im öffentlichen Raum minimiert werden, weil sich die Stadt mit der Lockerung der Corona-Maßnahmen wieder langsam belebt. Auch wer städtische Gebäude in Dorsten betritt, muss ab Dienstag einen Mund-Nase-Schutz tragen. Die Landesregierung setzt bislang jedoch auf Freiwilligkeit.

Montag, 20.04.2020, 16:04 Uhr aktualisiert: 20.04.2020, 17:08 Uhr
Die Verkäuferin eines Gemüsestandes in Straubing spricht mit Schutzmaske zu einer Kundin (Symbolbild). Foto: Armin Weigel/dpa
Die Verkäuferin eines Gemüsestandes in Straubing spricht mit Schutzmaske zu einer Kundin (Symbolbild). Foto: Armin Weigel/dpa

Mit der Entscheidung Bayerns, ab kommender Woche eine Maskenpflicht einzuführen, hat die Diskussion um die Maßnahme Fahrt aufgenommen. In Sachsen gilt sie bereits, in Mecklenburg-Vorpommern müssen vom 27. April an im Nahverkehr Masken getragen werden. Zudem gibt es in einzelnen Städten anderer Bundesländer eine Maskenpflicht beim Einkauf oder Bahnfahren. Die Bundesregierung empfiehlt dort bislang nur „dringend“, Masken zu tragen. Auch eine Sprecherin aus der NRW-Staatskanzlei verwies am Montag auf diese Empfehlung, auf die sich Bund und Länder in der vergangenen Woche verständigt hatten. Ministerpräsident Armin Laschet lehnt eine allgemeine Pflicht bislang ab und hatte zuletzt betont, Freiwilligkeit einem Zwang vorzuziehen.

Am Montag kam dazu Kritik von der SPD-Opposition im NRW-Landtag: Abermals sei Bayern hier NRW einen Schritt voraus, sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Partei Lisa-Kristin Kapteinat der „Rheinischen Post“: „Ich kann die Entscheidung für Geschäfte und öffentlichen Nahverkehr jedenfalls nachvollziehen und würde mir wünschen, dass NRW das genauso macht“, sagte die SPD-Politikerin. Klar sei nur, dass die Masken dann auch an den entsprechenden Stellen zur Verfügung stehen müssten.

Der Krisenstab in Münster sah am Montag die Notwendigkeit, eigene Wege zu gehen: Weil Städte und Läden sich wieder belebten, habe man eine solche Maskenpflicht ab kommenden Montag für Bereiche verfügt, in denen das Abstandsgebot nur schwer durchzuhalten sei, erklärte eine Sprecherin. Das gilt in Läden, aber auch auf dem Wochenmarkt sowie in den öffentlichen Bereichen der städtischen Verwaltungsgebäude. „Ein Schal oder ein Tuch reicht aber auch“, sagte sie weiter. Wer sich weigere, Mund und Nase zu bedecken, der dürfe aus Geschäften oder Bussen verwiesen werden. Bußgelder seien zunächst nicht vorgesehen. Die Bürger hätten sich bislang an die geltenden Abstandsregeln gehalten. Man gehe nun davon aus, dass sie sich auch an die Maskenpflicht halten und „ein freundlicher Hinweis ausreicht“, sagte die Sprecherin.

In der Ruhrgebietsstadt Dorsten gilt die Maskenpflicht zwar nicht in Läden, wohl aber in Gebäuden der Stadtverwaltung: Alle 1200 Mitarbeiter dürfen diese laut Mitteilung nur noch mit einem Mund-Nasen-Schutz betreten. Bürger ohne eigene Maske können einen Einweg-Mund-Nase-Schutz zum Preis von einem Euro am Eingang der Verwaltungsgebäude bekommen. Auch Erwachsene, die eine städtische Kita betreten, werden zum Tragen einer Maske verpflichtet. Die Maskenpflicht gilt darüber hinaus auf dem Wertstoffhof.

60 Prozent der Bürger in NRW würden laut einer aktuellen Umfrage eine allgemeine Pflicht zum Tragen von Schutzmaßnahmen befürworten, um mehr Normalität in der Corona-Krise zu ermöglichen. Das ergibt sich aus dem aktuellen NRW-Trend, den das Forschungsinstitut Infratest dimap im Auftrag des WDR-Magazins „Westpol“ erstellt hat.

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