Landesregierung konkretisiert die Vorgaben für Lockerungen
Anschub für Gastronomen

Düsseldorf (WB). Erst waren es kleine Schritte, jetzt lockert die Landesregierung in vielen Bereichen die zur Corona-Abwehr verhängten Beschränkungen. Das sei keine leichte Übung, räumte Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) ein.

Freitag, 08.05.2020, 05:07 Uhr aktualisiert: 08.05.2020, 06:13 Uhr
Andreas Pinkwart (FDP), Wirtschaftsminister von Nordrhein-Westfalen. Foto: dpa
Andreas Pinkwart (FDP), Wirtschaftsminister von Nordrhein-Westfalen. Foto: dpa

Zusammen mit weiteren Kabinettskollegen erläuterte er , was die Lockerungen für NRW konkret bedeuten. Details für die stufenweise Öffnung der Kitas und der Tagespflege sollen an diesem Freitag vorgestellt werden.

Vor allem die Wirtschaft braucht jetzt dringend Impulse: „Die Krise hat alle Branchen erfasst“, sagte Pinkwart. Rund 152 000 Unternehmen in NRW hätten für 2,1 Millionen Beschäftigte Kurzarbeit angemeldet, vor allem Gastronomie und Handel seien stark betroffen. Für sie sollen Perspektiven entstehen. „Schritt für Schritt müssen die Zigtausenden Gastronomen und Hoteliers in Nordrhein-Westfalen die Umsätze erreichen, die sie vor der Krise erzielen konnten“, sagte Pinkwart. Für Härtefälle sei ein neues Hilfspaket des Bundes absehbar. ►

Was müssen Gastronomen jetzt beachten?

Insgesamt 16 Vorgaben müssen Restaurant- und Café-Besitzer beachten, wenn sie ab Montag öffnen. Neben den Hygieneregeln — jeder Tisch muss stets desinfiziert werden und darf nicht vorher eingedeckt sein, Beschäftigte müssen häufig Hände waschen — und einem Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen Tischen müssen sie die Kontaktdaten ihrer Gäste notieren.

Niederlande offen

Auch die Niederlande haben die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie weiter gelockert. Touristen dürfen ab dem 1. Juli wieder in die beliebten holländischen Feriengebiete reisen. Dann können alle Campingplätze und Ferienparks wieder voll geöffnet werden. Bisher galt das nur eingeschränkt, auch mussten auf Campingplätzen Duschen und WCs geschlossen bleiben. Da es nie ein Einreiseverbot gab, können auch deutsche Urlauber dann wieder Unterkünfte mieten. Die Kommunen der Grenzregion raten noch von Besuchen zum Shoppen ab, um Gedränge in Zentren zu verhindern.

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Pinkwart verwies auf neue digitale Anwendungen, bei denen beispielsweise Gäste über einen Barcode am Tisch ihre Bestellung aufgeben können. Solche Apps hätten nordrhein-westfälische Start-ups bereits entwickelt.

Dass Tische reserviert und die Besucher registriert sind, ist dem Minister zufolge das entscheidende Kriterium, warum Bars oder Clubs nicht öffnen dürfen: Dort sei das Distanzgebot nicht kontrollierbar. „Die Regel ist an Sitzplätzen festgemacht, die zugewiesen sind.“ Das erlaube auch Kneipen den begrenzten Betrieb. ►

Wie viele Gäste dürfen am Tisch sitzen und wie lange?

Weil die Kontaktbeschränkung gelockert wird, dürfen sich nun auch Personen aus zwei Haushalten treffen. Dabei gebe es keine Beschränkung der Gruppengröße, sagte Pinkwart.

Ob die Gäste tatsächlich nur aus zwei Haushalten kommen, müssen die Gastronomen nicht überprüfen. Wenn Ordnungsämter die Einhaltung kontrollieren, sei der Nachweis eine Sache der Gäste. Eine zeitliche Begrenzung für den Aufenthalt setzt die Corona-Verordnung nicht. ►

Wann startet der Tourismus wieder?

Während Ferienwohnungen und Campingplätze ab Montag wieder belegt werden können, dürfen Hotels erst ab dem 18. Mai — erstmals also am langen Wochenende um Christi Himmelfahrt — wieder Touristen beherbergen.

Für sie sollen bis dahin ebenfalls konkrete Vorgaben nach dem Vorbild der Gastronomie definiert werden. Hotels habe die Landesregierung auch im Blick gehabt, als sie die Freigabe für Fachmessen ab 30. Mai durchgesetzt habe. Natürlich gehe es aber auch darum, dort „die Nachfrage von morgen zu generieren“. ►

Welche Sportarten sind bereits wieder erlaubt?

Seit Donnerstag können Sportarten ohne Körperkontakt und mit Sicherheitsabstand im Freien ausgeübt werden: Golf, Tennis (auch im Doppel), Einer-Kanu, Bewegungsangebote wie Yoga in Parks oder auf Sportplätzen seien möglich, sagte Sport-Staatssekretärin Annette Milz (CDU).

Welche Regeln für Fitnessstudios, Tanzsäle und kontaktlosen Sport in Hallen praktisch gelten, werde an diesem Freitag veröffentlicht. Wichtig sei: Umkleiden, Sanitäranlagen und Toiletten blieben geschlossen. „Man muss diese Begrenzungen akzeptieren.“ Ob Wettkämpfe und Kontakt-Sportarten tatsächlich ab dem 30. Mai starten können, hänge vom weiteren Verlauf der Epidemie ab. ►

Wie startet der Kulturbetrieb?

Zunächst sind ab Montag nur kleinere Freiluft-Darbietungen möglich, wenn das Publikum Alltagsmasken trägt. Wenn es mit den Behörden abgestimmt ist, könne das auch in geschlossenen Räumen stattfinden, erklärte Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen. Musikschulen können wieder Einzelunterricht und Stunden für Gruppen bis zu sechs Teilnehmern erteilen. ►

Wann starten Kinos und Theater?

Voraussichtlich am 30. Mai können Kinos, kleine Theater und Konzerthäuser öffnen. Dafür müssen sie den Mindestabstand mit zwei freien Plätzen zwischen Personen unterschiedlicher Haushalte garantieren. Konzepte für den Einlass sowie das Verlassen müssen um Lösungen für Pausen ergänzt werden. Große Häuser sollen erst am 1. September öffnen.

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