Bund und Länder ringen um Kita-Öffnungen – Experten sollen Vorschläge erarbeiten
Giffey: Kriterien für Notbetreuung ändern

Berlin (WB). In Deutschland gibt es 3,5 Millionen Kita-Kinder. Doch nur wenige haben derzeit Anspruch auf eine Notbetreuung während der Corona-Pandemie. Sollten die meisten Kitas bis August geschlossen bleiben, steigt der Druck auf Eltern und Kinder enorm.

Mittwoch, 22.04.2020, 08:40 Uhr aktualisiert: 22.04.2020, 08:44 Uhr
Gleichzeitig arbeiten und die Kinder betreuen – diese Situation ist für viele Familien während der Corona-Krise alltäglich. Foto: dpa
Gleichzeitig arbeiten und die Kinder betreuen – diese Situation ist für viele Familien während der Corona-Krise alltäglich. Foto: dpa

Um insbesondere berufstätige Mütter und Väter und ihre Kinder zu entlasten, will Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) die Kriterien für die Notbetreuung ändern. Insbesondere Alleinerziehende, Eltern von Vorschulkindern und Familien in besonders belasteten sozialen Situationen sollten die Kinder bald wieder in die Kita schicken dürfen, sagte Giffey.

Länder und Kommunen zuständig

Zuständig für die Umsetzung sind jedoch die Länder und Kommunen. Um die möglichen Regeländerungen zu koordinieren, hat am Montag die Arbeitsgruppe „Leitlinien und Empfehlungen zur schrittweisen Wiedereröffnung“ ihre Arbeit aufgenommen. Die Experten sollen Kriterien erarbeiten, unter welchen Bedingungen eine umfangreichere Betreuung möglich werden kann. Bis Ende der Woche sollen sie Vorschläge präsentieren.

Das Thema dürfte auch beim Koalitionsausschuss an diesem Mittwoch eine Rolle spielen. Doch die örtlichen Gegebenheiten sind sehr unterschiedlich, die Betreuungskonzepte der Kitas teils nicht vergleichbar. Einheitliche Regelungen wird es deswegen kaum geben können. Am vergangenen Mittwoch hatten die Regierungschefs der Länder im Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel Lockerungen der seit Mitte März geltenden Corona-Einschränkungen vereinbart. Am 30. April soll es weitere Beratungen zwischen Bund und Ländern geben.

Gesundheitsschutz im Vordergrund

Im Vordergrund steht dabei zunächst, wie der Gesundheitsschutz der Erzieherinnen, der Eltern und der Kinder gewährleistet werden kann. Kleine Kinder können mit einem Mundschutz nicht angemessen umgehen, Körperkontakt lässt sich kaum vermeiden. Hinzu kommt, dass es bisher wissenschaftlich nicht ausreichend geklärt ist, welche Rolle Kinder bei der Übertragung des Virus spielen.

Die Frage, woran es liegt, dass Kinder offenbar seltener an Covid-19 erkranken als Erwachsene, konnten Studien bislang nicht sicher beantworten. Die Arbeitsgruppe muss außerdem beurteilen, wie beispielsweise offene Betreuungskonzepte von Kitas noch möglich sind, bei denen sich Kinder die einzelnen Räume und Gruppen selbstständig suchen können. Zugleich bekräftigte Giffey ihre Forderung, auch über eine teilweise Öffnung der Spielplätze zu sprechen.

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